Österreichs Vermögen wächst

Das Finanzvermögen der österreichischen Haushalte hat erstmals die Billionengrenze überschritten. Gleichzeitig verändert sich das Spar- und Anlageverhalten.

Die österreichischen Haushalte sind so vermögend wie nie zuvor. Erstmals hat ihr Finanzvermögen die Marke von einer Billion Euro überschritten. Wie aktuelle Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigen, belief es sich im zweiten Quartal 2026 auf 1.011 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist das Finanzvermögen um 60 Prozent gestiegen. Da die Inflation im selben Zeitraum rund 35 Prozent betrug, haben die Haushalte insgesamt auch real an Vermögen gewonnen. Dabei gewinnen Wertpapiere zunehmend an Bedeutung: Ihr Anteil am Finanzvermögen ist innerhalb von zehn Jahren von 17 auf 24 Prozent gestiegen. Klassische Bankeinlagen bilden mit 34 Prozent weiterhin die größte Vermögenskategorie. Auf Beteiligungen entfallen ebenfalls 24 Prozent.

Sparquote sinkt

Die österreichischen Haushalte verfügten 2025 über ein netto verfügbares Einkommen von rund 294 Milliarden Euro. Davon flossen gut 90 Prozent in den Konsum, 9,7 Prozent wurden gespart. Im Vorjahr lag die Sparquote noch bei 11,5 Prozent, für 2026 wird ein weiterer Rückgang auf 8,4 Prozent erwartet. Dazu trägt laut OeNB insbesondere der wieder anziehende private Konsum bei.

Von den 2025 verfügbaren Mitteln in Höhe von 35,1 Milliarden Euro flossen 81 Prozent in Finanzprodukte und 19 Prozent in realwirtschaftliche Investitionen, etwa den Erwerb von Immobilien. Der vergleichsweise geringe Anteil solcher Investitionen hängt laut OeNB mit der Wohnstruktur zusammen: Österreich zählt zu den Ländern mit einem besonders hohen Mieteranteil. Das trägt auch dazu bei, dass die Verschuldung der Haushalte vergleichsweise niedrig ausfällt.

Wertpapiere im Aufwind

Besonders dynamisch haben sich die Wertpapierbestände der österreichischen Haushalte entwickelt. Innerhalb von zehn Jahren haben sie sich von 112 auf 242 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Verantwortlich dafür waren laut OeNB sowohl hohe Nettozukäufe als auch Kursgewinne. Den größten Anteil machen Investmentfonds mit 132 Milliarden Euro aus, gefolgt von börsenotierten Aktien (63 Mrd. Euro) und verzinslichen Wertpapieren (47 Mrd. Euro).

Allerdings ist das Finanzvermögen sehr ungleich verteilt. Laut einer Verteilungsstatistik der Europäischen Zentralbank (EZB), die rund 80 Prozent des gesamten Finanzvermögens erfasst, entfallen etwa 70 Prozent auf das reichste Zehntel der Haushalte. Bei Wertpapieren ist die Konzentration noch ausgeprägter: 87 Prozent der Wertpapierbestände werden vom reichsten Zehntel gehalten. Die untere Hälfte der Haushalte verfügt hingegen überwiegend über Bankeinlagen.

Finanzwissen mit Lücken

Wie stark das Einkommen und die Finanzkompetenz das Anlageverhalten beeinflussen, zeigt eine aktuelle Erhebung der OeNB im Rahmen einer internationalen OECD-Studie. Demnach haben 57 Prozent der Personen mit hohem Einkommen und hoher Finanzkompetenz im vergangenen Jahr in Wertpapiere investiert. Bei Personen mit niedrigem Einkommen und geringer Finanzkompetenz waren es hingegen nur 14 Prozent. Eine hohe Finanzkompetenz könne ein geringes Einkommen jedoch nicht ausgleichen, betonte OeNB-Direktor Josef Meichenitsch bei der Präsentation.

Insgesamt erreichen die Österreicher bei der Finanzkompetenz 69 von 100 möglichen Punkten. Während der alltägliche Umgang mit Geld vergleichsweise gut funktioniert, bestehen bei komplexeren Finanzthemen weiterhin Wissenslücken. So wussten fast 30 Prozent der befragten Wertpapieranleger nicht, dass sie mit dem Kauf einer Anleihe zum Kreditgeber werden. Besonders bei Menschen mit geringem Einkommen oder niedrigem Bildungsabschluss, jüngeren Personen und Singlehaushalten sieht die OeNB weiteren Bedarf an Finanzbildung.

AusgabeRZ44-2026

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