Stephan Büttner über den Zuckerstandort Österreich

Agrana-CEO Stephan Büttner sieht die Zuckerfabrik in Tulln für heuer ausgelastet. Für eine nachhaltige Absicherung ist ein gemeinsames Handeln weiterhin notwendig.

Die Zuckerpreise haben sich seit 2024 annähernd halbiert, während die Kosten deutlich gestiegen sind. Allein in der abgelaufenen Saison mussten deshalb EU-weit fünf Zuckerfabriken schließen, darunter auch Leopoldsdorf. Vor kurzem gab es einen Zuckergipfel mit Politik, Industrie und Rübenbauern. Wie groß ist das gemeinsame Interesse, die Zuckerproduktion in Österreich aufrechtzuerhalten?
Stephan Büttner: Der europäische Zuckerstandort ist insgesamt unter Druck und auch die Agrana musste eines ihrer Werke schließen. Das ist richtig. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Die Weltmarktsituation ist nur einer davon. Einseitige Markt­öffnungen, Stichwort Ukraine, explodierende Energiepreise und stetig zunehmende Regulation spielen ebenso eine Rolle. Das erkennt inzwischen auch die Politik. Wir begrüßen daher auch die Initiative von Landwirtschaftsminister Totschnig. Wichtig sind faire Wettbewerbsbedingungen in der EU, keine übereilten Importerleichterungen für Drittländer, wettbewerbsfähige Energiepreise und ein verlässliches Regulierungssystem im Pflanzenschutz für Landwirte. Gerade Letzteres spielt eine zentrale Rolle beim Rübenanbau und somit bei der langfristigen Versorgung einer Zuckerfabrik mit Rohstoffen.

Welche Hebeln hat die Agrana selbst in der Hand, um die Zuckerproduktion in Österreich zu halten?
Büttner: Unser wichtigster Ansatzpunkt ist die Kostenschraube im rohstoffbasierten Commoditygeschäft sowohl bei Zucker als auch bei Stärke und zwar vom Rohstoffeinkauf bis zur Produktion. Unser Ziel ist, die Abhängigkeit von landwirtschaftlichen Zyklen, Klima- und Marktbedingungen durch Prozess- und Technologieoptimierung zu reduzieren. Dazu braucht es eine möglichst enge Verzahnung der Arbeitsprozesse zwischen Rohstoffeinkauf, Produktion, Markt und Lieferkette. Im vergangenen Jahr ist hier etwa in der Instandhaltung, in der Stabilität von Energiekreisläufen, in der Reduktion von Prozess- und Qualitätsverlusten oder in der gezielteren Nutzung von kostenintensiven Betriebsmitteln schon sehr viel gelungen. Das ist alles, was wir selbst in der Hand haben. Wir haben deshalb klare Erwartungen vor allem an die europäische Politik. Es wäre schon viel gewonnen, wenn sie uns das Leben nicht zusätzlich erschweren würde.

Die Kontraktanbauflächen in Österreich sind nicht zuletzt durch die Schließung des Werkes Leopoldsdorf deutlich auf rund 23.000 Hektar zurückgegangen. Ist die Zuckerfabrik in Tulln damit ausgelastet? 
Büttner: Ja, wenn die bereits kontrahierten 23.000 Hektar zur Ernte gelangen, ist eine gute Kampagnenauslastung gewährleistet. Die Weichen dafür sind dank der Anbaubereitschaft der Landwirte gestellt. Sie ist auch Ausdruck dessen, dass wir partnerschaftlich durch gemeinsames, vorausschauendes Handeln für eine nachhaltige Absicherung des Zuckerstandortes Österreich arbeiten wollen.

Der Zuckerpreis ist stark vom Weltgeschehen und insbesondere auch vom Ölpreis abhängig. Welche Folgen birgt der Angriff auf den Iran für den Zuckermarkt?
Büttner: Eine Prognose für die weitere Entwicklung des Zuckerweltmarktpreises abzugeben, wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle – und ja dazu zählt auch die Entwicklung des Ölpreises. Wenn er steigt – und damit der Benzinpreis –, wird die Ethanolproduktion für die großen Zuckerrohrproduzenten, vor allem in Brasilien, attraktiver. Eine signifikante Verlagerung der Produktion von Zucker hin zu Ethanol würde das Zuckerangebot auf dem Weltmarkt verknappen, was wiederum zu steigenden Preisen führen kann. Ob das die höheren Energiekosten kompensiert, kann man heute noch nicht sagen.

AusgabeRZ11-2026

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