„Die Seele sprechen lassen“

Christa Hameseder lädt ab Mai 2022 zu einer Jubiläumsausstellung in der Raiffeisenbank Langenlois. Im Gespräch gibt sie Einblick in ihren künstlerischen Prozess.

Christa Hameseder und Hannes Rauscher, Geschäftsleiter der RB Langenlois, im Atelier.
Christa Hameseder und Hannes Rauscher, Geschäftsleiter der RB Langenlois, im Atelier. (c) RB Langenlois

Haben Sie sich schon immer fürs Malen interessiert oder gab es einen besonderen Anlass, der Sie zur Malerei geführt hat?
Christa Hameseder: Ich bin eine spätberufene Künstlerin. Kreative Arbeiten haben mich zwar schon immer interessiert, aber die Malerei ist mir zur richtigen Zeit zugefallen – und hat dann durch den Tod meiner Mutter eine besondere Bedeutung für mich bekommen. Ich habe mit der Malerei erfolgreich meine Trauerarbeit geleistet, und mir das Malen dann zu meinem Lebenselixier erkoren.

Bevorzugen Sie gegenständliche Malerei oder abstrakte Kunst?
Hameseder: Die gegenständliche Malerei, speziell die Aquarellmalerei, habe ich bei meiner lieben Künstlerkollegin Tatjana Rybkina erlernt und diese Technik dann auch einige Jahre ausgeübt. Die abstrakte Ausdrucksweise hat mich dann aber immer mehr begeistert.

Warum?
Hameseder: Die gegenständliche Malerei macht Sichtbares auf besondere Weise sichtbar. Die abstrakte Malerei macht Unsichtbares sichtbar. In der Abstraktion kann ich meine innere Wirklichkeit, meine Befindlichkeit erspüren, erfühlen und sichtbar machen. Diese Technik entspricht mehr meinem Naturell.

Was regt Sie zum Malen an?
Hameseder: Die Schönheit des Lebens im Allgemeinen ist für mich eine Inspirationsquelle pur, im Besonderen die Ausdruckskraft der Natur und meine Gefühlswelt, die mit der großen Palette der Farbigkeit bildnerisch sichtbar gemacht werden kann. Die Seele sprechen lassen: Das ist es, was mich erfüllt!

Verändert das Malen den Blick auf die Umgebung, die Natur, die Menschen?
Hameseder: Ganz bestimmt! Ich bin achtsamer geworden, mein Blick auf alles, was mich umgibt, ist geschärft worden. Das Bedürfnis, Erlebtes, Erfahrenes, Unbewusstes bildhaft festzuhalten, ist bei mir sehr groß geworden.

Wie hat sich die Resonanz auf Ihre Bilder entwickelt?
Hameseder: Die Lebensenergie und auch die Liebesenergie, die in meine Arbeiten einfließen, werden spürbar – und wenn der Betrachter es zulässt, auch „emotional sichtbar“. Ich kann schon sagen, dass meine Arbeiten die Betrachter zum größten Teil berühren, ansprechen und Freude bereiten. Die Rückmeldungen sind äußerst positiv.

Der Erlös Ihrer Bilder kommt einem guten Zweck zugute. Was steckt hinter dieser Idee?
Hameseder: Ich bin reich vom Leben beschenkt, ich bin gesund und habe eine wundervolle Familie. Da ist es für mich ganz natürlich und auch eine innere Verpflichtung, Gutes zu tun. Ich mache das mit meiner Leidenschaft, der Malerei. Das macht mich glücklich. 

Neben dem Malen von Bildern führen Sie auch regelrechte Kunstprojekte durch …
Hameseder: Ausstellungen mit Künstlerkolleginnen und -kollegen bereichern meine Arbeit. Die ehrenamtliche Durchführung von Kunstprojekten in meiner Gemeinde Mühldorf oder die großartige Zusammenarbeit und Ausstellungstätigkeit mit den Künstlerinnen und Künstlern der Caritas Retz sind sozial wertvoll, haben einen Sinn. Augenblicklich ist die gemeinsame Ausstellung „Kunststationen“ im Stift Melk zu besichtigen. Das Reizvolle und das Herausfordernde an der Zusammenarbeit mit kunstaffinen Menschen ist der gemeinsame Spirit, der verbindet, gegenseitig bereichert und viel Schöpferisches hervorbringt.

Mit welchen Bildern kommen Sie im kommenden Mai nach Langenlois?
Hameseder: Die Besucherinnen und Besucher meiner Vernissage am 27. Mai 2022 dürfen sich auf eine außergewöhnliche Auswahl von Arbeiten freuen. Viel Neues und Experimentelles ist zu erwarten. Und weil es vorerst wohl meine letzte große Ausstellung sein wird, ist sie sozusagen eine Jubiläumsausstellung zum Thema „Zwanzig Jahre künstlerische Arbeit für die gute Sache“. Diesmal darf ich den gesamten Erlös dieser Benefizausstellung zu gleichen Teilen an die „Kinderburg Rappottenstein“ und an „Hilfe im eigenen Land“ weitergeben.

Christa Hameseders erste große Ausstellung fand 2007 anlässlich ihres 50. Geburtstags im Kloster Und in Krems statt. Alle fünfzig ausgestellten Werke waren am ersten Abend verkauft, und die Künstlerin konnte 60.000 Euro an Sozialprojekte weitergeben. Viele weitere Ausstellungen folgten – etwa in Mistelbach, in Pöchlarn, in Stockerau, in Melk – und immer für den guten Zweck. Die wohl letzte große Ausstellung wird im Mai 2022 in der Raiffeisenbank Langenlois stattfinden.