Heike Arbter: „Für Zertifikate ist jedes Marktumfeld gut“

Raiffeisen Zertifikate hat 2025 kräftig zugelegt und den Markt klar outperformt. Trotzdem ist das Potenzial noch riesig, wie Leiterin Heike Arbter erklärt.

Wie wirkt das aktuelle Marktumfeld auf Zertifikate? 
Heike Arbter: Für Zertifikate ist jedes Marktumfeld gut. Aufgrund der Schutzmechanismen gibt es immer Möglichkeiten, in die Märkte hineinzugehen und trotzdem geschützt zu sein. Stimmungsmäßig sorgt ein positives Aktienumfeld dafür, dass Kunden eher daran denken, zu investieren. Die Performance der Märkte war im Vorjahr gut und auch für heuer ist Raiffeisen Research positiv und rechnet beim ATX mit einem Plus von über 13 Prozent und beim Euro Stoxx mit plus 5 Prozent. 

Die Stimmung ist also gut?
Arbter: Die Stimmung ist aktuell schlechter als die tatsächliche Performance. Es gibt ein Ungleichgewicht: Risiken werden höher bewertet als die Chancen. Es sind zwar mehr Kunden investiert und das Zertifikategeschäft wächst rasant, aber es könnte noch mehr sein. 

Wie rasant ist das Wachstum?
Arbter: Das Volumen bei Raiffeisen Zertifikate hat sich von 2022 bis 2025 verdoppelt und allein im Vorjahr um 32 Prozent zugelegt. Das ist ein Beleg für das Vertrauen der Investoren und die Stärke von Raiffeisen. Kein anderer Sektor hat bei Zertifikaten eine derart gute Wachstumsstory. Wir sind damit auch deutlich stärker gewachsen als der Gesamtmarkt, der 2025 um 11,6 Prozent gestiegen ist. 

Wie ist diese Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt konkret gelungen?
Arbter: Unsere Outperformance verdanken wir einem starken Vertrieb, maßgeschneiderten Produkten und einer konsequenten Fokussierung auf Kundentransparenz und -zufriedenheit. Wir haben lange Jahre Aufbauarbeit geleistet und viel getan: Beraterschulungen, maßgeschneiderte Emissionen und die hohe Transparenz kommen bei den Kunden, überwiegend Privatkunden, gut an. Wir haben bei Raiffeisen mittlerweile auch mehr als 10 Prozent Zertifikate im Wertpapierbestand mit wachsender Perspektive.

Was spricht für Zertifikate?
Arbter: Wenn man die Inflation schlagen möchte, muss man Wertpapiere kaufen, die natürlich mit einem gewissen Risiko behaftet sind. In Kombination mit dem Zertifikate Forum Austria haben wir hier heuer einen wichtigen Schritt zu mehr Transparenz gemacht. Wir veröffentlichen seit Jahresbeginn den Summary Risk Indicator, der liegt bei unseren Produkten bei 2,13. Zum Vergleich, ein Index oder ETF hat ein Risiko von vier oder fünf. Das heißt, Zertifikate mit Kapitalschutz oder Teilschutz bieten halb so viel Risiko wie der Index direkt.

Wie wird der Risiko-Indikator SRI berechnet?
Arbter: Es ist eine Kombination aus Markt- und Kreditrisiko. Nach europäischer Vorgabe fließt also auch die Bonität des Emittenten in die Berechnung hinein. Das Ergebnis steht dann in den Basisinformationsblättern jedes Zertifikats. Die Skala geht von 1 bis 7, wobei 7 das höchste Risiko darstellt, zu finden bei Hebelzertifikaten. 

Heike Arbter bei einer Präsentation
© Nadine Zineldin

Es spricht kein Argument gegen 15 oder 20 Prozent Zertifikate im Wertpapierdepot bei Raiffeisen Österreich.

Heike Arbter

Wird sich das starke Wachstum bei Raiffeisen Zertifikate heuer fortsetzen?
Arbter: Je größer die Basis, desto größer ist das Potenzial. Allein heuer haben wir 750 Mio. Euro an Tilgungen, also Zertifikate laufen aus. Viele dieser Kunden, die positive Erfahrungen mit Zertifikaten gemacht haben, nutzen die Gelegenheit zur Wiederveranlagung – ein Beleg dafür, dass wir mit unseren Produkten auf die Erwartungen und Bedürfnisse unserer Anleger eingehen. Die Handlungsoptionen sind da, das ist ein großer Wachstumsmotor. Natürlich spricht die Performance, also der Ertrag über der Inflation, für eine Wiederveranlagung. Es liegen auch Milliarden auf Sparbüchern, die investiert werden könnten. Es spricht also kein Argument gegen 15 oder 20 Prozent Zertifikate im Wertpapierdepot bei Raiffeisen Österreich. 

Welche Bedeutung haben Zertifikate für den Sektor und die Raiffeisen Bank International?
Arbter: Die Banken haben natürlich Dienstleistungserträge, die jetzt, wo die Zinsen nicht mehr so hoch sind, gebraucht werden. Darüber hinaus geht es um Kundenkontakt bei der Wiederveranlagung und Kundenbindung durch maßgeschneiderte Emissionen. Wir haben 2025 insgesamt 134 individuelle Emissionen für Raiffeisenbanken gemacht und damit 350 Mio. Euro abgesetzt. Für die RBI sind Zertifikate ebenfalls ein Ertragsbringer und tragen zum Funding der Bank bei. 

