Blasmusik: In Harmonie vereint

Rund 2.100 Blaskapellen existieren in Österreich. Kaum eine größere Feier in Gemeinden und Städten, die nicht von einer Musikkapelle begleitet wird. Vor allem im Sommer ertönen wieder vielerorts verstärkt die Blasinstrumente.

Eindrücke vom Woodstock der Blasmusik
Seit 13 Jahren trifft sich die Blasmusik-Fangemeinde zu traditionellen und modernen Klängen. © Julian Quirchmair

„Love, Peace und Blasmusik“ – Europas größtes Festival für Blasmusik steht auch heuer wieder im Zeichen der Vielfalt. Im Programm der 12. Festivalausgabe befinden sich 130 Acts, die auch dieses Jahr bis zu 80.000 Besucher in den Innkreis locken werden. Derweil hat alles wie so oft einmal klein angefangen – mit einer Konzertprobe am Wochenende und einem Abschlusskonzert. 2011 wurde dann zum ersten Woodstock ausgerufen – der Rest ist (Festival-)Geschichte.

Eine Geschichte, die 2024 mit der Kultband „The Boss Hoss“ weitergeschrieben wird. Freuen dürfen sich Fans dieses Jahr auch auf die zwischen süditalienischer Beerdigungsmusik, Morricone, Tarantino und Celentano angesiedelte „Italo Connection“ mit Herbert Pixner sowie den Auftritt der deutschen Blasmusik-Rap-Band „Moop Mama“, die aktuell mit neuer Sängerin unterwegs ist. Aber auch Freunde der klassischen Blasmusik werden mit „Sašo Avsenik und seine Oberkrainer“, dem „Viera Blech“, „Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten“ und der „Vienna Brass Connection“ auf ihre Kosten kommen.

Im regen Festival­treiben nicht fehlen darf selbstverständlich die „Woodstock Allstar Band“. Die 2017 gegründete Haus- und Hof-Big-Band des Woodstock der Blasmusik wird dieses Jahr zur „James Last Party“ ausrufen. Erstmals präsentiert sich hingegen das gemischte Jugendblasorchester „Das Kapellchen Gefällt Mir“ dem Publikum. Als Dirigent für die aus einem Wettbewerb hervorgegangene Jungmusiker-Kapelle konnte der Wiener Philharmoniker und künstlerische Leiter der Woodstock Academy Matthias Schorn gewonnen werden. Der Auftritt der Nachwuchsband wurde am 30. Juni im Rahmen des Familientags angesetzt. Aufgewartet wird neben Kinderkonzerten auch mit Kinderschminken und einer Hüpfburg. Zahlreiche Unterkünfte – von der Brass-Lodge bis zur Feldjurte – sollen während der Festivaltage von 27. bis 30. Juni für die nötige Nachtruhe sorgen. 

Von Linz bis Schladming

Für alle, die sich auch nach der österreichischen Variante des Woodstock-Festivals erneut ins Blasmusiktreiben stürzen wollen, bietet das „Landesmusikfest“ von 13. bis 14. Juli in Linz Gelegenheit. Ausgerichtet wird das Fest alle zehn Jahre vom Dachverband der Oberösterreichischen Blasmusik. Gespielt wird am Hauptplatz ebenso wie in diversen Gaststätten.

Hochkarätig der Blasmusik gefrönt kann heuer allerdings auch beim „Mid Europe“ in Schladming werden. Für den Auftakt der 25. Festivalausgabe von 9. bis 13. Juli hat sich das Polizeiorchester Bayern angesagt, während der Mittwochabend am Wetzlarplatz ganz im Zeichen des „Traums eines Reservisten“ stehen wird. Für das Konzert zeichnet die Militärmusik Oberösterreich mit der großherzoglichen Militärkapelle Luxemburg verantwortlich. Der in der Kapelle Luxemburg dienende Oberleutnant Jean-Claude Braun konnte zudem als Gastdozent gewonnen werden. Zum Bestandteil des Programms zählt auch das „Stadtfest Schladming – lange Nacht der Musik“ sowie eine Kinder-Arena. Zudem lädt man gemeinsam mit dem österreichischen Bundesheer unter dem Motto „Klänge in Uniform“ zum „Kids in Concert“. Im Rahmen der Veranstaltung werden Einblicke in die Aufgaben des Bundesheers – von Hilfseinsätzen bei Hochwasser, Waldbränden oder Lawinenabgängen – gewährt.

