Villacher Fasching: Eine Stadt im Ausnahmezustand

Und zwar im besten Sinne. Im Interview verraten Andreas Ferlan und Anna Sophie Petschar warum der Villacher Fasching mehr ist als eine Veranstaltung – er ist ein Lebensgefühl.

Als Fidelius LXXI. und Anna Sophie I. sind die beiden geborenen Villacher heuer ein Jahr lang das Gesicht des Villacher Faschings. Eine ehrenvolle Aufgabe, die in der Stadt an der Drau bereits seit 1955 durch jeweils ein Prinzenpaar übernommen wird.

Herr Ferlan, Frau Petschar, wie und wann haben Sie erfahren, dass Sie das neue Prinzenpaar des Villacher Faschings sind? Inwieweit war das ein besonderer Moment für Sie?
Andreas Ferlan: Mich hat das wirklich wie der Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Ich wurde vom Kanzler (seit 2019 Karl Glanznig, Anm. d. Red.) nach Italien „entführt“. Beim Essen hat er mich dann gefragt, ob ich den Faschingsprinzen übernehmen möchte. Es sollte immer ein bodenständiger Unternehmer sein, auch deswegen ist es schon eine große Ehre, überhaupt gefragt zu werden. Ich bin ein sehr traditionsverbundener Mensch und habe als echter Villacher seit jeher ein Herz für den Fasching. Von daher ist es mir eine große Freude.
Anna Sophie Petschar: Für mich war das auch sehr überraschend. Der Kanzler hat zuerst meinen Papa gefragt. Wir haben dann gemeinsam beschlossen, dass ich das mache.

Die Villacher Faschingssitzung mit unterschiedlichsten Auftritten ist einer der Höhepunkte. © Villacher Fasching

Ist das eine übliche Vorgehensweise, erst die Eltern der Prinzessin zu fragen?
Petschar: Ich bin Studentin und arbeite noch nicht, von daher fand ich, das gehört sich, dass da zuerst der König gefragt wird.

Was bedeutet es für Sie, Teil dieser Tradition zu sein? Welche Aufgaben und Termine bringt diese ehrenvolle Rolle mit sich?
Ferlan: In Villach Faschingsprinz zu sein, ist natürlich eine sehr zeitintensive Aufgabe. Man hat viele Fototermine, es gibt die Faschingssitzungen, wo man anwesend sein muss, aber auch untertags gibt es immer wieder Events wie zum Beispiel das Pondhockey am Weissensee oder die Wirtesitzung in Feldkirch, an denen man teilnimmt. Immer wieder besucht man auch andere Faschingsgilden. Mit der Prinzenpaar-Vorstellung am 11. November wird man für ein Jahr eine Person des öffentlichen Lebens. Wir müssen mit unseren Gesichtern den Fasching in Villach präsentieren. Da schaut man, dass man sein Bestes gibt.
Petschar: Man wird damit auch zu einem Teil dieser ganzen Geschichte – das ist schon etwas fürs Leben.

Der Faschingsumzug am Viallacher Hauptplatz ist ein riesiges Spektakel. © Villacher Fasching

Gibt es bestimmte Lieblingsmomente aus Ihrer Kindheit oder vorangegangene Faschingsfeste, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ferlan: Meine erste Erfahrung mit dem Villacher Fasching hatte ich, da war ich sieben oder acht Jahre alt. Wir haben von Ruderverein aus am Samstag beim großen Faschingsumzug teilnehmen dürfen. Wir waren als Piraten verkleidet und sind auf einem als Piratenschiff geschmückten LKW hinten oben gestanden und haben gerudert, so dass das Ganze wie ein richtiges riesiges Schiff wirkte. Das ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Das war etwas ganz Besonderes. In Folge war ich dann so gut wie jedes Jahr beim Faschingsumzug dabei.
Petschar: Etwas Besonders war für mich jedes Jahr, wenn ich mit meinen Eltern zur Prinzenpaar-Vorstellung zuschauen gegangen bin. Später, als ich älter war, war ich auch bei den Faschingssitzungen als Gast dabei. Schon als Kind habe ich mich immer besonders gefreut, wenn ich mich im Kindergarten oder in der Volksschule wieder verkleiden durfte.

Haben sich die Kostüme im Laufe der Jahre verändert, sind sie moderner geworden? Welches Kostüm bevorzugen Sie, wenn sie nicht im Faschingsprinzen-Outfit stecken? Gibt es Unterschiede beim Faschingspaarkostüm?
Ferlan: Das Kostüm des Faschingsprinzenpaares ist immer dasselbe, mit dem Unterschied, dass jeder Faschingsprinz seine spezielle römische Ziffer an der Prinzenkappe hat – bei mir ist es eben die römische Zahl für 71. Der Name des Faschingsprinzen lautet immer Fidelius. Ich bin also Fidelius der 71. Was man auch noch an der Kappe hat, ist sein Firmenlogo. Dann gibt es auch noch sehr edle und schöne Umhänge, die auch schon das Prinzenpaar vor uns getragen hat. Generell herrscht beim Villacher Fasching aber natürlich eine große Artenvielfalt – das soll ja auch so sein. Was mir persönlich gut gefällt, sind die traditionellen Kostümierungen wie Cowboy oder Indianer, Mönch und Nonne und solche Sachen – die es schon gab, als ich ein Kind war. Aber letztendlich ist das eine reine Geschmackssache.
Petschar: Viele Kostüme sind durchaus moderner geworden in den letzten Jahren, aber es ist immer etwas Lustiges. Vor zwei Jahren war ich mit meiner Freundesgruppe die Sieben Zwerge. Ich finde diese ganzen Gruppenkostüme cool. Aber es gibt auch viele Pärchen-Kostüme. Heuer ist am Fasching-Samstag auch Valentinstag. Deswegen wollen Freunde von mir als Amor gehen oder irgendwas, das mit Liebe zu tun hat. Ich finde es toll, wenn sich die Leute mit ihren Kostümen kreativ ausdrücken.

„Verkleiden, hingehen und dann das Schöne über sich ergehen lassen.“

Andreas Ferlan, Faschingsprinz

Gibt es so etwas wie einen typischen Villacher Schmäh? Was macht den Villacher Fasching so besonders?
Ferlan: Die Villacher lieben einfach den Fasching – das Lei-Lei. Jeder verkleidet sich, ist lustig und lacht. Die Leute feiern und haben einfach Spaß. Ich finde es schwer, das mit irgendetwas anderem zu vergleichen, allein von der Größe her, das ist schon eine Riesenveranstaltung, die es in Österreich so kein zweites Mal gibt.
Petschar: Das ist eine Zeit, wo Villach im besten Sinne im Ausnahmezustand ist. Der Jänner und der Februar sind zum großen Teil graue Monate, da ist es schön, wenn man jedes Wochenende eine Faschingssitzung hat, die man besuchen kann. Es geht um Humor, aber auch ums Locker-sein und vor allem nicht zuletzt um die Gemeinschaft.

Was würden Sie jemanden empfehlen, der zum ersten Mal zum Villacher Fasching kommen möchte?
Petschar: Ich würde sagen, einfach auf sich wirken lassen und Spaß haben, weil eben darum geht es.
Ferlan: Auf keinen Fall unverkleidet zum Villacher Fasching gehen, das ist ein No-go. Verkleiden, hingehen und dann das Schöne über sich ergehen lassen. Wenn man den Villacher Fasching einmal live miterlebt hat, das ist schon etwas ganz Besonderes, das man nicht so leicht vergisst.

AusgabeRZ07-2026

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