Einst fastete man vornehmlich aus religiösen Gründen. Belegt ist, dass sich Menschen in Gedanken an Jesus Christus als Zeichen der Trauer seit dem 2. Jahrhundert bewusst in Verzicht übten. Erinnert wurde damit an den 40 Tage dauernden Aufenthalt von Jesu in der Wüste. Schon damals kannte man eine Vielzahl an (vorgeschriebenen) Essensregeln. So war beispielsweise das Fleisch von warmblütigen Tieren und Milchprodukten strikt verboten.
Mitte des 16. Jahrhunderts kam es zu einer Lockerung. Erlaubt waren von nun an Milch, Eier, Butter und Mehlspeisen, wie Brot aus Mandeln, sowie der Verzehr des Bibers, da man diesen den Fischspeisen zurechnete. Mit einem Augenzwinkern gestattet war auch das Zusichnehmen von Vögeln. Speisen, von denen ein nach strengen modernen Methoden fastender Mensch heute nur träumen kann.
Fasten für Autophagie
Vor allem wer die von Ärzten in gesundheitlicher Hinsicht oftmals gepriesene therapeutische Heilfasten-Methode nach Buchinger praktiziert, muss mit starken Einschränkungen rechnen. Verzichtet wird hierbei zur Gänze auf feste Nahrung – auf den Tisch beziehungsweise in den Magen kommen ausschließlich kalorienarme Flüssigkeiten, wie ungesüßter Tee oder Gemüsebrühe. Empfohlen wird, die Methode für die Dauer von sieben bis zehn Tagen anzuwenden.
Zur Vorbereitung sollte man bereits einen Tag zuvor auf Alkohol, Nikotin sowie Koffein verzichten. Im Anschluss erfolgt eine dreitägige Aufbaukost mit viel Gemüse und maßvoll Eiweiß. Vor allem bei Problemen mit Cholesterin- oder Blutfettwerten hat sich das Heilfasten als wirksam erwiesen. Verbessert werden auch Blutdruck- und Blutzuckerwerte. Zudem werden durch die Stoffwechselumprogrammierung alte oder beschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt – in Fachkreisen spricht man von Autophagie.
Von Heilfasten bis Scheinfasten
Wer auf Heilfasten setzt, sollte jedoch auch ausreichend Bewegung einplanen. Vor allem zu Beginn baut der Körper, um Energie zu sparen, auch Eiweiß aus der Muskulatur ab. Ein großer Nachteil der Methode stellt zudem ihre schwere Integrierbarkeit in den Alltag dar. Im Idealfall sollte Heilfasten ärztlich begleitet werden – mal nebenbei Fasten ist hier nicht wirklich möglich.
Für viele etwas alltagstauglicher dürfte sich hingegen das Scheinfasten erweisen. Bei der von dem Wissenschaftler und Fastenexperten Valter Longo entwickelten Methode handelt es sich um ein 5-tägiges Programm, das Fasteneffekte simuliert, ohne komplett auf Nahrung zu verzichten. Gegessen werden darf circa die Hälfte seines normalen Kalorienverbrauchs.
Die zu sich genommene Nahrung sollte vor allem aus viel Gemüse, Nüssen, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten bestehen. Der große Vorteil des Scheinfastens liegt vor allem darin, dass der Körper in den Fastenmodus schaltet, aber ohne den bei Heilfasten einsetzenden Hungerstress.
Nicht für jeden gut
Zu den nach wie vor beliebtesten Methoden dürfte bei vielen jedoch das Intervallfasten zählen. Gegessen werden darf hier nur in einem Zeitraum von acht Stunden. Die restlichen 16 Stunden darf nichts zu sich genommen werden – idealerweise fällt rund die Hälfte der Zeit in die Nacht, wenn geschlafen wird. Intervallfasten erweist sich dementsprechend als gut in den Alltag integrierbar – allerdings dürfte der Effekt auf den Stoffwechsel und die erwünschte Gewichtsaufnahme dementsprechend eher gering ausfallen.
Nicht vergessen werden sollte zudem, dass man sich auch in den Stunden der erlaubten Nahrungsaufnahme gesund ernähren und auf Zucker und Sonstiges verzichten sollte. Wie auch bei den anderen Fastenmethoden gilt: Kinder, Jugendliche, Schwangere und stillende Personen sollten die Finger vom Fasten lassen. Ebenso ist untergewichtigen Menschen oder Menschen, die an bestimmten Krankheiten wie einer Schilddrüsenüberfunktion oder Leber- und Nierenkrankheiten leiden, dringendst vom Fasten abzuraten.
Den Smart-Phone-Konsum einzuschränken – dagegen dürfte jedoch auch hier nichts sprechen. Zunehmend fordert die permanente Verbindung mit der digitalen Welt unsere Aufmerksamkeit. Die Folgen reichen von Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zur psychischen Überlastung. Warum also nicht einfach mal das Handy liegenlassen und wieder etwas mehr zur Ruhe kommen?









