Sinkende Zinsen, eine robuste Konjunktur und der anhaltende Boom um die Künstliche Intelligenz (KI) waren 2025 Treiber für die starke Performance an den Aktienmärkten. Selbst zahlreiche geopolitische Unsicherheiten und Konflikte konnten die Aufwärtsbewegung nach dem Einbruch im März/April 2025, der durch die Zinspolitik von US-Präsident Donald Trump verursacht war, nicht ausbremsen. Dieses Umfeld nutzte auch die Raiffeisen Capital Management (RCM) für ein dynamisches Wachstum.
Am österreichischen Markt wurde beim verwalteten Kundenvermögen (Assets under Management) im Vorjahr ein Plus von 6,1 Prozent auf 46,7 Mrd. Euro erzielt. Insbesondere das institutionelle Geschäft sei im Jahresvergleich stark gestiegen, aber auch das Privatkundengeschäft legte zu, berichtet CEO Hannes Cizek. Rund zwei Drittel des Zuwachses kamen im Vorjahr aus Kursgewinnen, ein Drittel brachten Neuzuflüsse. Damit waren die Nettozuflüsse wieder stärker als in den Jahren 2023 und 2024, als viele Privatkunden aufgrund der hohen Zinsen in andere Produkte veranlagt hatten. Als Gründe für das kräftige Wachstum nannte Cizek vor allem die Kundenbindung, neue Produktideen und einen verantwortungsvollen Investmentprozess.

Insgesamt verzeichnete Raiffeisen Capital Management beim Asset Management der Raiffeisen Bank International (RBI) inklusive Osteuropa ein Wachstum von 6,4 Prozent auf 68 Mrd. Euro. Die RBI-Gruppe hat 935.000 Fondssparverträge im Bestand – Tendenz weiter steigend. Cizek hofft, dass man zeitnah die Million bei den Verträgen überspringen werde. Vom Gesamtbestand entfallen etwas über 412.000 auf den österreichischen Markt, ein Plus von 2,5 Prozent im Jahresvergleich. „Dadurch haben wir kontinuierliche Volumenszuflüsse“, so Cizek.
Im Vertrieb setzt der Vermögensverwalter neben den Beratern in den Raiffeisenbanken auch auf den digitalen Direktvertrieb, den man weiter ausbauen möchte. Alle Fonds können Raiffeisen-Kunden digital über die App „Mein Elba“ abschließen. „Die Nähe zum Kunden manifestiert sich nicht nur in der Bankstelle, sondern auch über digitale Kanäle“, hob Cizek hervor.
ESG bleibt gefragt
Nachhaltige und ethische Veranlagen (ESG) liegen bei den Kunden der Raiffeisen KAG weiterhin im Trend. 72 Prozent der österreichischen Fondssparverträge erfüllen beim Investieren solche Kriterien. „Wir sind nach wie vor die Nummer 1 bei verantwortungsvollen Investments in Österreich, aber auch in der CEE-Region“, betont Cizek. Das aktive Fondsmanagement könne hier besonders gut seine Stärke im Vergleich zu Indexprodukten ausspielen. Fondssparverträge kann man bereits ab 50 Euro pro Monat abschließen, wobei die Zielgruppen vor allem Junge und Frauen sind. „Wenn das Jahr 2026 so läuft, wie wir hoffen, dann können wir die 50-Milliarden-Marke in der Raiffeisen Capital Management und die 70-Milliarden-Marke in der RBI-Gruppe knacken“, so Cizek.
Bei den Assetklassen wuchs man in allen drei Segmenten, also Aktien-, Anleihen- und Mischfonds, wobei das Anleihengeschäft sehr stark durch institutionelle Anleger geprägt sei, während die Privatkunden insbesondere auf Aktien setzen. Beim institutionellen Geschäft habe man zuletzt den Fokus auf Administration und Service gerichtet. Das habe sich im Vorjahr gerechnet. So habe Raiffeisen Capital Management bei Pensionskassen mittlerweile einen Marktanteil von über 30 Prozent in Österreich, gibt Cizek ein Beispiel.
In Osteuropa, in dem das Privatkundengeschäft dominiert, gibt es seit dem Jahr 2020 einen starken Schub bei Fondssparverträgen. Allein bei Raiffeisen legten diese in den vergangenen sechs Jahren von rund 164.000 auf knapp 523.000 Stück zu. Im Vorjahr gab es ein Plus von 25 Prozent. „Wir wachsen in Zentral- und Osteuropa jedes Jahr kräftig. Das Thema Veranlagung geht dort in die Breite. Dazu kommt, dass die Anleger etwas weniger konservativ sind als in Österreich“, so Cizek. Bei den monatlichen Sparverträgen haben die osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten mit 50 bis 75 Euro rund die Hälfte der österreichischen Durchschnittswerte erreicht. Der Westbalkan liege hier noch etwas tiefer.
Hervorzuheben sei, dass die Fondssparverträge im CEE-Raum überwiegend digital abgeschlossen werden – der Spitzenwert liege bei 80 Prozent. Darüber hinaus habe man in fast jedem CEE-Markt lokale Pensionsvorsorge-Angebote und mittlerweile über 1,33 Millionen Verträge in diesem Bereich.