Wie aktiv ist Raiffeisen Zertifikate außerhalb von Österreich?
Arbter: Wir bieten in allen EU-Ländern ein öffentliches Angebot an, also man kann dort unsere Zertifikate genauso kaufen wie in Österreich. Das ist vielerorts ein Alleinstellungsmerkmal für die Netzwerkbanken. Bei der Tatrabank liegt der Zertifikate-Anteil im Wertpapierdepot der Kunden bei über 20 Prozent. Neben der Slowakei verzeichnen wir auch in Tschechien, Ungarn und Rumänien ein starkes Wachstum. 

Welche Schwerpunkte sind heuer für Raiffeisen Zertifikate geplant?
Arbter: Die großen Ziele sind Wachstum im Sinne von Tilgung und Wiederveranlagung sowie viel Kommunikation und Aufklärung. Wir werden viel in Schulungen, Broschüren und Online-Informationen investieren. In Österreich kommt vermutlich im ersten Halbjahr auch eine neue App „Raiffeisen Börse 360“, wo wir auf klare und verständliche Art und Weise zeigen, welche Chancen und Risiken die Produkte bieten. 

Wir wollen keine Konkurrenz zum Berater, sondern eine Ergänzung. Die Stärke von Raiffeisen ist Omni-Channel.

Heike Arbter

Welche Rolle spielt der digitale Kaufabschluss bei Zertifikaten?
Arbter: Eine zunehmend größere. In Tschechien haben wir einen Online-Broker mit über 100.000 Kunden, der nun auch in Kroatien und demnächst in der Slowakei ausgerollt wird. Da sieht man sehr genau, dass die Onlineabschlüsse enorm steigen und die Kunden auch ohne Berater sehr aktiv sind. In Österreich ist in Mein Elba noch mehr möglich. Wir arbeiten daran, die digitalen Kaufprozesse so zu gestalten, dass sie intuitiv und verständlich sind – und man jederzeit gut informiert die passenden Produkte findet. Natürlich kann man ein Produkt online kaufen, aber oftmals wissen die Kunden nicht, was sie genau wollen. Daher schätzen viele weiterhin persönliche Beratung, um genau die passenden Zertifikate zu finden – deshalb setzen wir auf eine perfekte Verbindung von Online-Angeboten und persönlichem Service. Wir reden immer von Kundenorientierung und Kundenzentriertheit, das bedeutet, auch verständliche Apps und Onlineauftritte. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf und daran wird momentan gearbeitet. Online wird zunehmend wichtiger und Mitbewerber zeigen, was online möglich ist. Aber wir wollen keine Konkurrenz zum Berater, sondern eine Ergänzung. Die Stärke von Raiffeisen ist Omni-Channel.

War der Raiffeisen-Zertifikatefinder nur ein erster Schritt?
Arbter: Das ist eines unserer besten Tools, das wir auf unserer Webseite haben und wird extrem tief genutzt – auch mit Chatbot. Aber ich glaube, wir brauchen darüber hinaus noch eine Raiffeisen-Antwort. Wir haben drei Millionen Kunden auf Mein Elba, denen könnte man das Wertpapiergeschäft noch schmackhafter machen. Das ist eine wichtige, gemeinsame Aufgabe für 2026.

Welche Produkte oder Basiswerte liegen momentan im Trend? 
Arbter: Kapitalschutz ist vom Volumen her momentan größer als die Serie Bonus & Sicherheit, weil hier einige Produkte sehr attraktiv ausgestaltet waren. Es hat Produkte mit 120 Prozent Kapitalschutz und einer Performancekomponente gegeben, so viel ist jetzt im aktuellen Zinsumfeld nicht mehr möglich. Es gibt aber immer noch attraktive Investitionsmöglichkeiten: Aktuell haben wir ein Zertifikat mit 106 Prozent Kapitalschutz und Chance auf mehr. Bonus & Sicherheit läuft auch gut mit kontinuierlich an die 5 Prozent Performance pro Jahr seit 2010. Hier denken wir über attraktivere Sparpläne nach. In manchen Bundesländern und auch in osteuropäischen Ländern sind momentan Expresszertifikate sehr interessant, ein Trend aus Deutschland. Diese sind vom Risiko ein wenig höher, haben dadurch aber andere Renditen und bieten einen Teilschutz. Als Basiswerte gibt es immer wieder Themen wie Bitcoin oder die Big Seven im Technologiebereich, die von den Kunden gewünscht werden. 

Das waren auch die Inflationsschutz-Zertifikate?
Arbter: Inflationsschutz ist immer noch ein Renner, weil selbst wenn die Inflation runterkommt auf 2 oder 2,5 Prozent, ist die Teuerung bei den Menschen noch immer ein Thema und damit ein wichtiger Ansprechpunkt im Kundengespräch. 

Das Zertifikate Forum Austria feiert heuer 20-jähriges Bestehen und Sie sind seit der Stunde Null dabei. Zertifikate haben an Bekanntheit deutlich zugelegt. Wie haben sich die Aufgaben des Forums verändert?
Arbter: In den 20 Jahren ist viel passiert: Produktklassifikation, ein Nachhaltigkeitskodex, monatliche Marktstatistiken und nun seit Jahresbeginn der Risikoindikator. Dieser SRI kommt sehr bescheiden daher, ist aber eine große Sache, weil ich jetzt sehe, dass ich eine Performance zwischen fünf und zehn Prozent mit geschützten Instrumenten erzielen kann. Das Forum – mit allen relevanten Marktteilnehmern – ist zudem gegenüber der Aufsicht tätig und in regulatorischen Themen auch auf europäischer Ebene involviert. Wir sind bei der Kapitalmarktunion aktiv, wo es darum geht, mehr Privatanleger an die Kapitalmärkte zu bringen. Es ist viel passiert, aber es gibt weiterhin Herausforderungen, denen man sich stellen muss, dementsprechend wird es das ZFA weitere 20 Jahre geben. 

AusgabeRZ10-2026

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