Die Hauptlese des heimischen Weins ist heuer ungewöhnlich früh angelaufen – und sie wird regional sehr differenziert ausfallen. „Wir erwarten einen spannenden Jahrgang und werden sehr unterschiedliche Stilistiken bei den Weinen sehen“, stellte Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager beim Pressegespräch zur Weinernte in Aussicht.
Aufgrund der Hitze und Trockenheit erwarten die Winzer – wie auch der Rest der Landwirtschaft – einen geringeren Ertrag. Schmuckenschlager benannte die prognostizierte Weinernte mit 1,7 Millionen Hektolitern. „Welche Volumina wir am Ende des Tages im Keller haben werden, konnten wir bis vor ein paar Tagen noch nicht abschätzen“, so der Weinbaupräsident. Wenn in den vergangenen 14 Tagen noch entsprechende Niederschläge gefallen wären, hätte das noch etwas ändern können. Nichtsdestotrotz ist das vorhandene Traubenmaterial gesund und reif und lässt auf hohe Qualität schließen. Die ersten Jungweine zeigen sich mit einer guten Aromatik und einem schönen Trinkfluss.
Einbußen von 30 Prozent
Besonders stark von der Trockenheit betroffen war der Osten des Landes, wo die Hauptanbauregion des österreichischen Weins angesiedelt ist. Doch Schmuckenschlager meldet über alle Weinbaugebiete hinweg eine geringere Ernte als 2025. „Die Ernteeinbußen sind massiv. Wir liegen um mehr als 30 Prozent unter der Vorjahresernte“, betont er. Im Weinviertel rechnet man sogar mit einem Minus von 40 Prozent. Auch das Burgenland ist stark betroffen.
Dass die extreme Trockenheit deutliche Spuren hinterlassen hat, lässt sich an den Beeren erkennen, die vielfach sehr klein sind – und auch die Mostausbeute fällt entsprechend geringer aus.
Wirft man einen Blick zurück auf die Vegetationsperiode 2026, so folgte auf nur wenige Fröste ein früher Austrieb Mitte April. Die warme Witterung beschleunigte die weitere Entwicklung, sodass die Rebblüte bereits Ende Mai bis Anfang Juni einsetzte – alles Hinweise auf ein frühes Erntejahr. Im Juni, während der vegetativen Phase, wären Niederschläge dringend notwendig gewesen. Als dann ein heißer, trockener Juli und August folgten, „waren die Winzer im Management der Böden gefordert“, so Schmuckenschlager. Es galt, Konkurrenz in den Weinzeilen möglichst auszugrenzen, die Laubwandhöhen niedrig zu halten und den Boden, wo es möglich war, zu öffnen, um die Mineralisation zu fördern.
Schönes, aromatisches Spiel
Die Beeren der heurigen Weinlese sind insgesamt zwar kleiner, jedoch gesund. „Wir haben sehr schönes, reifes Traubenmaterial“, sagt Schmuckenschlager. Wie schon 2024 sei auch 2026 ein hochreifes Jahr. Vor zwei Jahren stieg der Zuckergehalt allerdings vor der Ernte stark an, was sich normalerweise auf Kosten der Säure auswirkt. Aus dieser Erfahrung heraus können die Betriebe die Lese heuer besser managen, die Säurewerte zeigen sich stabil. Auch das Verhältnis Wein- zu Apfelsäure ist günstig: „Die Weinsäure ist hoch, was auf hohe Qualität und ein schönes, aromatisches Spiel schließen lässt“, sagt der Weinbaupräsident.
Tiefwurzler Wein im Vorteil
Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen ist die Rebe aber eine Pflanze, die als Tiefwurzler Hitze extrem gut verträgt. Sie kommt mit trockener Witterung besser zurecht als mit feuchter und ist weniger anfällig für Krankheiten – wodurch heuer weniger Pflanzenschutzmittel zur Anwendung kamen. Allerdings stellte die trockene Hitze für Junganlagen (Bestände bis maximal fünf Jahre) eine große Herausforderung dar. Weingärten mit Bewässerungsanlagen waren hier klar im Vorteil. Nur mit dem Ausbau der Bewässerung, wie es etwa im italienischen Trentino bereits Standard ist, könne es eine stabile Ertragssituation für die Winzer geben. Daher appellierte Schmuckenschlager in Richtung politischer Entscheidungsträger, die Winzer diesbezüglich zu unterstützen.
