Der Wunsch nach Wohneigentum ist in Österreich trotz Gegenwinds ungebrochen hoch, zeigt eine Online-Umfrage unter jungen Erwachsenen der FH Wien WKW im Auftrag der Raiffeisen Bausparkasse (RBSK). Demnach träumen 61 Prozent der befragten 25- bis 40-Jährigen von den eigenen vier Wänden, wobei das eigene freistehende Haus mit 39 Prozent weit vor anderen Wohnformen rangiert. Auf Platz zwei folgt die Eigentumswohnung (15 Prozent) und auf Platz 5 das eigene Reihenhaus (7 Prozent).
55 Prozent der knapp 1.000 Befragten planen, in den nächsten Jahren ihre aktuelle Wohnsituation zu verändern. Knapp zwei Drittel davon wollen ins Eigentum. Die Hauptgründe für diesen Wunsch fasst Senior Researcher David Bourdin von der FH Wien folgendermaßen zusammen: „62 Prozent führen ‚das Gefühl von Unabhängigkeit‘ als Beweggrund für den Weg ins Wohnungseigentum an. Mit 47 Prozent sagt außerdem fast die Hälfte, ‚im Alter keine Miete zahlen zu müssen‘, sei ein zentrales Motiv.“ (Bei dieser Frage konnten zwei Gründe genannt werden, Anm.)
Finanzielle Sorgen
„Die eigenen vier Wände sind für junge Menschen ein ganz, ganz wichtiges Thema für die Zukunft“, kommentierte RBSK-Geschäftsführer Christian Vallant die Ergebnisse der Untersuchung. Gleichzeitig machen sich 53 Prozent der Befragten zumindest „eher häufig“ finanzielle Sorgen, zeigt die Studie. Laut eigenen Angaben verfügen 69 Prozent der jungen Erwachsenen über 50 bis 1.000 Euro frei verfügbares Einkommen im Monat. 15 Prozent haben sogar weniger zur Verfügung.
„Die Eigenmittel sind das Um und Auf für den Eigentumserwerb. Man kann nicht früh genug mit dem Ansparen beginnen“, betonte Vallant. Das habe gerade diese Altersgruppe vor allem nach der Zinswende im Jahr 2022 zu spüren bekommen, als sich die Leistbarkeit von Wohnimmobilien neben der Preisrallye auch infolge der steigenden Zinsen und der aufsichtsrechtlichen Vorgaben der Kreditvergabestandards in Form der KIM-Verordnung deutlich verschlechterte. „Die Leistbarkeit war weg. Vor allem Jungfamilien konnten sich in der Zeit der KIM-Verordnung den Kauf einer eigenen Immobilie nicht leisten“, erinnerte Vallant. Der Hauptgrund für die Ablehnung von Darlehen war damals der Schuldendienst, der 40 Prozent des Nettohaushaltseinkommens nicht übersteigen durfte. Die Lage habe sich zuletzt vor allem aufgrund der gestiegenen Einkommen geändert.
Das bestätigt auch Matthias Reith, Senior-Ökonom und Immobilienexperte bei Raiffeisen Research: „Wenn man sich das Verhältnis Preise zu Einkommen anschaut, dann ist Wohneigentum in Österreich wieder so leistbar wie im Jahr 2018.“ Der entscheidende Unterschied sei aber, dass damals ein durchschnittlicher Immobilienkredit
1,8 Prozent kostete, aktuell sind es der Nationalbank zufolge 3,4 Prozent – Tendenz steigend, vor allem aufgrund der erwarteten höheren Zinsen aufgrund des Irankrieges. Will ein österreichischer Durchschnittshaushalt heute ein ebenso durchschnittliches österreichisches Einfamilienhaus mit einem Kredit finanzieren, muss er mit einer monatlichen Kreditrate in Höhe von 37 Prozent des Nettohaushaltseinkommens rechnen. „Das ist eine Kreditrate, die wieder akzeptabel ist und mit der man leben kann“, so Reith.
Allerdings hinkt Österreich beim Thema Wohneigentum im internationalen Vergleich hinterher. Nur jeder zweite österreichische Haushalt kann die eigenen vier Wände auch wirklich sein Eigen nennen. Europaweit ist die Eigentumsquote nur in Deutschland und der Schweiz noch niedriger, so Reith. Gestiegene Zinsen und strengere Kreditvergabestandards haben die Leistbarkeit weiter verschärft. „Der Traum vom Eigenheim wird seit Herbst 2022 länger in der Mietwohnung geträumt“, veranschaulichte Reith die Entwicklung.
„Zeit arbeitet für Eigentümer“
Ende 2025 wohnten österreichweit rund 1,98 Millionen Haushalte im Eigentum und damit nur um 7.000 mehr als im dritten Quartal 2022. Der „Gewinner“ war der Mietmarkt: Die Zahl der Mieterhaushalte ist im selben Zeitraum um 84.000 gestiegen und liegt aktuell bei 1,84 Millionen. 60 Prozent weniger Haushalte als davor haben seit dem dritten Quartal 2022 Eigentum erworben. Die Eigentumsquote ist daher in den letzten Jahren weiter gesunken und lag im Vorjahr bei nur mehr 47,3 Prozent. „Niemals zuvor wohnten in Österreich anteilig so wenige Haushalte im Eigentum“, berichtete Reith.
Haben Haushalte einen ausreichend langen Atem, sei die eigene Immobilie fast immer die bessere Wahl, strich Reith hervor und ergänzte: „Die Zeit arbeitet für den Eigentümerhaushalt. Früher oder später ist fast überall in Österreich Kaufen und Tilgen die bessere Option als Mieten und Investieren.“ Österreichweit dauert es im Mittel gut sieben Jahre, bis sich die eigenen vier Wände finanziell lohnen. Zudem übersteigt das Immobilienvermögen der Eigentümer im Durchschnitt das Aktienvermögen der Mieter nach 30 Jahren um rund 365.000 Euro.
Sparen wieder wichtiger
„Wir haben in der langen Phase von Niedrigzinsen gesehen, dass auf so eine große Anschaffung wie den eigenen Wohnraum nicht mehr gespart wurde. Eine ganze Generation wuchs in dem Glauben heran, dass Sparen nichts bringt und Kreditfinanzierung sowieso günstig und leistbar ist. Mit dem Effekt, dass mittlerweile selbst die nötigen Mittel für eine Wohnraumfinanzierung fehlen. Das hat sich entscheidend geändert. Es ist an der Zeit, wieder eine gesunde Sparkultur zu forcieren, um jungen Menschen ihren Traum vom Wohnen in den eigenen vier Wänden möglich zu machen“, mahnte Vallant.
Aktuelle Zahlen der Raiffeisen Bausparkasse zeigen: Junge Österreicher setzen wieder verstärkt auf den Bausparvertrag, um sich den Traum vom eigenen Zuhause zu erfüllen. Der Anteil der jungen Bausparer zwischen 25 und 40 Jahren bei der RBSK liegt seit Jahren stabil bei 18 Prozent. Hier sieht Vallant noch großes Potenzial, diesen zu steigern. Gleichzeitig steigt die durchschnittliche Sparsumme in dieser Altersgruppe kontinuierlich an. Durchschnittlich sparten Raiffeisen Bausparer aus dieser Altersgruppe im Vorjahr 7.386 Euro. 2020 belief sich dieser Wert noch auf 6.307 Euro.