Kernthema Infrastruktur
Gerade in Zeiten hoher Unsicherheit und eines allgegenwärtigen Wandels, etwa durch geopolitische Bedrohungen, durch den Klimawandel oder durch wirtschaftspolitische Disruptionen, sei die Raiffeisen Bankengruppe ein stabiler Anker, strich Dieter Aigner, Geschäftsführer und Chief Sustainable Officer bei Raiffeisen Capital Management, hervor. Auch Kapitalmarktveranlagungen müssen sich in einem veränderten Umfeld behaupten. „Um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit sowie die Resilienz zu stärken, muss die Fondsindustrie diese Herausforderungen aktiv mitgestalten“, sagt Aigner.
Insbesondere Infrastrukturinvestments seien das Rückgrat der Transformation und würden viele Bereiche tangieren. „Die Transformation ist nicht vorbei, sondern ein zentrales Thema in der Wirtschaft. Das Denken in längeren Zyklen, obwohl das Tagesgeschäft sehr kurzfristig ist – das ist die große Herausforderung“, so der Nachhaltigkeitsexperte. Man muss sich regelmäßig mit langfristigen Themen beschäftigen, um diese auch in Produkte packen zu können. „Mit der Welt der Ausschlüsse werden wir die Schlacht nicht gewinnen“, plädiert Aigner für eine Weiterentwicklung der Kriterien für nachhaltige Investments.
Dabei gehe es etwa um die Sicherung von Lieferketten und Rohstoffen, damit Stabilität und Kontinuität der Produktion gewährleistet werden können. Gleichzeitig bringe das Vorantreiben der Digitalisierung Unternehmen größere Effizienz und Innovationskraft. Auch der Umbau und Ausbau der Energieautarkie, um nachhaltige und unabhängige Energiequellen zu fördern, seien essenziell. Durch gezielte Technologieentwicklung und die Festlegung langfristiger Leitlinien werde die Grundlage für zukünftige Fortschritte geschaffen.
„Die Transformation der Infrastruktur bietet eine bedeutende Investitionschance, die zur Effizienzsteigerung und als Wirtschaftsmotor dienen kann“, so Aigner. Ein Beispiel dafür sei etwa der Koralm-Tunnel, der die Mobilität zwischen den Regionen verbindet und damit wirtschaftlich nachhaltig wirkt.
Der globale Investitionsbedarf ist hoch – insbesondere in Europa und den USA. Die Finanzierungslücke bis zum Jahr 2040 beträgt Schätzungen zufolge etwa 15 Bio. US-Dollar. Neben Neubauprojekten in Bereichen wie Energienetze, Digitalisierung und Transport liegt der Fokus auch auf der Erhaltung, Erneuerung und Renovierung bestehender Infrastruktur. „In Zeiten knapper Budgets sind Finanzierungsfragen von wesentlicher Bedeutung. Es ist notwendig, eine sinnvolle Rollenverteilung zwischen Staat und Privatwirtschaft in der Finanzierung und Durchführung von Infrastrukturprojekten zu klären. Langfristige Leitplanken durch den Staat sind dabei unerlässlich, um eine stabile und nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten“, appelliert Aigner.
Aktuell kommt man am Thema Verteidigung und Rüstung nicht vorbei. „Für uns fallen Investitionen in die Verteidigung in das breitere Thema europäische Resilienz. In diesem Rahmen wollen wir auch stark investieren, vor allem mit Fokus auf Europa“, erklärt Cizek. Dass europäische Asset-Manager Kundengelder an die US-Börsen tragen, passiere eh schon zu viel und brauche man bei Rüstungsausgaben nicht auch noch. „Es geht um Marktkapitalisierung in Europa“, so der RCM-CEO. Von der Auflegung eines eigenen „Verteidigungsfonds“ sei man bei Raiffeisen Capital Management aber nicht überzeugt.
Konstruktiver Marktausblick
CIO Karin Kunrath erwartet auch für 2026 „ein konstruktives Kapitalmarktjahr“. Treiber dürften heuer ein stabiles Wirtschaftswachstum, sinkende US-Zinsen, ein robustes Gewinnwachstum der Unternehmen sowie der anhaltende Megatrend zur KI sein, aber auch die massiven Investitionen in der Eurozone, insbesondere in Deutschland.
Allerdings sei ein Gutteil dieser erwarteten Entwicklungen schon im Vorjahr eingepreist, was sich auch an den mitunter schon teuren Bewertungen zeige, so die Investmentexpertin. Über das Gesamtjahr sei daher insbesondere für die US-Börsen mit einer etwas gedämpfteren Entwicklung als zuletzt zu rechnen. Europa und speziell den Emerging Markets werde heuer – auch angesichts der niedrigeren Bewertungen – eine größere Aufwärtsdynamik als den USA zugetraut. „Auf Sektorebene wird eine Verbreiterung des Gewinnwachstums und eine geringere Konzentration auf die großen IT-Unternehmen erwartet“, prognostiziert Kunrath.
Als größte Sorge am Markt gilt aktuell eine mögliche KI-Blase, gefolgt vom erneuten Aufkeimen der Inflation und einem schwachen Arbeitsmarkt. Darüber hinaus ist auch in diesem Jahr wieder von einigen geopolitischen Spannungen auszugehen, die temporär für erhöhte Volatilität am Kapitalmarkt sorgen werden. „Vor diesem Hintergrund gewinnen thematische Allokationen, regionale Differenzierung und eine bewusste Diversifikation nochmals an Bedeutung“, betont die Chefinvestorin. KI, Emerging Markets, Infrastruktur-investitionen und ein mögliches europäisches Comeback gelten als zentrale Säulen der Kapitalmarktstrategie 2026.









