Höllerer: „Neu, im Sinne von angepasst“

Michael Höllerer arbeitet seit Juli 2026 als CEO der Raiffeisen Bank International an neuen Schwerpunkten. Die Strategie soll Anfang 2027 im Detail präsentiert werden, aber erste Stoßrichtungen hat er schon verraten.

Michael Höllerer ist seit drei Monaten Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International (RBI). In dieser neuen Funktion stellte er sich nun erstmals den Fragen von Journalisten. Im Klub der Wirtschaftspublizisten lieferte er auch ein Update zu aktuellen Geschäftsentwicklungen und eine Vorschau auf die kommenden Monate. Die vergangenen Wochen hätten das Halbjahresergebnis durchaus verfestigt. „Wir sind operativ sehr gut unterwegs“, berichtet Höllerer und verweist dabei sowohl auf die Ertragssituation als auch auf die Kapital- und Liquiditätsausstattung. 

Die ersten Wochen nutzte Höllerer nicht nur für Antrittsbesuche bei den größeren Netzwerk­einheiten in Zentral- und Osteuropa, sondern auch für Gedanken zur weiteren Ausrichtung der RBI: „Wir arbeiten an einer neuen Strategie. Neu, im Sinne von angepasst.“ Bei einem Capital Markets Day im ersten Quartal 2027, nach der Publikation der Ganzjahresbilanz, sollen Investoren und Analysten über die adaptierte Strategie und die neuen Ideen informiert werden. 

Die großen Schwerpunkte hat Höllerer aber schon angesprochen. So soll das Wort „Hausbank“ auch in der englischsprachigen RBI-Gruppe etabliert werden. Die RBI soll wichtiger Finanzierer der Unternehmens- und Großkunden genauso wie von Privatkunden sein. „Wir werden das Wachstum weiterfahren, das wir ohnehin haben. Wir haben sehr ambitionierte Ziele“, betont Höllerer, der dem bei ihm ressortierenden Privatkundensegment besondere Bedeutung beimisst. 

Ein weiterer Fokus sei auf die Profitabilität im Bankgeschäft gerichtet. Mit einem Return on Equity von 13 Prozent liege die RBI hinter der Konkurrenz. „Da werden wir über die nächsten Jahre sicherlich zulegen müssen. Aber es ist jetzt zu früh, um über konkrete Zahlen zu sprechen“, so Höllerer. 

Als dritten Schwerpunkt hat der CEO die Anwendung neuer Technologien und Künstlicher Intelligenz definiert. „Das wird eine ganz große Transformation für uns Banken werden“, sagt Höllerer. Die RBI will neue Technologien zur Effizienzsteigerung einsetzen und für neue Kundenlösungen nutzen. „Auch die Resilienz und der Sicherheitsgedanke sind wesentlich, weil wir Verantwortung für die Marke Raiffeisen haben.“

Wachstum im Fokus

Wachstumschancen ortet Höllerer in allen Bereichen: „Wir sehen noch sehr viel Potenzial im organischen Wachstum, das ist absolut ein Standbein unserer Strategie.“ Auch anorganisch wolle man wachsen, wenn es strategisch ins Konzept passe: „Anorganisches Wachstum ist sicher kein Selbstzweck.“ Die zwei jüngsten Transaktionen mit der Addiko-Beteiligung und dem Erwerb der Garanti BBVA in Rumänien schreiten Richtung Closing und verbessern die Marktposition in Rumänien und im Westbalkan. 

„Die RBI hat immer gut davon gelebt, dass sie in vielen Ländern präsent war. Ich bin ein großer Fan vom diversifizierten Länderportfolio. Mir ist lieber, wir stehen auf mehreren Füßen als auf einem starken Bein“, erklärt Höllerer. Das Potenzial in den angestammten Märkten sei insgesamt noch sehr hoch, vor allem in Tschechien, Rumänien, der Slowakei und Ungarn. „Raiffeisen ist in ganz Zentral- und Osteuropa eine sehr anerkannte Marke.“ Selbst in der Ukraine gewinne die RBI viele kleine und mittelständische Unternehmen als Kunden, obwohl die RBI auch in Russland präsent ist. 

Die RBI habe jedenfalls keine neuen Länder im Visier, so Höllerer: „Aber ich schließe nicht aus, dass wir mit unseren Kunden in neue Märkte mitgehen.“ Die RBI hat etwa schon ein Verbindungsbüro für Firmenkunden in Indien. 

Lage in der Ukraine

Die Hoffnung auf Frieden in der Ukraine habe sich in den vergangenen Wochen leider zerschlagen und es sei eine massive Verschärfung der Sicherheitslage zu beobachten. Die RBI ist mit Assets von rund 5 Mrd. Euro die viertgrößte Bank in der Ukraine, zählt knapp drei Millionen Kunden und 5.000 Mitarbeiter. „Wir sehen die Ukraine als Langzeitinvestment. Wir waren immer in diesem Land, werden bleiben und wollen eine aktive Rolle beim Wiederaufbau spielen.“ Der Wiederaufbau, der mit 580 bis 800 Mrd. Euro beziffert wird, sei allein mit öffentlichen Mitteln nicht zu finanzieren. „Man erkennt uns als Gesprächspartner an“, so Höllerer. Mittlerweile hat die RBI auch 40 Mio. Euro an humanitärer Hilfe „investiert“. 

Etappensieg gegen Rasperia

In Russland liege der Schwerpunkt momentan bei der Lösung des Rasperia-Rechtsstreits: „Wenn wir den lösen, haben wir beim Exit mehr Flexibilität.“ Wie berichtet hat die RBI am 22. September ein Versäumnisurteil erwirkt, das nach vier Wochen rechtskräftig wird. In weiterer Folge müsste die zuständige Sanktionsbehörde die 28,5 Millionen Strabag-Aktien „entfrieren“ und anschließend braucht es noch den Exekutionstitel. „Wir haben einen wichtigen Etappensieg erreicht“, erklärt Höllerer mit Aussicht auf 3,15 Mrd. Euro. „Es ist nicht das Ziel, dass wir Strabag-Aktionär bleiben“, aber wie Höllerer auch betont: „Es ist unseriös, das Geld zu verteilen, bevor wir es haben. Wir gehen konsequent, Schritt für Schritt.“ 

In Russland schreite auch die Reduktion des Geschäfts weiter voran. Seit Kriegsbeginn ist das Cross-Border-Exposure um 95 Prozent zurückgegangen und auch das Minus bei den Krediten liegt bei 80 Prozent, jenes bei den Einlagen bei 60 Prozent. „Wir versuchen alles sauber einzuhalten, um geordnet das Feld zu räumen“, so Höllerer und ergänzt: „Wenn ich morgen eine Opportunität hätte, aus Russland auszusteigen, dann würde ich es machen. Es ist auf Dauer wirklich schwierig, in Russland tätig zu sein.“

AusgabeRZ41-2026

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