140 Jahre Raiffeisen in Niederösterreich

Mit einem großen Jubiläumsfest feierte Raiffeisen Niederösterreich-Wien die Gründung der ersten Raiffeisenbank Österreichs vor 140 Jahren in Mühldorf bei Spitz an der Donau.

Die Geschichte von Raiffeisen in Österreich begann 1886 in Mühldorf im Bezirk Krems. 94 Bauern, Handwerker und Gewerbe­treibende haben je einen Anteil von 5 Gulden – damals einen Wochenlohn – gezeichnet und die erste Darlehenskasse als Genossenschaft nach dem System Raiffeisen gegründet. 140 Jahre später ist Raiffeisen in Österreich ein bedeutender Faktor in Wirtschaft und Gesellschaft und die Raiffeisen-Idee bzw. ihr Grundsatz „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“ aktueller denn je.

„140 Jahre Raiffeisen in Österreich – das sind 140 Jahre Verantwortung, die unsere Organisation übernommen hat. 140 Jahre Nähe zu den Menschen, gelebte Solidarität und wirtschaftliche Nachhaltigkeit, die wir in diesen Tagen besonders brauchen“, betonte Erwin Hameseder, Generalanwalt des Österreichischen Raiffeisenverbandes (ÖRV) und Obmann der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, in seiner Jubiläumsansprache im Rahmen der Feierlichkeiten in Mühldorf, wo er gemeinsam mit Michael Höllerer, Generaldirektor von Raiffeisen NÖ-Wien, und Martin Hauer, Vorstandsdirektor und designierter Generaldirektor von Raiffeisen NÖ-Wien, zahlreiche Spitzenrepräsentanten von Raiffeisen, Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kirche, Landwirtschaft und Blaulichtorganisationen sowie die Einwohner aus Mühldorf begrüßen konnte.  

GD Raiffeisen NÖ-Wien Michael Höllerer, Obfrau RB Krems Doris Berger-Grabner, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Generalanwalt Erwin Hameseder, NÖ Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und der design. GD Raiffeisen NÖ-Wien Martin Hauer
Generaldirektor Raiffeisen NÖ-Wien Michael Höllerer, Obfrau RB Krems Doris Berger-Grabner, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Generalanwalt Erwin Hameseder, NÖ Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und der designierte Generaldirektor Raiffeisen NÖ-Wien Martin Hauer © Roland Rudolph

Zugleich verwies Hameseder auf jene Eigenschaften, die die Entwicklung der Organisation mitgetragen hätten: „Regionale Verankerung, Resilienz und Innovationskraft sind Stärken, die uns ausmachen und prägen.“ Diese hätten dazu geführt, dass Raiffeisen heute nicht nur ein bedeutender Teil der österreichischen Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft sei: „Das Verständnis von Miteinander, Solidarität und nachhaltigem Dialog ist seit 140 Jahren in den Werten von Raiffeisen verankert. Seit 1886 stehen wir für die Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Zusammenhalt untrennbar miteinander verbunden sind“, betonte er.

Zudem sei die 140-jährige Geschichte Raiffeisens nie „eine Geschichte des Stillstands, sondern immer eine Geschichte des Wandels und der Antworten auf die Herausforderungen der jeweiligen Zeit“ gewesen. Raiffeisen verbinde seit jeher wirtschaftliche Kompetenz mit regionaler, sozialer Verantwortung: „Wir sind modern und innovativ, ohne unsere Wurzeln zu vergessen“, so der Generalanwalt. Die Raiffeisen-Idee ist für Hameseder trotz 140 Jahren zeitgemäßer denn je: „Es geht nicht nur um Zahlen und Ergebnisse, sondern um Vertrauen, Verlässlichkeit und langfristige Beziehungen, aus denen Stärke für und in den Regionen entsteht“, sagte der Generalanwalt.

