Die EU treibt die Einführung des digitalen Euro weiter voran. Das Europäische Parlament hat diese Woche grünes Licht für die Aufnahme von sogenannten Trilogverhandlungen mit den anderen EU-Institutionen – dem Rat der Europäischen Union und der Europäischen Kommission – über den digitalen Euro gegeben. Sollten die EU-Institutionen noch heuer die Verordnung annehmen, dann könnte bereits 2027 ein Pilotprojekt gestartet werden. Aus Österreich ist die Raiffeisen Bank International (RBI) unter jenen Zahlungsanbietern, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Teilnahme am Testpiloten eingeladen wurden.
Das Pilotprojekt wird bei der EZB und insgesamt 19 nationalen Zentralbanken des Eurosystems zur Erprobung von Funktionen des digitalen Euro laufen. Es soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten und zwölf Monate dauern. Im Rahmen des Pilotprojekts wird eine Beta-Version der digitalen Währung verwendet. Diese wird einem digitalen Euro technisch weitgehend entsprechen, jedoch keinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel besitzen.
„Unsere grundsätzlich skeptische Haltung zur Frage, ob ein digitaler Euro aus Sicht der europäischen Souveränität tatsächlich erforderlich ist, hat sich nicht verändert. Gleichzeitig erkennen wir an, dass der digitale Euro entwickelt und eingeführt wird“, betonte die RBI in einer Stellungnahme. „Unser Ziel ist es, den digitalen Euro in bestehende Zahlungsangebote zu integrieren, anstatt parallele Systeme zu schaffen“, so die Bank weiter.
Ziel: geringere Abhängigkeit
Der digitale Euro soll das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen und Europa vor allem von US-Zahlungsdienstleistern unabhängiger machen. Derzeit dominieren Anbieter wie Mastercard oder Visa den EU-Markt. In Europa werden zwei Drittel aller Kartentransaktionen durch diese zwei Unternehmen abgewickelt, erklärte OeNB-Direktor Josef Meichenitsch im Vorfeld der Abstimmung. In Österreich sei die Abhängigkeit mit neun von zehn Transaktionen noch stärker. „Wenn die beiden ihre Dienste einstellen würden, dann hätten wir sowohl in Österreich als auch in Europa ein großes Problem“, so Meichenitsch.
Das Bezahlen mit der digitalen Währung soll künftig online und offline möglich werden. Die EZB hat sich selbst zum Ziel gesetzt, für eine potenzielle Erstausgabe des digitalen Euro im Jahr 2029 bereit zu sein. Dieser soll überall in der Eurozone als Zahlungsmittel akzeptiert werden. In Österreich laufen bereits intensive Vorbereitungen. Die OeNB will diverse Banken und Unternehmen in den Testlauf einbinden. Vor allem im Handel, bei Touristikern oder im Mobilitätssektor sei man aktiv, zumal hier besonders starker Kundenkontakt bestehe, erklärte Petia Niederländer von der OeNB.
Unklar ist derzeit noch, wie hoch das sogenannte „Holding Limit“, also der Höchstbetrag, den eine Person in digitalen Euro halten kann, ausfallen wird. Ein solches sei wichtig, um zu verhindern, dass in Krisenfällen zu viel Geld von den Geschäftsbanken abgezogen und in den digitalen Euro gesteckt wird, was die Finanzstabilität gefährden würde, so Meichenitsch. Kolportiert wurden zuletzt einige Tausend Euro. Der konkrete Betrag soll in den Trilogverhandlungen festgelegt werden. Die Kosten für die Entwicklung und für die Einführung der digitalen Währung schätzt die EZB bis 2029 auf rund 1,3 Mrd. Euro. apa/lov








