Als am 3. Juli 1886 zum ersten Mal offiziell belegt ein (wie von Carl Benz am Kaiserlichen Patentamt am 29. Jänner in Berlin gemeldet) „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ durch die Straßen von Mannheim rollte, konnten die meisten Menschen freilich noch nicht ahnen, welche Entwicklung dieser selbstbeweglichen Maschine noch beschert sein sollte. Zunächst als „Wagen ohne Pferde“ belächelt, machte sich das Automobil (von auto für selbst und mobil für beweglich) schon bald von Frankreich aus zum weltweiten Siegeszug auf. Eine wichtige Voraussetzung hierfür war die Lizenzvergabe an „Panhard & Levassor“ und „Peugeot“ durch die Witwe Sarazin, deren Ehegatte diese noch vor seinem Tod von Gottlieb Daimler erhalten hatte.
Dem deutschen Unternehmer und Ingenieur war es im selben Jahr wie Benz gelungen, einen schnelllaufenden Viertaktmotor in eine Kutsche einzubauen und so im Gegensatz zu Benz’ dreirädrigen Motorwägen das erste moderne vierrädrige Automobil der Welt zu bauen. Die beiden Männer waren damit die Ersten, die – nach der teilweisen Aufhebung des von Nicolaus August Otto eingebrachten „Otto-Patents“ – erfolgreich die Chance nutzten, Fahrzeuge mit Viertakt-Verbrennungsmotor zu konstruieren.
Nicht zu vergessen sind diesbezüglich auch die Leistungen des deutschen Technikers Siegfried Marcus. Dem in Wien lebenden Erfinder gelang es bereits 1870 einen elektrisch gezündeten Benzinmotorwagen mit Oberflächenvergaser zum Fahren zu bringen. Anders als Benz und Daimler kümmerte sich Marcus jedoch nicht um die industrielle oder eine kommerzielle Auswertung seiner Erfindung. Von dem Gerät erhalten hat sich – im Gegensatz zu seinem 1888 konstruierten Viertakt-Benzinmotor Automobil, das im Technischen Museum Wien zu bestaunen ist – lediglich eine vom Erfinder signierte Fotografie. Nichtsdestotrotz kann Marcus den Ruhm einstreichen, den ersten Motor der Welt, der mit Benzin als Treibstoff lief, betrieben zu haben.
Eine Idee, die nicht von ungefähr kam. Immerhin wurde in der k.u.k. Monarchie, im ukrainischen Boryslaw, 1858 zum ersten Mal eine Raffinerieanlage errichtet, in der Erdöl fabrikmäßig destilliert und Petroleum gewonnen wurde. Die Habsburger-Monarchie zählte damals neben den USA und Russland zu den weltweit führenden Ländern in puncto Erdölproduktion.

Kaiserliche Skepsis
Auch wenn es letztendlich das benzinbetriebene Automobil war, das den Globus erobern sollte, so waren in der k.u.k. Monarchie bereits zuvor selbstfahrende Fahrzeuge über die Straßen gerollt. Diese ersten frühen Dampfwägen – darunter beispielsweise ein von einem Herrn Voigtländer in London bestelltes Gerät, das 1834 im Wiener Prater bestaunt werden konnte – entsprachen jedoch vielmehr kleinen Lokomotiven auf Rädern, die mit Kessel, Wasser und Kohle einen weitaus höheren Bedienaufwand erforderten und daher für den (zukünftigen) Massenverkehr nicht tauglich genug waren. Dennoch stellten noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Dampfwägen, wie jene der französischen Firma „Serpollet“, eine Konkurrenz für jene ersten Fahrzeuge mit Otto-Motoren dar.
In Österreich war es dann auch ein solches, fast zwei Tonnen schweres Dampf-Automobil, mit dem Graf Siegfried von Wimpffen über die Straßen polterte. In der „Allgemeinen Automobil-Zeitung“ erinnert sich der Pionier des heimischen Automobilismus 1903 an eine turbulente Ausfahrt mit dem Rektor der Technischen Hochschule und je einem Beamten des Magistrats und einem der Polizei, die ihm als Erstem hierzulande eine Genehmigung zur Fahrerlaubnis einbrachte. Das Prüfungskomitee schien allerdings wenig angetan und zog es vor, nach der Fahrt mit der Pferdebahn nach Hause zu fahren.
Generell schien sich die Begeisterung den ersten Autos gegenüber hierzulande in Grenzen zu halten. So berichtete auch der Adelige Ernst Graf Hoyos-Sprinzenstein, dass man in Österreich – im Gegensatz zu „Frankreich, Italien, Spanien und den meisten Teilen Deutschlands“, wo einem fast „überall freundliche Gesichter“ begegnen – nur „finstere Mienen und drohend geschwungene Arme zu sehen“ bekam. Und auch Kaiser Franz Joseph ließ sich bekanntermaßen wenig vom Automobil beeindrucken. Überliefert ist sein, angesichts der ersten nicht von Tieren gezogenen Lastfahrzeugen getätigte Ausspruch: „Wird auch wieder abkommen!“ – ein bekannter Fehlschluss: Bereits 1913 besaßen alleine in Wien 6.755 Menschen ein Auto – österreichweit sind es heute rund 4,5 Millionen.