Erwin Hameseder am Rednerpult
Erwin Hameseder © Roland Rudolph

So sei Raiffeisen ein wesentlicher Wirtschaftsmotor in ganz Österreich und trage allein in Niederösterreich jährlich rund 3 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung bei. Jeder 56. Euro, der in Niederösterreich erwirtschaftet wird, hänge mit Raiffeisen zusammen. Auch der gesellschaftliche Zusammenhalt wird gelebt und gepflegt: Raiffeisen ist Partner von mehr als 1.200 Sportvereinen sowie 1.300 Kulturprojekten, leistet jährlich 9,5 Millionen Euro an Sponsoring, Spenden sowie regionalen Ausgaben. Jeder zweite Niederösterreicher vertraut dabei auf die Raiffeisen-Bankengruppe NÖ-Wien, die mehr als 1,3 Millionen Kunden betreut. Mit einem Kundenanteil von über rund 40 Prozent sind die 41 niederösterreichischen Raiffeisenbanken die Nummer 1 in Ost-Österreich. Zusammen mit der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien betreiben sie über 300 Standorte in der Region. 

Nähe zu den Menschen als Erfolgsrezept

Dass die genossenschaftliche Idee auch auf regionaler Ebene gelebt wird, unterstrich Doris Berger-Grabner, Obfrau der Raiffeisenbank Krems. „Mühldorf ist die Wiege der Raiffeisen-Idee in Österreich“, sagte sie. Begonnen habe vor 140 Jahren alles mit der Frage: „Wer leiht uns Geld, wenn es sonst niemand tut?“ Inzwischen habe man allein im vergangenen Jahr 211 Familien in der Region bei der Finanzierung ihres Eigenheims unterstützt sowie rund 200 Vereine und Projekte gefördert. „Unsere wichtigste Stärke steht in keiner Bilanz – unsere Stärke sind die Menschen, die uns kennen und uns vertrauen“, so Berger-Grabner.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ging in ihrer Festrede auf die Bedeutung des genossenschaftlichen Modells für Niederösterreich ein: „Wir feiern heute weit mehr als das Jubiläum einer Bank. Wir feiern eine Idee, die Generationen getragen, Niederösterreich geprägt und bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat“, sagte sie. Gerade angesichts großer Herausforderungen brauche es den Gedanken von Zusammenhalt und Verantwortung mehr denn je. Raiffeisen sei ein internationaler Player ebenso wie ein starker Partner für die Entwicklung Niederösterreichs. 

Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom Musikverein Mühldorf
Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom Musikverein Mühldorf sowie der Militärmusik Niederösterreich. © Roland Rudolph

Drei Stellschrauben für eine erfolgreiche Zukunft

Mit Blick auf die Zukunft sieht Mikl-Leitner drei Stellschrauben, um die erfolgreiche Entwicklung Österreichs und damit Niederösterreichs zu gewährleisten: weniger Bürokratie, hin zu mehr Landwirtschaft und unternehmerischer Freiheit, den Wandel aktiv gestalten, wie etwa in Leopoldsdorf mit der Ansiedlung von Stadler Rail nach der Schließung des Agrana-Standortes, sowie Entlastungen für Landwirtschaft und Betriebe und nicht zusätzliche Belastungen und neue Eigentumssteuern. Bei all dem komme Raiffeisen eine große Bedeutung zu: „Es braucht den genossenschaftlichen Gedanken mehr denn je. Gemeinschaft ist kein Auslaufmodell. Gemeinschaft ist Zukunft“, betonte sie. 

Nicht zuletzt hob der Mühldorfer Bürgermeister Roland Berger in seiner Ansprache die langjährige Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Raiffeisen hervor. Darüber hinaus erinnerte er an die Geschichte Mühldorfs, das neben seiner Rolle als Gründungsort der ersten Raiffeisenkasse auch durch den früheren Grafitbergbau und die Nähe zum Spitzer Graben geprägt wurde. 

AusgabeRZ24-2026

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Mehr lesen

Aktuelles

Die Welt der Raiffeisenzeitung

Banner für die Newsletter Anmeldung
Banner: