Studie: Regionalbanken müssen präziser und selektiver werden

Österreichs Regionalbanken müssen sich auf zwei herausfordernde Jahre einstellen, danach werden die Betriebsergebnisse wieder steigen, zeigt eine aktuelle Zeb-Prognose.


Für Österreichs Regionalbanken, die hierzulande mehr als 90 Prozent der Bankinstitute umfassen, war 2024 erneut ein starkes Jahr. Vor allem das weiterhin hohe Niveau beim Zinsüberschuss hat die Ergebnisse angetrieben. „Der Rückenwind der vergangenen Jahre lässt allerdings spürbar nach – steigende Risikokosten, sinkende Zinsmargen und ein anspruchsvolles wirtschaftliches Umfeld verändern die Spielregeln“, heißt es in der vom Beratungsunternehmen Zeb durchgeführten Regionalbankenstudie Österreich. 

Während das Betriebsergebnis der 357 Regionalbanken im Jahr 2024 noch bei 0,96 Prozent gemessen an der Bilanzsumme lag, gehen die Prognosen für das Vorjahr nur mehr von 0,71 Prozent aus. Für heuer werden 0,73 Prozent erwartet. Jeder fünften Regionalbank wird heuer eine mangelnde Thesaurierungskraft vorausgesagt, da das Betriebsergebnis unter 0,5 Prozent liegen werde. Ab 2027 dürfte sich das Betriebsergebnis wieder auf 0,79 Prozent verbessern. Ab 2028 werden dann Ergebnisse über den Rekordwerten von 2024 erwartet. 

„Wir sehen, dass die Institute insgesamt solide aufgestellt sind, doch die bisherigen Erfolgsmodelle müssen adaptiert werden. Daher gilt es, jetzt die kommenden Jahre aktiv zu gestalten und strategische Weichenstellungen vorzunehmen“, analysiert Michaela Schneider, Partnerin bei Zeb Austria. 

Es gebe noch genügend Spielraum, die Ergebnissituation zu verbessern, obwohl das Ertragspotenzial im Kundengeschäft nicht größer wird. Während das Ertragspotenzial im Firmen- und Privatkundengeschäft von 2019 bis 2024 jährlich im zweistelligen Bereich gewachsen ist, wird das Potenzialwachstum aktuell mit einem Prozent bei Firmenkunden und zwei Prozent bei Privatkunden vorhergesagt, siehe Grafik. Und auch wenn das private Kreditgeschäft im Volumen steige, werde die Ertragsentwicklung aufgrund verstärkten Wettbewerbs stagnieren.  

Andreas Sumper, Partner von Zeb Austria, analysiert: „Regionalbanken müssen noch präziser und selektiver werden, denn der Kuchen wird nicht größer.“ Im Privatkundengeschäft sei in den vergangenen Jahren schon sehr viel gelungen, wie die Optimierung des Filialnetzes oder die gezielte Kundenansprache, aber beim Produktabschluss und Pricing sieht der Experte noch Potenzial. Im Firmenkundenbereich rät er Regionalbanken stärker darauf zu fokussieren, wo nachhaltiges Wachstum möglich ist. Auch im Betriebs- und Steuerungsmodell sieht die Studie zentrale Handlungsfelder, um die Ertragskraft und Widerstandsfähigkeit der Regionalbanken zu verbessern.

Höhere Belastung

In dem Zusammenhang hält Sumper es auch für notwendig, dass Banken das „Problemkreditmanagement“ wieder zur Kernkompetenz machen. Die steigende Zahl der Unternehmensinsolvenzen – vor allem in der Bau- und Immobilienbranche – hat Banken belastet. Da sich Regionalbanken überwiegend aus Kundeneinlagen und nicht über den Kapitalmarkt refinanzieren, seien sie von wirtschaftliche Abschwüngen besonders betroffen. „Ein weiterer Ausfall von Kundenforderungen würde die Risikokosten erheblich erhöhen und hätte auch negative Auswirkungen auf die Kapitalausstattung der Banken“, erklärt Sumper.

Der Simulation folgend würde bei einem zusätzlichen Anstieg der Wertberichtigungen um 5 Prozentpunkte die Kernkapitalquote von 21,4 Prozent (2024, Median) auf 14,7 Prozent zurückgehen. Die Mehrheit von rund 53 Prozent der untersuchten Banken hätte dann eine Kernkapitalquote von weniger als 15 Prozent, 2024 lagen 97 Prozent der österreichischen Regionalbanken oberhalb einer Kernkapitalquote von 15 Prozent. „Um ihr Wachstum mit Eigenkapital zu unterlegen, müssen Österreichs Regionalbanken Gewinne schreiben. Fällt das Betriebsergebnis unter die Marke von 0,5 Prozent, so fehlt der Bank die eigenständige Refinanzierungskraft, um das RWA-Wachstum mit Eigenkapital zu unterlegen“, unterstreicht Sumper.

AusgabeRZ04-2026

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