Adrian Tschach: „Der Ehrgeiz bleibt erhalten“

Adrian Tschach war Teil der Raiffeisen Ski Rookies und eines der hoffnungsvollsten Talente Österreichs. Im Sommer musste er mit nur 21 Jahren seine Karriere beenden, weil ihm zu viele Verletzungen zusetzten. Kein einfacher Schritt, wie der Wahl-Innsbrucker verrät.

Schien- und Wadenbeinbruch, vier Schulter-Luxationen, Kreuzbandriss. Was den meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht widerfährt, war die Realität der letzten knapp sieben Jahre für Adrian Tschach. Und letztlich zu viel, um weiter daran zu glauben, eine Ski-Karriere hinlegen zu können, ohne dabei seinen Körper zu ruinieren.

Der Ski-Zirkus blickt in diesen Tagen nach Sölden, wo bald der Weltcup-Winter eröffnet wird. Sie haben im Juni Ihr frühes Karriere-Ende bekanntgegeben. Wie geht es Ihnen mit dem Gedanken, dass Sie das alles nichts mehr angeht?
Adrian Tschach: Ich muss sagen, bis jetzt ging es mir damit recht gut. Aber jetzt, wo man merkt, es geht wieder los, vermisse ich es schon ein bisschen. Man sieht die Kollegen, die jetzt wieder in den Weltcup-Zirkus starten, und hat schon ein weinendes Auge dabei. Wobei ich ganz generell in den letzten Wochen viel Abstand zum Skifahren aufgebaut habe, da fiel es leichter abzuschalten.

Wollen Sie in absehbarer Zeit gar nicht mehr Ski fahren?
Tschach: Doch, im Winter auf alle Fälle wieder. Vor allem, weil ich in den letzten Jahren wenig gefahren bin, da ich ja immer verletzt war. Aber jetzt auf einen Gletscher hinaufzufahren, reizt mich derweil noch gar nicht.

Sie haben im Juni in einem emotionalen Instagram-Post Ihr Karriere-Ende verkündet. Von langer Hand geplant oder am Ende doch spontan?
Tschach: Ich habe mir im September 2025 das Kreuzband gerissen und stand vor der vierten Saison hintereinander, in der ich aussetzen muss. Da habe ich schon gleich am Anfang über das Karriere-Ende nachgedacht. Ich wollte allerdings erst die Reha professionell fertig machen, also den Kraftaufbau betreiben, um das Knie zu stabilisieren. Es geht ja auch darum, dass ich im Rest meines Lebens auch noch andere Sportarten betreiben kann, die mir Spaß machen. Im Frühjahr wurde der Gedanke stärker, final entschieden habe ich es etwa zwei Wochen vor der Bekanntgabe.

Was gab letztlich den endgültigen Ausschlag?
Tschach: Einerseits die Lust, etwas anderes zu machen und mich auf mein Physik-Studium zu konzentrieren, das ich schon im Jahr davor angefangen hatte. Es war aber auch die Angst, sich nochmal weh zu tun, nochmal dieses ganze Prozedere durchzumachen, immer wieder neu anzufangen, ohne dass im Endeffekt etwas dabei herausschaut. Mit meiner Vorgeschichte wollte ich das Zurückkämpfen, das Wieder-vorne-mit-dabei-sein, sich wieder weh tun und von vorne beginnen nicht nochmal durchmachen.

Wie schwer fiel es dennoch, diesen letzten Schritt zu gehen? Es ist in dem Moment ja auch ein Traum zu Ende gegangen.
Tschach: Es war eine Erleichterung, auch wenn man in dem Moment nicht weiß, ob es die richtige Entscheidung war. In den Wochen und Monaten davor habe ich nicht gut geschlafen. Ich dachte immer wieder: Was mache ich jetzt? Wie geht es mit mir weiter? Bis jetzt bereue ich die Entscheidung nicht, aber es wird im Winter sicher Momente geben, in denen ich denke: Hätte ich es doch nochmal probiert.

Was war das jeweils stärkste Argument auf Ihrer Pro- und Contra-Liste?
Tschach: Auf der Seite zum Weitermachen: dass mir das Skifahren und Trainieren immer noch Spaß gemacht hat und ich jedes Mal, wenn ich mich zurückgekämpft habe, im Training schnell und mit meinen Zeiten konkurrenzfähig war. Auf der anderen Seite das Verletzungsrisiko. Es gibt ein Leben nach dem Sport, auf das wollte ich mich fokussieren.

In Ihrem Statement auf Instagram schwingt viel Dankbarkeit für eine tolle Reise mit. Kein Blick zurück im Zorn? Kein Hadern mit dem Schicksal?
Tschach: Dankbarkeit steht ganz vorne. Ich hab aus meiner Karriere viel mitgenommen und gelernt, auch für mein weiteres Leben. Zum Beispiel, was mentale Stärke oder die Fähigkeit, sich durchzubeißen, angeht. Das wird mir in meinem beruflichen Leben sicher helfen. Natürlich denke ich mir oft: Schade, dass mein Körper es nicht so mitgemacht hat, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber ich kann es nicht ändern, will lieber in die Zukunft schauen. Ich bereue jedenfalls gar nichts.

