Barockgärten: Blühende Achsen der Macht

Mit einer Sonderaus­stellung widmet man sich in Schloss Hof der „verspielten Symmetrie“ des „Barockgartens als Gesamtkunstwerk“.

Noch heute bekommt, wer durch die Gärten von Schloss Hof oder Schönbrunn wandelt, einen Eindruck vom menschlichen Gestaltungswillen über die Natur. Büsche und Bäume, die in bestimmte Formen getrimmt wurden, Wasser, das gezähmt sanft in Brunnenanlagen ruht oder wie ein Wasserfall unterschiedliche Höhenlagen überwindet, in Stein gehauene Götter und Sagengestalten sowie in Mustern gestaltete Blumenbeete.

Vom sogenannten Broderieparterre bis zur zentralen Sichtachse, all das sind, wie man in der aktuellen Sonderausstellung „Verspielte Symmetrie“ erfährt, unverzichtbare Elemente eines typischen Barockgartens – eine Art der Gartengestaltung, die sich ab dem Ende des 17. Jahrhunderts langsam auch in Österreich zu verbreiten begann und ihren Höhepunkt in der Anlage des Wiener Belvedere-Gartens erfuhr. Auftraggeber dieser prachtvollen Gartenanlage war niemand geringerer als Prinz Eugen. Der aufgrund seines Sieges über die Osmanen zu Ruhm und Reichtum gekommene Feldherr kam ebenso wie der am Hof Ludwigs XIV. durch André Le Nôtre entwickelte Idealtyp des Barockgartens ursprünglich aus Frankreich. 

Entwurf für einen Brunnen
© SKB

Obwohl es schon zuvor immer wieder zur Aufnahme von barocken Gartenelementen – wie beispielsweise im Palais Liechtenstein in der Wiener Vorstadt Rossau oder durch den in Frankreich geborenen Jean Trehet in Schloss Schönbrunn – gekommen war, gelang es erst während der Zeit der 25 Jahre dauernden Entstehungsgeschichte des Belvedere-Gartens, die aktuellsten Errungenschaften der französischen Gartenkunst in Österreich erfolgreich umzusetzen. Für die Planung dieses 1725 vollendeten Gartens zeichnete neben dem Lieblingsarchitekten Prinz Eugens, Johann Lucas von Hildebrandt, der in Versailles ausgebildete Le Nôtre-Schüler Dominique Girard wesentlich verantwortlich. Einen ebenfalls maßgeblichen Anteil der Arbeiten leistete der Garteningenieur Anton Zinner.

Zinner stieg in Folge seiner im Belvedere gewonnenen Erkenntnisse zum gefragten Gartenplaner auf und war für Prinz Eugen auch bei der Anlage dessen Gartens im niederösterreichischen Schloss Hof zuständig. Wie jedoch leider auch in der Gartenanlage des Belvederes wurden auch in Prinz Eugens niederösterreichischem Lustschloss einige der wesentlichen Gestaltungselemente – darunter die Treillagen-Anlage – im Laufe der Zeit abgetragen. Von der einstigen Pracht dieser mit Pflanzen umrankten, kunstvoll aus Latten geschaffenen Holzkonstruktionen in Form von Pavillons und Laubengängen kann man sich heute nur mehr in Form von Skizzen und Gemälden wie unter anderem von Bernardo Bellotto ein Bild machen. 

Wo einst die ­Zitronenbäume blühten 

Nicht mehr in ihrer einstigen Pracht erhalten haben sich auch die zahlreichen Nutzgärten in vielen der Schlösser und Adelspalais, die in ihrer Anlage den Lustgärten um nichts nachständen. Gezogen wurden hier neben zahlreichen mehr oder minder heimischen Obst- und Gemüsesorten auch Exoten wie Zitrusfrüchte oder die vor allem zur Zeit Maria Theresias äußerst beliebte Ananas. Mittels Treibhäuser gelang es zudem, derartige Exoten auch außerhalb ihrer natürlichen Vegetationsperiode zu ziehen. Es ist unschwer sich vorzustellen, dass Verzehr und Besitz solcher auch wohlriechenden Köstlichkeiten für den Besitzer einen enormen Gewinn an Prestige bedeuteten. Nicht zuletzt waren Barockgärten nämlich vor allem eines: teuer. 

War ein derartig aufwendig gestalteter Garten erst einmal erfolgreich angelegt, bedurfte es einer ganzen Heerschar an Gärtnern, um diesen in Stand zu halten. Als besonders exklusiv gestalteten sich die Brunnen und Wasserspiele, so mussten für die erfolgreiche ­Inbetriebnahme Wasserleitungen ­verlegt, Brunnenhäuser und mitunter auch Wasserhebemaschinen errichtet werden. Regelmäßig fanden zudem auch Theatervorführungen und Konzerte statt und die Gartenlandschaft wurde so zu einer Bühne umfunktioniert. Die Ausstellung in Schloss Hof lädt nicht zuletzt auch dazu ein, sich eine Vorstellung vom illustren, mitunter auch abendlich-festlichen Treiben in den Gärten des Kaiserhofes und der Hocharistokratie zu machen. Regelmäßig werden zudem als Teil des Vermittlungsprogramms auch Führungen durch das sich über sieben Terrassen erstreckende Gartenareal angeboten. 

AusgabeRZ12-2026

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