Eindrücke vom Woodstock der Blasmusik
© Klaus Mittermayr

Mit der „South African College High School Concert Band“, der „Koninklijke Harmonie de Berggalm“ aus den Niederlanden und dem „Holy City Consort Charleston Southern University“ aus den USA präsentiert sich das Festival betont global. Heimische Klänge kommen unter anderem von der Marktmusik Heiligenkreuz am Waasen. Letztere hat mit derzeit rund 50 aktiven Musikern einen hohen Jugendanteil. Zudem blickt der bereits 1890 gegründete Musikverein auf eine lange Tradition zurück.  

Die Welt der Blasmusik im Museum

Im 19. Jahrhundert verbreiteten sich von Amateuren ins Leben gerufene Musikvereine auch im deutschen Raum stark. Schon mit der Französischen Revolution kam es von einem verstärkten Nationalgefühl ausgehend zur Formierung erster bürgerlicher Orchester. Einen wesentlichen Impulsgeber für die Amateurkapellen stellte dementsprechend die Militärmusik dar. Mit dem Vereinsrecht von 1867 wurde auch auf organisatorischer Ebene der Rahmen für die Entstehung von Kapellen und Orchestern geschaffen.

Blickt man beispielsweise nach Vorarlberg, so gab es bis 1850 etwa 20 Blasmusik-Kapellen, während es zwischen den Jahren 1850 und 1900 zu mehr als 40 Vereinsgründungen kommen sollte. Aktuell verfügt Österreichs westlichstes Bundesland laut der Sonderausstellung „tuten & blasen. Blasmusik in Vorarlberg“ über 129 Formationen. Die Schau, die noch bis Frühjahr 2025 im „Vorarlberg Museum“ in Bregenz zu sehen ist, widmet sich jenen Menschen, die die Blasmusik in Vorarlberg geprägt haben und lebendig halten. Neben Murat Üstün, der in den 1990er-Jahren „d‘Hatler Musig“ in Dornbirn dirigierte, kommt beispielsweise auch Helga Pedross zu Wort. Im fortgeschrittenen Alter von 50 Jahren erlernte sie die Tuba und wurde in Folge in die Stadtmusik Bludenz aufgenommen. 

Eindrücke vom Woodstock der Blasmusik
© Julian Quirchmair

Frauen im Vormarsch

Lange Zeit stellten Frauen – wie beispielsweise Rina Scherf, die die von 1923 bis 1938 als Dirigentin der Blasmusik Ranten fungierte – eine Ausnahme in der männlich dominierten Welt der Blasmusik dar. Ab den 1980er-Jahren stieg die Zahl der in Vereinen aktiven Musikerinnen kontinuierlich an. Heute sind über 40 Prozent der Musiker weiblich. Vor allem bei den unter 30-Jährigen sind derzeit mehr aktive Mitglieder weiblich als männlich. Zu dieser Erkenntnis kommt eine im Rahmen des Projekts „Murauerinnen“ herausgegebene Publikation.

Eine vom Verein „murauerinnen“ als Wanderausstellung konzipierte Ausstellung zum Thema Frauen in der Blasmusik ist derzeit im Österreichischen Blasmusikmuseum Oberwölz zu sehen. Das Museum, das auch das Dokumentationszentrum des Österreichischen Blasmusikverbandes beherbergt, wurde 1997 eröffnet und widmet sich auf 600 Quadratmetern der Geschichte der Blasmusik. Besucher können sowohl Einblicke in die Sammlung historischer Blasinstrumente erhalten, unterschiedliche Trachten der Musikerinnen studieren und sich im Rahmen einer Multimedia-Show auf eine Reise von der frühen Harmoniemusik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts an adeligen Höfen bis in die Gegenwart begeben. Denn was wäre eine Ausstellung zum Thema Blasmusik, die nicht auch mit Hörproben aufwarten kann?