Sie sind seit 100 Tagen im Amt. Immer ein guter Zeitpunkt, um erste Bilanz zu ziehen. Wie hat sich der Wechsel in die RBI gestaltet?
Michael Höllerer: Die vergangenen Wochen waren intensiv und lehrreich. In vielen Gesprächen in der gesamten Gruppe sind mir drei Dinge besonders aufgefallen: die hohe Qualität und das große Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die starke Verbundenheit mit der RBI, mit Raiffeisen und unseren Kunden und gleichzeitig ein Wettbewerb, der durch digitale Banken, FinTechs und Technologieunternehmen weiter zunimmt. Wir müssen genau beobachten, was andere gut machen, daraus lernen und unsere eigenen Stärken konsequent ausspielen.
Sie haben die RBI ja schon vorher gut gekannt. Gab es trotzdem Überraschungen?
Höllerer: Aha-Momente bleiben natürlich nicht aus, aber die positiven überwiegen bei Weitem. Gleichzeitig sehe ich auch Dinge, die wir besser machen können. Manchmal machen wir Themen komplizierter als nötig und brauchen dadurch zu lange. Diese Zeit haben wir in einem immer stärkeren Wettbewerb nicht.
Konnten Sie in diesen 100 Tagen bereits Ihre eigene Handschrift hinterlassen?
Höllerer: Ehrlich gesagt sollten das die Kollegen in der RBI beurteilen und nicht ich. Ich habe mich jedenfalls bemüht, in den ersten 100 Tagen sehr offen zu sein, viel zuzuhören und zu kommunizieren. Diesen Weg möchte ich auch weitergehen.
Als international tätige Bank ist man mit vielen Themen konfrontiert: Welche Themen erforderten gleich zu Beginn viel Aufmerksamkeit?
Höllerer: Spontan fallen mir unsere beiden M&A-Projekte ein, Addiko und Garanti BBVA in Rumänien, aber natürlich auch die gerichtliche Auseinandersetzung mit Rasperia. Hier haben wir einen positiven Etappensieg errungen, sind aber noch lange nicht am Ziel.
Manchmal machen wir Themen komplizierter als nötig und brauchen dadurch zu lange. Diese Zeit haben wir in einem immer stärkeren Wettbewerb nicht.
Michael Höllerer
Sie haben sich vorgenommen, alle Tochterbanken zu besuchen. Was lernen Sie vor Ort, das Ihnen Zahlen und Berichte in Wien nicht vermitteln können?
Höllerer: An erster Stelle möchte ich meine Besuche in der Ukraine nennen. Resilienz ist ein viel zitiertes Wort. Wenn man aber wissen möchte, was Resilienz wirklich bedeutet, muss man unsere Tochterbank in der Ukraine besuchen. Man kehrt mit Eindrücken zurück, die man nicht vergisst. Und ohne die Leistungen unserer anderen Tochterbanken schmälern zu wollen: Es beeindruckt mich sehr, wie stark sich unsere Kollegen dort mit Raiffeisen identifizieren und mit welchem Einsatz sie unter schwierigsten Bedingungen ihre Arbeit machen.
Die Ausarbeitung der neuen, adaptierten Strategie läuft. Wie wird diese Strategie erarbeitet?
Höllerer: Den Lead bei der Strategie hat der Vorstand im Head Office. Da sie für die gesamte Gruppe gelten wird, fließen aber natürlich auch Inputs aus den Netzwerkbanken, Tochterunternehmen und anderen Bereichen ein.
Welche Rolle soll dabei die Kooperation mit Raiffeisen Österreich spielen?
Höllerer: Wir haben in der Kooperationsgenossenschaft in den vergangenen Jahren schon viel weitergebracht. Sie ist der richtige Ort, um gemeinsam über weitere Synergien und Potenziale zu sprechen.
Sie waren unter anderem CFO der RBI, Vorstand der RZB, Chef der RLB NÖ-Wien und zuletzt Aufsichtsrat der RBI. Verändert sich der Blick auf ein Unternehmen noch einmal, wenn am Ende alle Fäden bei einem selbst zusammenlaufen?
Höllerer: Ich hatte aufgrund meiner bisherigen Positionen schon einen sehr guten Einblick in die RBI. Als CEO ist es aber noch einmal eine andere Dimension: Gemeinsam mit dem Vorstandsteam trägt man die Verantwortung für das gesamte Haus und ist im direkten Austausch mit Kunden, Mitarbeitern, Regulatoren, Investoren und Analysten. Ich lerne die RBI dadurch noch einmal in all ihren Facetten kennen und bin dafür sehr dankbar.
Wo wird die RBI nach den nächsten 100 Tagen stehen?
Höllerer: Wir werden eine ambitionierte Strategie beschlossen und bei unseren beiden M&A-Projekten wichtige Fortschritte gemacht haben. Und ich hoffe natürlich, dass wir auch bei Rasperia deutlich weitergekommen sein werden.








