Herr Dr. Hofer, wenn Sie die Invest AG in aller Kürze beschreiben müssten, wie würden Sie das tun?
Dr. Hofer: Seit mehr als dreißig Jahren begleiten wir Mittelstand und Industrie bei Wachstum und Sondersituationen. Das können Nachfolge- oder Expansionssituationen aber auch Transformations- und Umbruchphasen sein. Kurz gesagt: Die Invest AG ist immer dann gefragt, wenn es einen unternehmerisch ganzheitlich denkenden Eigenkapitalpartner braucht, der die Kapitalstruktur stabilisiert und ergänzt.
Können Sie uns einen kurzen historischen Abriss der Invest AG geben?
Dr. Hofer: Die Invest AG wurde 1994 von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich initiiert und seither strategisch als Lead Investor begleitet. Raiffeisen schafft es im Verbund, die gesamte Passivseite gemeinsam mit den Unternehmern zu gestalten – ein nicht wegzudenkender Wettbewerbsvorteil.
Seit unserer Gründung hat sich unser Geschäftsmodell stark entwickelt. Nicht nur unser Fondsvolumen hat sich erweitert, sondern auch unser Investorenkreis, welcher unser Wachstum ermöglicht und Netzwerk erweitert. Mittlerweile sind zu der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und zu den lokalen Raiffeisenbanken Oberösterreichs auch die Raiffeisenlandesbank Steiermark und der Raiffeisenverband Salzburg als Investoren hinzugetreten – damit ermöglichen wir eine umfangreiche Sektorlösung für ganz Österreich.
Insbesondere seit 2020 haben wir einen starken Wachstumspfad verfolgt – das werden wir auch weiterhin. Durch die Eröffnung unserer Standorte in München und Wien haben wir uns über Österreichs Grenzen hinaus ein bekannter Private Equity Fonds etabliert. Mit der Konzessionierung der Finanzmarktaufsicht, die wir 2025 erhalten haben, erfüllen wir auch aufsichtsrechtlich die höchstmöglichen Standards. Unterstützt durch unsere Investoren werden wir diesen Wachstumspfad weiterverfolgen und unsere Stellung als Marktführer weiter ausbauen.
Sie haben eine starke Kapitalgeberbasis mit dem Raiffeisensektor. Was ist das Besondere an Ihrer eigenen Kapitalgeberstruktur?
Dr. Hofer: Der Raiffeisensektor gibt uns als Equity Fonds die Möglichkeit ökonomisch nachhaltig und mit unternehmerischem Weitblick zu agieren. Im Vergleich zu beinahe allen anderen Private Equity Fonds am Markt können wir durch unser ‚Evergreen Konzept‘ (das bedeutet, dass wir keine begrenzte Fondslaufzeiten haben), Unternehmen für längere Zeitperioden begleiten. Marktteilnehmer fokussieren sich meist auf einen Zeitraum von 4-5 Jahren, wir sehen in unserem Portfolio aber eine durchschnittliche Behaltedauer von 7 Jahren oder bei Bedarf darüber hinaus– unsere Erfahrung hat gezeigt, dass gerade diese 2-3 Jahre notwendig und entscheidend sind, um Kapitalstrukturen sinnvoll und nachhaltig strukturieren zu können. Auch die Fokussierung auf Minderheitsbeteiligungen stellen einen starken USP unserer Tätigkeit dar. Raiffeisen schafft Vertrauen am Kapitalmarkt, davon profitieren wir und dazu möchten auch wir etwas beitragen,
Im Zuge Ihres Investorentages haben Sie auch über die Kernidee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gesprochen. Warum sind Sie der Überzeugung, dass diese Kernidee auch für Sie als Private Equity Fonds interessant und vor allem relevant ist?
Dr. Hofer: Raiffeisen war ohne Frage ein Visionär, der erkannt hat, dass die alleinige Bewältigung von Aufgaben schwieriger ist, als gemeinsam an einem Problem zu arbeiten. Kurz gesagt: „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“ – dieses Kernkonzept versuchen wir auch in unserem Portfolio zu leben. Einmal im Quartal vernetzen wir unsere Beteiligungsunternehmen miteinander und setzen inhaltliche Schwerpunkte zu aktuellen Themen – damit wollen wir sensibilisieren und unterstützen. Diese Kernidee ermöglicht es, strukturell größere Projekte gemeinsam im Portfolio umzusetzen. Immer wieder sehen wir, dass genau dadurch neue Ideen entstehen, von denen alle profitieren – Unternehmen, Mitarbeiter und Standort.
Mit einem Blick in das Invest AG Portfolio. Wo sehen Sie aktuelle Herausforderungen und wie kann man diesen begegnen?
Dr. Hofer: Unser Portfolio ist ein guter Querschnitt der Unternehmenslandschaft. Auch wir haben einen starken Produktions- und Dienstleistungsschwerpunkt, der auf etablierten Geschäftsmodellen aufbaut – damit verbunden sind die Herausforderungen des Mittelstands auch gleichzeitig unsere Herausforderungen.
Viel wichtiger ist aber zu erwähnen, dass wir viele Unternehmen sehen, die aus den aktuellen Herausforderungen neue Ideen und Innovationen ableiten – diese stärken mittel- und langfristig den Standort. Auch hier ist es wichtig nicht in kurzen Perioden zu denken, sondern langfristig Ideen in Geschäftsmodellen zu verankern – das ermöglicht Wettbewerbsvorteile. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir für diesen Innovationsgeist eine fundiere makroökonomische Basis haben: ein im internationalen Vergleich hohes durchschnittliches Ausbildungsniveau – im akademischen als auch handwerklichen Bereich – sowie eine selbstbewusste Unternehmerschaft mit hoher Resilienz.
Wenn Sie zum Abschluss in die mittel- und langfristige Zukunft blicken, wie würden Sie diese mit einem kurzen Satz oder Wort beschreiben
Dr. Hofer: Die Zukunft lässt sich für mich mit einem Zitat beschreiben, das dem ehemaligen US-Präsidenten Abraham Lincoln zugeschrieben wird: „Die beste Möglichkeit die Zukunft vorherzusagen ist sie zu gestalten.“








