Österreichs Wirtschaft kommt nicht richtig in Fahrt. Während die Eurozone trotz hoher Energiepreise, Zinsen und geopolitischer Unsicherheiten moderat wächst, bleibt die heimische Konjunktur deutlich zurück. Beim Wirtschaftsausblick auf 2027 der Industriellenvereinigung Tirol und der Raiffeisen-Landesbank Tirol wurde ein verhaltenes Bild gezeichnet – mit vorsichtigem Optimismus für Tirol, aber auch klaren Warnungen vor weiter steigenden Kosten, schwacher Investitionstätigkeit und zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck.
Die Wirtschaft in Österreich ist im ersten Halbjahr 2026 kaum gewachsen. „Während die Euro-Wirtschaft die Fahrtgeschwindigkeit trotz Gegenwinds mit einem Plus von 0,7 Prozent im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum Schlussquartal 2025 halten konnte, hat die heimische Konjunktur eine Vollbremsung hingelegt und legte nur leicht um 0,1 Prozent zu“, erklärt Chefökonom Gunter Deuber von Raiffeisen Research. Der im Vorjahr begonnene und hart erarbeitete Industrieaufschwung habe sich verlangsamt, die Rezession in der Bauwirtschaft gehe heuer bereits in das achte Jahr, die Dienstleistungsschwäche bleibe ein wesentliches Merkmal der jüngeren konjunkturellen Vergangenheit, fasst Deuber zusammen. Zwar habe sich die Stimmungslage der Unternehmen in den letzten Monaten gebessert – das zweite Halbjahr sollte daher besser ausfallen als das erste –, allerdings nehmen derzeit die Risiken in Bezug auf die bisherige Resilienz der europäischen Wirtschaft gegenüber den Energiepreisanstiegen zu.
Langsamer Aufschwung
Im Gesamtjahr wird Österreich heuer nur um 0,7 Prozent wachsen. Zwar dürfte das konjunkturelle Tempo 2027 und 2028 mit etwa einem Prozentpunkt höher ausfallen als 2026, damit würde Österreichs Wirtschaft aber immer noch langsamer expandieren als die gesamte Eurozone (etwa 1,5 Prozent) und auch Deutschland. „Unser Nachbar scheint sich langsam aus der industriellen Dauerkrise herauszuarbeiten, der Wachstumsrückstand Österreichs auch gegenüber Deutschland könnte sich vergrößern. Für Tirol erwarten wir 2027 ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1 Prozent. Besonders die Industrie dürfte mit rund 2 Prozent wieder deutlich stärker wachsen“, zeigt sich der Analyst optimistisch.

Restriktivere Geldpolitik
Die gesunkene Profitabilität heimischer Unternehmen dämpfe den langfristigen Investitionsausblick und damit die Aussicht, ein höheres Produktivitätswachstum zu erzielen. Auch von den Kredit- und Finanzierungskonditionen sei kaum Rückenwind zu erwarten, sagt Deuber. Zur Verhinderung von Zweitrundeneffekten bei der Inflation dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen in den kommenden Monaten wohl noch zweimal anheben. De facto könnte die Geldpolitik der EZB wieder zu restriktiv für Österreich wirken. Das gilt auch für Tirol: „Die letzten Zinsänderungen bremsen das Tiroler Wirtschaftswachstum auch noch 2027“, prognostiziert Stefan Haigner von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung.
Umso drängender sind nachhaltige Reformen zur Verbesserung der Investitions- und Wettbewerbsbedingungen hierzulande, betonen die Experten. Die in den letzten Jahren deutlich schneller gestiegenen Lohnstückkosten im Vergleich zur Eurozone haben die preisliche Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Firmen verringert und sollten das Exportwachstum bremsen. Gleichzeitig nehmen Protektionismus und Handelshemmnisse weltweit deutlich zu. Für eine exportorientierte Region wie Tirol bleibt das außenwirtschaftliche Umfeld damit ein wesentlicher Risikofaktor.








