Austria Wien: Die launische Diva

Der FK Austria Wien ist immer für eine Berg- und Talfahrt gut und hält seine zahlreichen Anhänger damit in Atem. Auch in dieser Saison wechseln sich Höhen und Tiefen ab. Seit Ende November ist die RLB NÖ-Wien als Premium-Partner mit an Bord.

Als Fan der Wiener Austria braucht man vor allem eines: gute Nerven. Denn nur so ist das manchmal unerklärliche Auf und Ab zu ertragen, für das der Traditionsklub aus Wien-Favoriten, der Fußball-Helden wie Herbert Prohaska oder Toni Polster hervorgebracht und seit Gründung der Bundesliga 1974 bereits 14 Meistertitel (zuletzt 2013) eingeheimst hat, immer wieder steht.

Mal wirtschaftlich am Abgrund, mal sportlich obenauf, oder umgekehrt – langweilig wird es am Verteilerkreis, wo der Klub seine traditionelle Heimstätte hat, nie. „Das technisch anspruchsvolle Spiel hat mich immer schon begeistert. Mich fasziniert die Austria, seit ich denken kann“, sagt Josef Pröll, heute Aufsichtsratsvorsitzender des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB), LLI-Generaldirektor und Obmann des Raiffeisen Revisionsverbandes NÖ, vormals unter anderem Vizekanzler der Republik und Vizepräsident bei der Austria. Eine Begeisterung, mit der er längst nicht allein dasteht.

Violette Achterbahnfahrt

Doch schon der Blick auf die vergangenen anderthalb Saisonen zeigt, dass die Reise mit der Austria einer Fahrt mit der Hochschaubahn gleicht. Zu Beginn der Spielzeit 2024/25 gelangen in den ersten acht Runden nur zwei Siege, die vermeintlichen Experten waren sich einig: Der neu verpflichtete Trainer Stephan Helm bringt es nicht. Was folgte, war eine unglaubliche Erfolgsserie, so dass die Favoritner vor dem letzten Spieltag sogar noch Chancen hatten, den ersten Meisterteller seit zwölf Jahren zu holen. Tenor: Stephan Helm Trainergott. Und als es in diesem Herbst zu Saisonbeginn nicht lief, aus den ersten vier Spielen nur ein Punkt geholt wurde, man sich im Uniqa ÖFB Cup bei Regionalligist Voitsberg blamierte und sich in der Qualifikation zur Conference League Banik Ostrau als zu stark erwies, hieß es wieder: Der Trainer muss weg!

Doch Stephan Helm ist immer noch da und schafft es mit seiner ruhigen und ausgeglichenen Art, das Schiff zumindest auf Kurs zu halten. In der wahrscheinlich ausgeglichensten Liga aller Zeiten behaupten die Violetten zu Beginn der Winterpause einen Mittelfeldplatz und sind auf gutem Wege, die Top 6 zu erreichen und sich damit für die Meistergruppe zu qualifizieren. Ein Minimalziel bei dem stets fiebrigen Klub, der sich Mitte November – neben einigen anderen personellen Umtrieben – von Sportdirektor Manuel Ortlechner trennte und stattdessen Michael Wagner inthronisierte.

Und damit eine echte Klub-Ikone an Bord holte. Wagner wurde mit der Austria Meister und Cupsieger und bestritt insgesamt 275 Pflichtspiele für den Verein, viele davon als Kapitän. Er machte die Zeiten mit, als Frank Stronach zwischenzeitlich den Verein übernahm, spielte unter Trainer-Legenden wie Christoph Daum oder Joachim Löw und war nach seiner aktiven Karriere unter anderem Nachwuchs-Individualtrainer und Mitglied des Verwaltungsrats. „Die Aufgabe bei Austria Wien ist sehr reizvoll, der Verein weiß auf Grundlage der strategischen Ausrichtung, wo er hinwill und wie er dort hinkommen möchte. Ich kann mich mit diesem Weg zu 100 Prozent identifizieren und möchte diese Herangehensweise gemeinsam weiterentwickeln“, spielt der 50-Jährige auch darauf an, dass man bei den Violetten auch wieder vermehrt auf die Entwicklung eigener Talente setzen will.

Austria-Präsident Kurt Gollowitzer, Michael Höllerer und Harald Zagiczek besiegeln die neue Partnerschaft.
Austria-Präsident Kurt Gollowitzer, Michael Höllerer und Harald Zagiczek besiegeln die neue Partnerschaft. © FK Austria Wien

Zukunft mitgestalten

An dieser Stelle kommt die strategische Partnerschaft mit der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ins Spiel, die vor wenigen Wochen lanciert wurde. Denn dort soll es vor allem um das Hauptsponsoring der Austria Soccer Camps und der Fußballschule gehen. Zwei Projekte, die dem Breitensport zugutekommen und die der gesellschaftlichen Aufgabe, die ein Fußballklub in der Größe der Austria hat, gerecht werden. Das hebt auch Michael Höllerer, Generaldirektor der RLB NÖ-Wien, hervor: „Wir wollen die Zukunft mitgestalten. Hier sehen wir in unserer Partnerschaft mit Austria Wien eine weitere Möglichkeit“, sagt er. Und betont: „Die Austria setzt seit Jahrzehnten auf vorbildliche Nachwuchsarbeit. Wir freuen uns sehr, als Stadtbank künftig einen Beitrag dazu zu leisten und auch dort als Match-Partner präsent zu sein, wo die Jugend unbedingt hin möchte – beim Wiener Derby in der Generali-Arena.“ 

Auch bei den „Veilchen“ zeigt man sich hoch erfreut, wie der für Finanzen zuständige Vorstand Harald Zagiczek klarmacht: „Die aktuelle Sponsorenlandschaft ist herausfordernd, deshalb freut es mich umso mehr, dass wir einen so namhaften und starken Partner für unseren Weg gewinnen konnten.“ Denn finanziell ist die Austria wahrlich nicht auf Rosen gebettet, erst mit dem Verkauf des Stadions an die Stadt Wien sowie dem Abbau von Verbindlichkeiten konnte die Zukunft inklusive der Lizenzierung durch die Bundesliga gesichert werden.

Mit Geduld zum Erfolg

Was nicht heißt, dass man nicht mit Ambitionen in die Zukunft blicken würde. Fünf Runden sind noch zu absolvieren, dann steht fest, welche sechs Mannschaften in der Meisterrunde um den Titel spielen. Kalkuliert man zu der ohnehin engen Tabellensituation die derzeit noch gültige (bald aber abgeschaffte) Punkteteilung hinzu, wären die Veilchen trotz aller Malaisen wieder mittendrin im Kampf um den Meisterteller. Und sollte auch endlich mal wieder die Qualifikation für die Gruppenphase eines europäischen Bewerbs gelingen, wie es zuletzt 2022 der Fall war, dürfte sich auch die finanzielle Lage weiter entspannen. 

Wobei Michael Wagner ganz bewusst darauf verzichtet, die ganz großen Ziele hinauszuposaunen. „Wir werden nie außer Augen lassen, dass Austria Wien Austria Wien ist. Wir wollen auch wieder Titel gewinnen. In welchem Zeitraum das passiert, ist abhängig davon, wie schnell etwas aufgeht. Man muss auch ein bisschen Geduld haben“, sagt er.

Denn er weiß: Man darf die Nerven seiner Anhänger nicht über Gebühr strapazieren. Auch nicht bei Austria Wien.

AusgabeRZ51-2025

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