Ski Austria, official winter equipping. Image shows Adrian Tschach (AUT).
© Ski Austria/ GEPA pictures

Wem sind Sie am meisten dankbar?
Tschach: Auf alle Fälle meinen Eltern, meiner Familie generell, auch meiner Schwester. Sie haben mich immer supportet. Als ich mit 14 Jahren wegen des Skifahrens von Wien nach Salzburg gezogen bin, haben meine Eltern ihren Wohnsitz dorthin verlagert. Davor sind wir, als ich ein kleines Kind war, dreimal die Woche nach der Schule raus zum Training gefahren. Mir das ermöglicht zu haben, erfüllt mich mit Dankbarkeit. 

In Ihrem Statement erwähnen Sie auch Ihre Sponsoren. Sie waren viele Jahre Raiffeisen Ski Rookie und wurden von Raiffeisen Salzburg gesponsert. Wurde von Sponsorenseite nie Druck ausgeübt?
Tschach: Ich war total frei in meiner Entscheidung, jeder hat es verstanden, wenn auch bedauert. Meine Sponsoren haben mich jahrelang begleitet und meinen Leidensweg gesehen. Viele meinten auch, es sei schade, weil sie auch mein Potenzial gesehen haben.

Welche Conclusio ziehen Sie aus Ihrem Leidensweg? War es Pech? Überlastung? Oder das zu große Risiko, das man im beinharten Rennfahrer-Business nehmen muss?
Tschach: Die vier Schulter-Luxationen müssen ein strukturelles Problem meinerseits sein. Das waren oft nicht einmal Stürze, sondern eher Ausrutscher. Eine Überbelastung schließe ich aus, meine Trainings waren immer gut geplant. Und Risiko ist immer dabei, klar. Aber daran habe ich am Start nie gedacht, da zählte immer nur Vollgas. Unterm Strich war viel Pech dabei, und ohne Glück schafft es kein Sportler bis an die Weltspitze.

Hat das Skifahren als Spitzen-Athlet noch viel mit dem Hobby gemeinsam, in das man sich als Kind mal verliebt hat?
Tschach: Teils, teils. Es ist schon meistens wie das Skifahren von früher. Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es immer schön und lustig ist. Es gibt Tage, an denen man sich durchbeißen muss und die Motivation fehlt, und man trotzdem aufsteht und es durchzieht – wie in jedem anderen Beruf auch. Und dennoch bin ich davon überzeugt, dass es nur wenige Jobs gibt, die schöner sind als Profisportler. Weil es eben doch zu großen Teilen Spaß macht.

Gerade in einer Ski-Nation wie Österreich werden die „Brettl-Helden“ äußerst kritisch bewertet. Hatten Sie manchmal das Gefühl, dass Ihre erfahreneren Team-Kollegen unfair behandelt werden?
Tschach: Ich stand ja nie in der vordersten Reihe, hab also wenig von der Kritik abbekommen. Trotzdem fand ich es oft hart, weil es keinen Profisportler gibt, der am Start steht und denkt, dass er jetzt nicht seine beste Leistung abrufen möchte. Aber es gibt einfach Phasen, in denen man körperlich oder mental nicht am Höhepunkt ist und deswegen nicht seine beste Leistung abrufen kann. Deswegen empfinde ich die Kritik teilweise als unfair.

Wie geht es bei Ihnen jetzt weiter? Sie haben Ihr Physik-Studium erwähnt.
Tschach:
Ich bin jetzt im dritten Semester, studiere an der Uni Innsbruck. Das möchte ich auf jeden Fall durchziehen, auch wenn es gerade in den Prüfungsphasen sehr stressig und zeitaufwändig ist. Aber da habe ich aus dem Sport sicher viel mitgenommen. 

Und im Sport selbst?
Tschach: Ich bin im Sommer viel Rad gefahren, das hat mir super viel Spaß gemacht. Golf und Tennis spiele ich auch sehr gerne, da möchte ich Zeit investieren und besser werden. Auch wenn es nur ein Hobby ist, betreibe ich es mit voller Kraft, da kommt schon der Ehrgeiz aus mir heraus. Der bleibt erhalten. Wenn ich etwas mache, dann mit Konsequenz.

Werden Sie sich den Weltcup-Auftakt in Sölden anschauen? Oder planen Sie an dem Tag lieber eine schöne Radtour?
Tschach: Das weiß ich noch nicht, aber ich denke schon, dass ich es mir eher anschauen werde. Meine Schwester fährt auch professionell Ski, ist im C-Kader des ÖSV, da bin ich viel eingebunden. 

Ihr kompletter Name lautet Adrian Dion Tschach. Woher kommt der ungewöhnliche Zweitname?
Tschach: Von Dionysos, dem griechischen Gott des Feierns. (lacht) Das war meinen Eltern wichtig. Und er passt auch zu mir. Ich finde, wenn man hart arbeitet oder trainiert, darf auch das Feiern nicht zu kurz kommen. Warum tut man sich das sonst an?

AusgabeRZ43-2026

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Mehr lesen

Aktuelles

Die Welt der Raiffeisenzeitung

Banner für die Newsletter Anmeldung
Banner: