NÖM: „Wir wollen eine Perspektive geben“

Die NÖM greift ihren zuliefernden Milchbauern mit einem Dürrehilfspaket von 8,1  Mio. Euro unter die Arme.

Die heurige Dürreperiode ist bislang einzigartig. Wie dramatisch ist die Situation für die österreichischen Milchbauern tatsächlich?
Josef Simon: Die Situation ist für viele Milchbäuerinnen und Milchbauern äußerst herausfordernd. Die anhaltende Trockenheit hat in zahlreichen Regionen zu erheblichen Ernteausfällen geführt. Viele Betriebe konnten deutlich weniger Futter einbringen als üblich und müssen bereits jetzt auf ihre Wintervorräte zurückgreifen, um ihre Tiere ausreichend versorgen zu können. Gleichzeitig steigen die Kosten für den Zukauf von Futtermitteln deutlich an. Für viele Familienbetriebe ist das eine massive zusätzliche Belastung. Die Dürre trifft manche Betriebe in ihrer wirtschaftlichen Existenz und macht einmal mehr sichtbar, wie stark die Landwirtschaft von klimatischen Entwicklungen abhängig ist.

Ist zu erwarten, dass die Dürre auch Auswirkungen auf die Milchmenge in Österreich haben wird – Stichwort Versorgungssicherheit?
Simon: Ja, in den nächsten Monaten ist ganz sicher mit Auswirkungen auf die Milchmenge zu rechnen – und zwar auch außerhalb der üblichen saisonalen Schwankungen. Die schwierige Futterversorgung kann dazu führen, dass Milchviehbetriebe ihre Bestände reduzieren müssen und dadurch die Anlieferungsmenge zurückgeht. Umso wichtiger ist es, Panikverkäufe und eine vorschnelle Abstockung der Milchviehbestände zu verhindern. Wir wollen unsere Lieferanten in dieser schwierigen Situation unterstützen und ihnen die notwendige Perspektive geben, damit sie die Krise durchstehen können. Damit leisten wir gleichzeitig einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Milchversorgung in Österreich.

Die NÖM stellt 8,1 Millionen Euro zur Verfügung. Wie ist die Summe zustande gekommen und warum haben Sie sich dazu entschieden?
Simon: Die Gesamtsumme wurde auf Basis der Milchanlieferung des Jahres 2025 berechnet. Sie entspricht einem maximal möglichen Unterstützungsbeitrag von 1,6 Cent pro angeliefertem Kilogramm Milch. Die Entscheidung für dieses Hilfspaket wurde in Abstimmung mit unseren Eigentümern getroffen. Für uns war klar, dass wir angesichts einer der schwersten Trockenperioden der vergangenen Jahrzehnte rasch handeln müssen. Unsere Milchbauern sind das Fundament der NÖM. Gerade in außergewöhnlichen Situationen möchten wir als starker und verlässlicher Partner Verantwortung übernehmen und dort helfen, wo die Belastungen am größten sind.

Wo soll die Unterstützung konkret hinfließen und welche Voraussetzungen müssen die Betriebe dafür erfüllen?
Simon: Die Unterstützung ist zweckgebunden und wird ausschließlich gegen Nachweis der tatsächlich entstandenen Kosten ausbezahlt. Förderfähig sind insbesondere Ausgaben für den Zukauf von Futtermitteln wie Heu, Stroh oder Maissilage sowie für Saatgut für Dauerwiesen, Feldfutter und Grünschnittroggen. Die Höhe der Unterstützung richtet sich grundsätzlich nach der individuellen Milchanlieferung des Jahres 2025. Voraussetzung für die Auszahlung ist, dass die entstandenen Mehrkosten durch Rechnungen oder Belege nachgewiesen werden können. Zudem ist die weitere Belieferung der NÖM bis Ende 2027 Voraussetzung für den Erhalt.

Wie schnell können die Landwirte mit dem Geld rechnen?
Simon: Uns war wichtig, eine möglichst rasche und unbürokratische Lösung zu schaffen. Die Beantragung erfolgt über die interne Lieferantenplattform, zusätzlich werden alle betroffenen Betriebe schriftlich informiert. Nach Einreichung und Prüfung der Rechnungen erfolgt die Auszahlung innerhalb der darauffolgenden Wochen. Gerade in Krisenzeiten zählt Geschwindigkeit. Wir möchten Stabilität geben und dazu beitragen, dass unsere bäuerlichen Familienbetriebe Planungssicherheit haben.

Was muss sich in der österreichischen Milchwirtschaft ändern, wenn solche Trockenperioden künftig häufiger auftreten?
Simon: Die heurige Situation zeigt, wie wichtig resiliente und widerstandsfähige Strukturen in der Landwirtschaft sind. Künftig wird es noch stärker darauf ankommen, die Betriebe bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, die Futterversorgung abzusichern und die wirtschaftliche Stabilität entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken. Dabei tragen alle Verantwortung: Landwirtschaft, Verarbeiter, Handel, Politik und Konsumenten. Wer regionale Milchprodukte kauft, unterstützt damit auch die heimische Landwirtschaft und ihre Zukunftsfähigkeit. 
Gleichzeitig wird man akzeptieren müssen, dass klimabedingte Ernteausfälle und eine Verknappung von Futtermitteln langfristig Auswirkungen auf die Produktionskosten haben. Solche außergewöhnlichen Belastungen können dauerhaft nicht von einzelnen Marktteilnehmern alleine getragen werden. Unser gemeinsames Ziel muss daher sein, die Versorgungssicherheit, die regionale Wertschöpfung und die Zukunft unserer bäuerlichen Familienbetriebe nachhaltig zu sichern.

AusgabeRZ37-2026

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