Von zärtlich-sehnsuchtsvoll über schwärmerisch-schmachtend bis hin zu eifersüchtig-zweifelnd und manchmal gar überraschend komisch – im Laufe der Jahrhunderte lassen sich die unterschiedlichsten Liebesbekundungen nachweisen. Wann genau jemand das erste Mal auf die Idee kam, seine Gefühle einem geliebten Menschen gegenüber in schriftliche Form zu gießen, ist unklar.
Fest steht: Die frühesten bisher entdeckten Zeugnisse eines Liebesgedichts, in dem die Sprecherin ihr sehnsüchtiges Begehren nach einem bestimmten Adressaten ausdrückt, lassen sich auf das Ende des 3. Jahrtausends vor Christus datieren. Inwieweit es sich bei den in Keilschrift in eine Tontafel geritzten Anbetungen an Shu-Sin um eine tatsächliche Liebesbekundung oder um einen kultischen Text handelt, darüber herrscht jedoch nach wie vor Uneinigkeit.
Flirt-Ratgeber der Antike
Auch wenn es bereits im Altertum Liebesbekundungen in Schriftform gab, so ist die Dokumentenlage heute spärlich. Zu den bekanntesten, die sich beispielsweise aus römischer Zeit erhalten haben, zählen jene, die Plinius der Jüngere seiner dritten Ehefrau Calpurnia zukommen ließ. Welchen Stellenwert man den schriftlichen Liebesnachrichten generell im alten Rom entgegenbrachte, davon zeugt vor allem Ovids Flirtratgeber „Ars Amatoria“. Geschrieben wurden diese zumeist auf Wachstäfelchen, die man verschnürte und versiegelte. Als Überbringer kamen Vertraute und Sklaven zum Zug. Sollte sich die Angebetete weigern, diese zu lesen, so empfahl der Autor nicht locker zu lassen. Den Frauen wurde passend dazu geraten, den Verehrer fürchten und hoffen – kurzum ihn ein bisschen zappeln – zu lassen.
Ebenfalls noch in lateinischer Sprache verfasst wurde ein vor ein paar Jahren in Verona wiederentdeckter Ratgeber für Liebesbriefe aus dem 12. Jahrhundert. Als besonders geeignet, das Herz der Geliebten zu gewinnen, sieht der Autor – ein gewisser Guido – den Vergleich der Angebeteten mit Edelsteinen und liefert mit der Aufforderung, so viele „Grüße wie es Fische im Meer gibt“ zu schicken, sogleich eine nützliche Floskel. Eine Formelhaftigkeit im Liebesbrief, die nach ihrem letzten Höhepunkt zur Zeit des Barocks erst im 18. Jahrhundert einer stärkeren Natürlichkeit und Individualität zu weichen begann.
Liebesbrief wird Massenmedium
Mit der Zunahme der Alphabetisierungsrate sowie der Emanzipierung des Bürgertums erlebte auch der Liebesbrief seinen Aufschwung zum Massenmedium. Literarisch spiegelte sich die Entwicklung in Form des Briefromans – allen voran Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ – wider. Der deutsche Dichterfürst konnte sich jedoch auch mit seinen persönlichen Liebesbriefen einen Namen machen. Allein mehr als 1.770 Briefe an Charlotte von Stein existieren bis heute.
Ebenfalls erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde Beethovens Brief an die „Unsterbliche Geliebte“. Wer diese mit Sicherheit verheiratete Dame war, über die der berühmte Komponist mit „Mein Engel, mein alles, mein Ich“ spricht, darüber ist sich die Wissenschaft bis heute nicht einig. Besser nachvollziehen lässt sich hingegen die Affäre von Arthur Schnitzler mit Adele Sandrock. Die Beziehung dauerte zwar nur 15 Monate, die beiden schreiben sich jedoch auch noch darüber hinaus.
In die Reihe der bekanntesten Liebesbriefe der Geschichte dürfen sich auch jene zwischen Marlene Dietrich und Ernest Hemingway reihen. Obwohl die beiden sich über die Jahre mehrere Liebesbriefe schrieben, sollte sich daraus jedoch nie eine tatsächliche Affäre entwickeln. Die Liste ließe sich freilich noch weiter fortsetzen – zuletzt sind im vergangenen Jahr die Briefe von Netty Reiling (Anna Seghers) an ihren späteren Ehemann László (Ladislaus) Radványi erschienen.
Moderne Liebesbotschaften
Inwieweit sich die in den letzten Jahren verstärkt genutzten neuen Medien auf das zukünftige Erscheinen solcher Liebesbekundungen und nicht zuletzt auf das Verfassen der Liebesnachrichten selbst auswirken, wird sich wohl noch weisen müssen. Die Art unseres Kommunizierens dürften SMS und Co jedenfalls bereits beeinflusst haben. So weist der Liebesbrief übers Netz beispielsweise einen verstärkt dialogartigeren und spielerischen Charakter auf. Genrespezifisch erinnert er damit mitunter an das „Schülerbriefchen“, dass unter dem Tisch zum Objekt des Begehrens wandert.
Anglizismen, Symbole, Regionalismen sowie vermehrt Versatzstücke aus Popkultur dürften ein weiteres Charakteristikum sein. In diesem Sinne mag es 2026 gar immer öfters heißen: „Happy Valentine’s Day Baby – love you wie wahnsinnig ❤️😍“









