Bernd Winkler: „Man kann nur im Team glänzen“

Gleich in seinem ersten Jahr erreichte das Frauen-Team des FC Red Bull Salzburg die Meistergruppe der Bundesliga und steht im Finale des ÖFB Cups. Wie diese Erfolge mit gemeinsamer Arbeit möglich wurden, erklärt Sportchef Bernd Winkler.

Bernd Winkler war schon Gymnasial-Lehrer für Sport und Geografie, hat fürs Salzburger Lokalfernsehen gearbeitet und werkte als Scout für das höchst erfolgreiche Männer-Team des FC Red Bull Salzburg. Seit 2022 ist der 46-jährige zweifache Familienvater Sportchef für das neuformierte Frauen-Team des Klubs, das nach einer Fusion mit dem FC Bergheim seit dieser Saison in der Bundesliga antritt. 

Die Frauen des FC Red Bull Salzburg spielen ihre erste Saison auf höchstem Niveau und haben auf Anhieb die Meistergruppe der vier besten Teams in der Bundesliga und das Cup-Finale, das am 14. Mai auf dem brandneuen Platz des Wiener Sportclub ausgetragen wird, erreicht. Welchen dieser beiden Erfolge bewerten Sie höher?
Bernd Winkler: Ich finde diese Frage richtig schwer zu beantworten. Emotional vielleicht das Cup-Finale, weil es ein richtiges Highlight-Spiel, ein Finale ist, in dem man einen Titel gewinnen kann. Sportlich gesehen ist es wohl Platz vier in der Bundesliga, weil wir über einen langen Zeitraum konstant starke Leistungen gezeigt haben, um das zu schaffen.

Um in die Meistergruppe zu kommen, muss man sechs Mannschaften hinter sich lassen. Was habt ihr richtig gemacht, um das auf Anhieb zu schaffen?
Winkler: Letzten Endes ist es die konstante Arbeit am Platz. Dass es dann wirklich passiert ist, war aber auch für uns eine Überraschung, mit der wir nicht gerechnet haben. Wir wollten uns in der Liga etablieren und haben es so angelegt, dass wir uns von Spiel zu Spiel vorgearbeitet haben.

Es gab nach ein paar Runden eine Phase, in der ihr viermal nacheinander verloren habt. Haben Sie da mal an dem Weg gezweifelt?
Winkler: Wir wussten, dass solche Phasen für unser junges Team kommen würden und hatten mit der Auslosung das Pech, dass etliche wirklich starke Gegner nacheinander auf uns zukamen. Gott sei Dank hatten wir zu dem Zeitpunkt schon ein paar Punkte auf dem Konto, sodass wir nicht gleich nervös werden mussten. Wir können aber sehr gut einschätzen, dass es in der Liga ein paar Teams gibt, die einfach mehr Erfahrung und auch Qualität haben, die uns an der einen oder anderen Stelle noch fehlt.

In der Meistergruppe steht ihr auf Rang vier mit acht Punkten Rückstand auf den Dritten Sturm Graz. Ist es das Ziel, die Grazerinnen noch einzuholen?
Winkler: Wir sind realistisch genug zu wissen, dass das bei vier ausstehenden Spielen wohl nicht mehr klappen wird, erst recht, da es zweimal gegen St. Pölten und einmal gegen Austria Wien geht. Und trotzdem sind diese Spiele für uns wichtig, weil wir aus ihnen lernen und etwas mitnehmen können. Viele unserer Mädels sind gerade erst 16 oder 17 Jahre alt, sie profitieren enorm von diesen Erfahrungen. Aber wir als Klub bestreiten diese Spiele ohne den Blick auf die Tabelle, wollen es aber bestmöglich machen.

Bernd Winkler of FC Red Bull Salzburg Women
© Gintare Karpaviciute/FC Red Bull Salzburg Women

Im Cup habt ihr im Halbfinale den LASK mit 2:0 geschlagen und trefft im Endspiel auf das überragende Team von Austria Wien, gegen das ihr in der Liga zuletzt allerdings ein 0:0 geholt habt. Was ist mit dem Außenseiter-Nimbus möglich?
Winkler: Das Besondere an einem Finale ist ja, dass in einem Spiel immer alles möglich ist. Wir wissen aber ganz klar, wie die Rollen verteilt sind. Die Austria hat diese Saison national noch kein einziges Spiel verloren und überhaupt erst sechs Gegentore in der Liga kassiert. Darüber hinaus haben sie international für Furore gesorgt. Das wird ein richtig schwerer Brocken. Eigentlich haben wir keine Chance, aber genau die wollen wir nutzen. Und darauf freuen wir uns sehr.

