Europas Banken sind heute widerstandsfähiger als noch vor einem Jahrzehnt. Die nächste Bewährungsprobe liegt jedoch in der nachhaltigen Steigerung von Produktivität und Profitabilität. Eine zentrale Rolle könnte dabei der gezielte Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in den Kernprozessen spielen. Das analysiert die Bankenstudie 2026 vom Consulter BearingPoint, die die Entwicklung von insgesamt 216 europäischen Banken zwischen 2013 und 2025 untersucht und mögliche Entwicklungspfade bis 2030 aufzeigt.
Für Österreich fällt die Bilanz gemischt aus: Die Banken erreichen 2025 eine durchschnittliche Cost-Income-Ratio (CIR) von 55,5 Prozent und einen Return on Equity (RoE) von 7,3 Prozent. Damit liegen sie bei der Effizienz knapp hinter Deutschland (54,8 Prozent), bei der Profitabilität jedoch deutlicher (8,6 Prozent). Europaweit liegt der durchschnittliche RoE bei 10,4 Prozent und die CIR bei 52,7 Prozent.
Kapitalstärke aufgebaut
Seit 2013 hat sich die Resilienz des europäischen Bankensektors wesentlich verbessert. Die durchschnittliche harte Kernkapitalquote (CET1) stieg von 15,7 Prozent auf rund 20 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig sank die europaweite Problemkreditquote auf 1,9 Prozent. Kapitalstärke, Liquidität und eine solide Risikolage werden damit zunehmend zur Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit – nicht mehr zu deren entscheidendem Differenzierungsmerkmal.
Auch die Profitabilität hat sich deutlich erholt. Der durchschnittliche RoE europäischer Banken fiel im Pandemiejahr 2020 auf 4,1 Prozent und stieg mit der Zinswende auf 10,4 Prozent im Jahr 2025. Allerdings ist diese Entwicklung nur teilweise strukturell: Ein wesentlicher Teil der höheren Erträge ist auf das veränderte Zinsumfeld zurückzuführen. Die entscheidende Frage lautet daher, wie Banken ihre Effizienz auch bei normalisierten Zinsen sichern und in nachhaltige Ertragskraft übersetzen können.
Für den deutschsprachigen Raum (DACH) zeigt sich dabei ein ähnliches Bild. Deutschland, Österreich und die Schweiz verfügen über solide kapitalisierte Bankenmärkte, sind aber zugleich durch Fragmentierung, intensiven Wettbewerb und geringere Skaleneffekte geprägt. Besonders die nordischen Banken zeigen, welches Potenzial in stärker konsolidierten Strukturen, schlankeren Kostenarchitekturen und einem hohen Digitalisierungsgrad liegt: Ihre durchschnittliche CIR liegt über den Betrachtungszeitraum bei rund 47,7 Prozent, der RoE bei rund 11,7 Prozent.
Struktureller Wettbewerb
BearingPoint erwartet für die kommenden Jahre einen Übergang von einer vor allem zinsgetriebenen Ergebnisverbesserung hin zu einer strukturelleren Wettbewerbsphase. Im Basisszenario mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 55 Prozent normalisiert sich der Markt bei moderatem Wachstum und einem stabilisierten Zinsniveau. Der RoE europäischer Banken dürfte dabei zwischen 8 und 10,5 Prozent liegen.
Entscheidend ist dabei nicht die Zahl einzelner KI-Anwendungen. Wettbewerbsvorteile entstehen vielmehr dort, wo Banken vertrauenswürdige Daten, skalierbare KI-Fähigkeiten und neue Betriebsmodelle miteinander verbinden und KI in zentrale Prozesse wie Kreditvergabe, Risikomanagement, Compliance, Finanzsteuerung und Kundenservice integrieren.
„Österreichische Banken verfügen über eine solide Ausgangsbasis, liegen bei Profitabilität und Effizienz jedoch weiterhin hinter den europäischen Spitzenreitern. Die nächste Leistungssteigerung wird nicht allein durch weitere Kostensenkungsprogramme erreicht, sondern durch die erfolgreiche Skalierung von KI“, sagt Christian Knedelstorfer, Partner bei BearingPoint Österreich. Der entscheidende Erfolgsfaktor sei dabei nicht die Technologie allein, sondern die Fähigkeit, KI in der gesamten Organisation und bei den Mitarbeitern zu verankern.








