Zuversichtliche Perspektiven am Kapitalmarkt

Die Zeichen an den Börsen bleiben für Anleger weiterhin positiv, analysiert Karin Kunrath, CIO von Raiffeisen Capital Management.

Nach einem der „Börsen-Kalendereffekte“ sollen Jahre mit einer geraden Endziffer im Durchschnitt eine höhere Volatilität und eine geringere Performance aufweisen als Jahre mit einer ungeraden Endziffer. „Eine klare statistische Evidenz hierfür gibt es zwar nicht, aber einige größere Kapitalmarkt-Verwerfungen in geraden Kalenderjahren sind noch gut in Erinnerung, wenn man an die Jahre 2022 (Ukrainekrieg), 2020 (Corona-Pandemie) oder 2018 (Beginn des Handelskonflikts USA-China) zurückdenkt“, erklärt Karin Kunrath, Chief Investment Officer von Raiffeisen Capital Management. Besonders nachhaltig haben sich die globale Finanzkrise 2008 und das Platzen der sogenannten „Dot.com-Blase“ im Jahr 2000 ins Gedächtnis der Marktteilnehmer eingebrannt.

Konstruktive Rahmenbedingungen

Trotz der zahlreichen geopolitischen Konflikte scheinen die Rahmenbedingungen für das Kapitalmarktjahr 2026 weiterhin „überwiegend konstruktiv“ zu sein, so Kunrath. Die Kombination aus stabil erwartetem Wirtschaftswachstum mit rückläufig prognostizierten (US-)Zinsen, das robuste Gewinnwachstum, der KI-Megatrend, die US-Steuersenkungen und -Deregulierungen sowie die massiven Investitionen in der Eurozone, insbesondere in Deutschland, sollten sich „positiv niederschlagen“. Ein Gutteil dieser erwarteten Entwicklungen wurde schon im Vorjahr eingepreist, was „die mitunter überzogenen Bewertungen“ widerspiegeln. 

„Über das Gesamtjahr ist daher insbesondere für die US-Börsen mit einer etwas gedämpfteren Entwicklung als zuletzt zu rechnen – so deutet es schon die Statistik für Jahre mit Zwischenwahlen („Midterms“) an, die Anfang November in den USA stattfinden“, betont Kunrath. Auch das durchschnittliche Jahresend-Kursziel der Analysten für den S&P 500 Aktienindex signalisiere ein geringeres Kurspotenzial als im Vorjahr, wobei der potenzielle Ertrag für Euro-Investoren infolge des etwas schwächer erwarteten US-Dollars geschmälert werden könnte. 

Europäische Aufwärtsdynamik

„Europa und den Emerging Markets wird 2026 – auch angesichts der niedrigeren Bewertungen – eine größere Aufwärtsdynamik als den USA zugetraut. Auf Sektorebene wird eine Verbreiterung des Gewinnwachstums und eine geringere Konzentration auf die großen IT-Unternehmen erwartet“, erklärt die Finanzexpertin. 

Als größte Sorge gilt unter den Marktbeobachtern das Konzentrations- und Bewertungsrisiko („KI-Bubble“), gefolgt vom erneuten Aufkeimen der Inflation und einem schwachen Arbeitsmarkt. Darüber hinaus sei auch in diesem Jahr wieder von einigen geopolitischen Spannungen auszugehen, die temporär für erhöhte Volatilität am Kapitalmarkt sorgen werden. „Basierend auf unseren aktuellen fundamentalen Marktanalysen bleiben wir in der taktischen Asset Allocation ,risk-on‘ positioniert“, resümiert Kunrath.

AusgabeRZ05_2026

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