Das Spiel findet am nagelneuen Sportclub-Platz statt, vor einer würdigen Kulisse … 
Winkler: Es ist möglich, dass 300 bis 400 Fans aus Salzburg die Mannschaft nach Wien begleiten wollen. Das wäre eine tolle Sache. Das Spiel soll ein Fest für den Frauen-Fußball werden, in denen die Leistungen der Spielerinnen gebührend gewürdigt werden. Der Wiener Sportclub ist traditionell ein Verein, bei dem Frauen-Fußball eine große Rolle spielt. Da hoffen wir auch auf viele neutrale Zuschauer.

Eure Mannschaft entstand aus einer Fusion von Red Bull Salzburg und dem FC Bergheim. Wie wurde das Team am Ende zusammengestellt?
Winkler: Die Basis sind sehr viele junge Spielerinnen, die 2022 bei uns in der U16 gestartet sind und sich mittlerweile zu Stammspielerinnen in der Bundesliga hochgearbeitet haben. Dazu kam die eine oder andere erfahrene Spielerin des FC Bergheim. 

So wie Emelie Kobler, die mit sieben Toren eure erfolgreichste Schützin ist. Wer hat dieses Team noch getragen?
Winkler: Ich finde es immer schwer, einzelne Spielerinnen herauszuheben, weil gerade wir uns extrem über das Team definieren. Man kann im Fußball nur gemeinsam glänzen, davon sind wir überzeugt. Am Ende haben alle super Leistungen gebracht, die ehrlicherweise besser waren als gedacht. Natürlich war Eme sehr erfolgreich, aber auch sie kann nur Tore schießen, wenn das Team dahinter funktioniert. 

Eure Kapitänin ist die kroatische Nationalspielerin Lucia Orkić – welche Rolle spielt sie? 
Winkler: Luci spielt zwar für Kroatien, ist aber eine gebürtige Salzburgerin, die hier aufgewachsen ist. Sie ist eine ungemein wichtige Persönlichkeit im Team, ganz klar. Unser Anspruch ist generell, so viele Salzburger Mädchen im Team zu haben wie möglich. Da spielt sie als Vorbild eine große Rolle, auf und neben dem Platz.

Red Bull Salzburg war im Männer-Fußball lange erfolgsverwöhnt und steht für eine ganz bestimmte Art des Fußballs mit viel Dynamik und Aktivität. War es wichtig, diese CI zu übernehmen?
Winkler: Definitiv! Wir wollen bei den Frauen Red-Bull-Fußball spielen, wenn man es denn so nennen möchte. Intensiv, schnell nach vorne, druckvoll. Wir glauben, das ist unsere DNA. Ich bin davon überzeugt, dass wir bei den Frauen in diese Richtung etwas weiterentwickeln können.

Gibt es eine Verzahnung zwischen der Männer- und der Frauen-Abteilung?
Winkler: Das möchte ich extrem positiv hervorheben. Der ganze Klub lebt das gemeinsam. Ob Trainer:innen, Analysten, Physiotherapeuten, Ärzte, Marketing – wir bekommen von überall Unterstützung, es gibt auf allen Ebenen einen guten Austausch. Angefangen von unserem CEO Stephan Reiter, der das Thema immer vorantreibt. Das ist sehr beeindruckend und wird sicher nicht überall so gelebt wie hier. 

Der Erfolg hat ja dahingehend seine Tücken, dass er Maßstäbe setzt. Nachdem Jahr eins so erfolgreich verlief – was sind die Ziele für die Zeit danach?
Winkler: Unser ganz großer Ansatz ist es, jungen Spielerinnen aus der Region zu ermöglichen, sich auf höchstem Niveau entwickeln zu können. Das bleibt auch in Zukunft unser großes Ziel. Deswegen setzen wir auch niemanden unter Druck und sagen: Wir müssen jetzt dieses oder jenes erreichen. Erreichen wollen wir nur, dass talentierte Mädels bei uns den nächsten Schritt machen können. Wir haben dieses Jahr vielleicht ein wenig überperformt, weil alles perfekt gelaufen ist, wir auch kaum Verletzungen hatten. Das kann aber auch anders laufen, und womöglich spielen wir im nächsten Jahr mal nicht in der Meistergruppe. Das ist dann aber auch kein Beinbruch.

Wann sehen wir das erste Spiel eures Teams in der Red Bull Arena?
Winkler: Wir fühlen uns in der Red Bull Akademie sehr wohl, arbeiten aber daran. Und das ist gar nicht so einfach zu koordinieren, weil schon zwei Mannschaften dort spielen und es ja auch von den Terminen her passen muss. Aber das ist ein Ziel von uns, auch wenn ich jetzt noch kein konkretes Datum nennen kann.

AusgabeRZ20-2026

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