Bargeld bleibt von Bedeutung

In Österreichs Gemeinden stellt die Bargeldversorgung eine wichtige Säule dar.

Die Bargeldversorgung in Österreichs Gemeinden ist gut, aber nicht lückenlos. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Trendforschungsinstituts Pitters Trendexpert im Auftrag der Geldservice Austria (GSA), einer Tochtergesellschaft der Nationalbank (OeNB). Während 85 Prozent die Bargeldversorgung in ihrer Gemeinde als eher gut bis sehr gut bewerten, sehen diese immerhin 15 Prozent als eher schlecht bis sehr schlecht an. Befragt wurden mehr als 200 Gemeindevertreter wie Bürgermeister oder Amtsleiter, damit haben rund 10 Prozent aller Gemeinden teilgenommen. Hinsichtlich Region, Funktion, Geschlecht und Alter der Befragten ist die Umfrage laut Pitters repräsentativ.

Die Ergebnisse zeigen einerseits, dass Bargeld in den Gemeinden weiterhin einen hohen Stellenwert hat, gleichzeitig aber nicht überall dieselben infrastrukturellen Voraussetzungen bestehen. So bewerten 78 Prozent der Befragten Bargeld als eher wichtig bis sehr wichtig in ihren Gemeinden. Besonders deutlich wird die Bedeutung im regionalen Alltag: 98 Prozent halten Bargeld für Vereine, Märkte und Veranstaltungen für unverzichtbar, 89 Prozent finden Bargeld für lokale Klein- und Mittelbetriebe für wirtschaftlich bedeutsam. 87 Prozent sehen Bargeld zudem als wichtige Alternative bei möglichen Cyberattacken und ebenso viele als besonders wichtig für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen.

Zukünftige Absicherung

Immerhin 15 Prozent der Gemeinden haben keinen Bankomat, mehr als ein Drittel (36 Prozent) hat keine Bankfiliale. Gemeindebundpräsident Johannes Pressl ist insgesamt dennoch „sehr zufrieden, wie wir derzeit aufgestellt sind“. Es gehe nicht darum, dass prinzipiell in jeder Gemeinde ungeachtet ihrer Größe ein Bankomat stehen müsse, sondern um Distanzen auch über Gemeindegrenzen hinweg. Die Versorgung müsse jedenfalls abgesichert sein, denn Bargeld werde auch in Zukunft eine große Rolle in den Gemeinden spielen. 

Zur Absicherung des bestehenden Netzes von rund 8.300 Bankomaten bis vorerst 2029 hat der Gemeindebund im Jahr 2024 mit der OeNB und den Banken das „Bankomaten-Moratorium“ ausgehandelt. Zusätzlich stellt die OeNB insgesamt 120 neue Bankomaten in schlecht versorgten Regionen auf, 66 davon wurden bereits errichtet. „Bargeld ist Teil einer verlässlichen Daseinsvorsorge und sichert die Wahlfreiheit der Menschen. Digitalisierung soll neue Möglichkeiten schaffen, aber bestehende Wahlmöglichkeiten nicht beseitigen“, betont Pressl.

Bargeld sei zwar rückläufig, deshalb aber noch lange kein Auslaufmodell, meint auch Matthias Schroth, Direktor der OeNB-Hauptabteilung Recht, Bargeld und Beteiligungen. „Bargeld hatte bis vor wenigen Jahren im Handel und der Gastronomie eine absolute Monopolstellung. Es ist nur logisch, dass es mit der Digitalisierung und dem Generationenwechsel rückläufig ist“, so Schroth. Heutzutage gebe es einfach mehr Zahlungsmöglichkeiten als früher.

Aus Sicht des OeNB-Experten sei das „Framing“ von Kartenzahlung als modern und bequem und Bargeldzahlung als rückständig Teil eines „interessengetriebenen Narrativs“: Bargeld werde nicht von Banken selbst, sondern von Notenbanken zur Verfügung gestellt und sei damit die öffentliche Form des Geldes, während hinter anderen Zahlungsformen „milliardenschwere Geschäftsmodelle“ stünden, die „auch stark in der Hand von US-Unternehmen“ seien.

Im Gegensatz zu anderen Ländern sei die Bargeldversorgung in Österreich Schroth zufolge aber sehr gut. Der Bargeldkreislauf funktioniere jedoch nur bei regelmäßiger Verwendung. Auch GSA-Geschäftsführer Gerhard Gierer appelliert daher: „Wenn wir Wahlfreiheit weiter wollen, müssen wir Bargeld auch verwenden.“

AusgabeRZ38-2026

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