Denn österreichischer Wein ist nicht nur Genussmittel, sondern auch ein enormer Wirtschaftsfaktor. „Wir konnten 2025 dokumentieren, dass der österreichische Wein mit den ihm zugeschriebenen Sektoren rund 3 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Leistung bringt“, unterstreicht der Weinbaupräsident. Außerdem sei der Wein und sein Anbau aufgrund der Historie ein identitätsstiftendes Produkt. Schmuckenschlager versteht die Unterstützung des Weinbaus daher nicht nur als wirtschaftliches Thema der Weinbranche, sondern auch als gesellschaftspolitisches Anliegen.
Rodungen durch neue Krankheit
„Es ist ein schwieriges Jahr, das wir in der Weinwirtschaft mit der Ernte zum Abschluss bringen“, sagt Schmuckenschlager. „Mit dieser geringen Erntemenge stabilisieren wir den Weinmarkt. Das heißt aber für die betriebswirtschaftliche Situation der Betriebe keine Entspannung.“ Er rechnet daher mit Rückgängen in der Produktionsfläche. Außerdem haben die Winzer mit einer neuen Bedrohung zu kämpfen, die besonders im Süden Österreichs, in der Steiermark und im Burgenland, aufgetreten ist: die Goldgelbe Vergilbungskrankheit. „Das führt zum Exodus der Rebflächen“, so Schmuckenschlager. Bei Auftreten der Krankheit muss gerodet werden, wie es etwa am Eisenberg im Burgenland oder rund um Klöch in der Steiermark der Fall war. Hier arbeitet man an einem bundesländerübergreifenden, vom Weinbauverband koordinierten Vorgehen mit den Bundesstellen. Ziel ist es, einen funktionierenden, haltbaren Schutz zu entwickeln, auch im Austausch mit den Nachbarländern.
Export nach China
Überraschend ist, dass die Rotweinsorten mit der Hitze ein wenig besser umgehen als weiße Vertreter, wie man im Lauf des Jahres beobachten konnte. Etwa ein Drittel der Ernte wird voraussichtlich auf Rotwein entfallen. Trotzdem ist Rotwein das Sorgenkind auf dem Weinmarkt. Während die Nachfrage nach Weißweinen steigt und die Preise europaweit stabil bleiben, geht die Nachfrage bei Rotweinen zurück. Österreich hat den Vorteil, dass die Weißweinproduktion, im Schnitt 80 Prozent der Gesamtproduktion, dominiert.
Die Marktsituation zeigt sich international, europaweit und auch national angespannt – generell wird weniger Wein getrunken. Schmuckenschlager appelliert daher, auf Herkunft und Qualität zu setzen – eine Strategie, die Österreich immer Erfolg gebracht hat. Ziel sei es, das Interesse am österreichischen Wein zu stärken, und zwar bis weit über die Grenzen des Landes hinweg. Sogar bis nach China knüpft man Kontakte: „In den wirtschaftlich starken Regionen Chinas im Osten des Landes ist die Jugend stark dem Weißwein zugetan“, berichtet Schmuckenschlager von Gesprächen im Rahmen einer Parlamentsdelegation. In den Fünf-Jahresplänen chinesischer Unternehmen spielen außerdem Umweltschutz und Weiterentwicklung eine große Rolle. Hier sei man im Austausch mit Agraruniversitäten und der chinesischen Weinwirtschaft, wo großes Interesse am System der österreichischen Nachhaltigkeitszertifizierung besteht. Kooperationen mit mehreren europäischen Ländern bestehen bereits, mit China möchte man weiterführende Gespräche führen. „Das wäre eine gute Visitenkarte, um Österreich in diesen Bereichen in die Welt zu tragen.“
Der Jahrgang 2026
Die ersten Jungweine sind bereits erhältlich, doch „die wesentlichen Vertreter kommen jetzt in den Keller, diese werden wir frühestens im November bis Dezember bewerten können“, sagt Schmuckenschlager. „Die kleinbeerigen, tiefdunklen und konzentrierten Rotweintrauben lassen dichte, vollreife Weine erwarten.“ Mit Blick auf andere Bereiche der Landwirtschaft betont er: „Wir dürfen danke sagen, dass wir eine Ernte haben.“








