Die Transformation der Innenstädte

Der City Retail Report stellt einen Trend zu Multifunktionalität der Innenstädte fest. Doch was bedeutet das für den Einzelhandel?

Wie steht es um Österreichs Einkaufsstraßen? Sterben die lebendigen Stadtzentren aus, weil sich die Nahversorgung in die Außenbezirke verlagert und nimmt die Leerstandsquote zu? Welche Transformation tatsächlich in innerstädtischen Lagen passiert und welche Herausforderungen auf den Handel zukommen, wurde im aktuellen City Retail Report von „Standort+Markt“ in Kooperation mit der WKÖ analysiert. „Es ist wichtig, qualitativ zu schauen, wie sich Straßen und der Trend entwickeln“, betont Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ. 

„Wir gehen 143 Straßenkilometer ab, auf denen sich 17.285 Shops mit einer Verkaufsfläche von mehr als 2,5 Millionen Quadratkilometern befinden. Und das machen wir
jährlich“, beschreibt Hannes Lindner, Geschäftsführer von Standort+Markt, die He­rangehensweise an die Datenerfassung. In Summe wurden für den aktuellen Report 67 innerstädtische Lagen, verteilt auf drei Stadtkategorien, untersucht: sechs Primärstädte (Wien, Linz, Graz, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck), 14 Sekundärstädte (25.000 bis 100.000 Einwohner) und 16 Kleinstädte (Bezirkshauptstädte). Dabei wird der geschlossene Geschäftsbesatz (auch integrierte Shopping-Center), Einzelhandel sowie einzelhandelsnahe Nutzungen (z. B. Bank, Friseur, Gastro) genauso erhoben wie Leerstände, Shopflächenrückgang und Mieterwechsel. 

Rückläufiger Einzelhandel

Aus der Erhebung lässt sich ablesen, dass Shopflächen (Einzelhandel, Gastro, Dienstleistung, auch Leerstände) seit dem Jahr 2018 leicht rückläufig sind. Betrachtet man allerdings die Einzelhandelsflächen isoliert, so beobachtet man eine Reduktion um mehr als 15 Prozent von 2015 bis 2025. Im Durchschnitt gingen in diesem Zeitraum jährlich etwa 1,4 Prozent der Fläche verloren. Hier hat sich 2021 die Schließung der Leiner-Einrichtungshäuser stark zu Buche geschlagen. Der Rückgang der Shopflächen „wird teilweise durch einzelhandelsnahe Nutzungen wie Gastronomie, Dienstleistungen oder Freizeitangebote kompensiert“, sagt Lindner. Ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Transformation ist die Nachnutzung von ehemaligen Shopflächen. Doch nicht alle Nachnutzungen tragen zur Attraktivität eines Stadtzentrums bei – denn Lagerflächen oder reine Wohnnutzung machen eine Stadt nicht lebendig, während Arztpraxen oder Dienstleister sehr wohl neue Besuchergruppen anziehen. 

Was den Branchenmix der Einkaufsstraßen betrifft, so ist Mode ein entscheidender Attraktivitätsfaktor, der die Menschen in die Städte lockt. 2014 machte Bekleidung noch mehr als 30 Prozent der Fläche aus, 2025 sind es nur mehr 24,3 Prozent. „Man sieht, dass die Mode durch den Bereich des E-Commerce stark unter Druck geraten ist“, erklärt Lindner die Entwicklung. Trefelik betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Erreichbarkeit von Geschäften, vor allem außerhalb der Ballungszentren. „Das Bedürfnis des Kunden, es bequem und einfach zu haben, müssen wir immer mitdenken“, sagt der Spartenobmann. Auch eine sachliche Debatte über die Ladenöffnungszeiten müsse möglich sein, damit aus der Vielzahl an Sonderregelungen einheitliche Rahmenbedingungen geschaffen werden können. 

Leerstandsquote

Ein besonders wichtiger Indikator für die Situation der Innenstädte ist die Leerstandsquote. Im österreichischen Durchschnitt liegt diese bei 8,4 Prozent, was im Vergleich zum Vorjahr nur ein Plus von 0,1 Prozent bedeutet. Kleinstädte sind mit einem Wert von 14,1 Prozent hier aber am stärksten betroffen. „Leerstände bieten auch Chancen für multifunktionale Nutzung und dadurch mehr Resilienz“, wie Roman Schwarzenecker von Standort+Markt zu bedenken gibt. Es sei wichtig, Leerstände aktiv zu managen und kreative Umsetzungen oder auch Zwischennutzungen zuzulassen, betont Trefelik. 

Erstmals wurde heuer auch ein Shop(ping)-Attraktivitäts-Index erhoben, bei dem Geschäfte nach dem Schulnotensystem bewertet wurden. Wien, Salzburg und Tirol haben demnach die attraktivsten Shops – in Kärnten, dem Burgenland und der Steiermark ist das Potenzial noch ausbaufähig. 

AusgabeRZ13-2026

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