Die Österreicher setzen bei der Veranlagung immer mehr auf Fonds. In den ersten drei Quartalen 2026 kletterte das Marktvolumen der österreichischen Kapitalanlagegesellschaften um 14,4 Mrd. auf 250,9 Mrd. Euro, zeigen die Zahlen der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG). Wohin die Trends in diesem Jahr gehen, wurde beim diesjährigen FondsSparForum der Raiffeisen Capital Management mit über 110 Fondssparcoaches aus ganz Österreich genauer unter die Lupe genommen.
Trotz der zahlreichen Unsicherheiten in der Geopolitik und der Wirtschaftsentwicklung entwickelt sich der Kapitalmarkt erstaunlich robust. „Wir haben ein sensationelles Aktienjahr“, strich Günther Schmitt, Fondsmanager und Leiter Aktien entwickelte Märkte bei der Raiffeisen KAG, hervor. Die am besten performenden Bereiche waren in den ersten neun Monaten Energie (+39 Prozent) und IT (+29 Prozent). Mit einem Respektabstand folgten Rohstoffe (+12 Prozent) und Industrie (+9,5 Prozent).
Von dieser starken Entwicklung konnten vor allem Anleger in globale Themenfonds mit Nachhaltigkeitskriterien (ESG) der Raiffeisen KAG profitieren. Die Performance des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien legte seit Jahresbeginn bis zuletzt um knapp 15 Prozent zu. „Was besonders gut funktioniert, ist das Thema Künstliche Intelligenz, das mit gut 25 Prozent in dem Fonds gewichtet ist“, erklärte Schmitt. Aber auch andere Tech-Themen wie Cybersecurity, technologischer Wandel und Elektrifizierung zeigten eine starke Dynamik nach oben. Dabei treiben disruptive Technologien wie eben KI, Cloud-Computing und Automatisierung Innovationen immer schneller voran. „In den letzten zehn Jahren war es immer gut, wenn man Tech-übergewichtet gewesen war – und das wird auch in den nächsten Jahren der Fall sein“, ist der Fondsmanager überzeugt.
Die Befürchtungen, dass sich angesichts der Milliarden-Investments eine KI-Blase gebildet hätte, sieht Schmitt nicht. Im Gegensatz zur Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende, als es zu maßlosen Überbewertungen im Zuge des Hypes um das Internet gekommen war und viele Unternehmen nie Gewinne geschrieben hatten, sei der KI-Boom mit Investitionen und profitablen Unternehmen verbunden. Dass massive Überkapazitäten entstehen könnten, hält Schmitt in der aktuellen Entwicklung für wenig wahrscheinlich.
„Das Wachstum ist so groß, dass es danach aussieht, dass all diese Kapazitäten gebraucht werden“, sagt der Fondsmanager. Außerdem gebe es einen gewissen Gegenwind, etwa wegen des hohen Energieverbrauchs von Rechenzentren. Viele Projekte würden aufgrund von Bürgerprotesten und negativen Ergebnissen von Umweltverträglichkeitsprüfung gar nicht mehr genehmigt. „Ich glaube, dass es am Ende des Tages gar nicht zu viele, sondern eher zu wenige Rechenzentren geben wird. Vor allem in Europa ist der Ausbau mittlerweile sehr, sehr schwierig“, konstatierte der Raiffeisen-Experte.
Infrastruktur beliebt
Eine hohe Nachfrage sieht man seit gut zwei Jahren auch bei Infrastruktur-Investments. Dies zeigt sich am wachsenden Volumen beim Raiffeisen-Infrastructure-Fonds, das mittlerweile auf rund 450 Mio. Euro angewachsen ist. Vor zwei Jahren lag dieses noch bei 150 Mio. Euro. „Der Fokus richtet sich dabei auf Unternehmen, die von Infrastrukturinvestitionen profitieren“, erläuterte Schmitt. Das Besondere sei eine 20- bis 25-prozentige Beimischung von Emerging-Markets-Werten und der Fokus auf Unternehmen mit einer mittleren Marktkapitalisierung („Mid Caps“). Bei unterschiedlicher Laufzeiten-Betrachtung – von einem bis fünf Jahren – liege man mit dem Fonds unter den 25 Prozent der globalen Infrastrukturfonds, freut sich Schmitt.
Bei Infrastruktur, aber auch bei dem immer wichtigeren Thema Resilienz sieht der Raiffeisen-Experte noch einiges Aufwärtspotenzial, denn die groß angekündigten Programme in Europa von einigen hunderten Milliarden seien noch nicht wirklich im Markt. Den Unternehmen zufolge tröpfeln die Infrastrukturaufträge langsam ein, schilderte Schmitt und ergänzte: „Ich schätze, dass maximal 20 Prozent der angekündigten Ausgaben auch wirklich angekommen sind.“ Außerdem sei der Nachholbedarf auch in den Emerging Markets hoch. Wenig getan habe sich bis dato auch beim Thema Resilienz.
Comeback der Erneuerbaren
Den Bereich Erneuerbare Energie beleuchtete Raiffeisen-KAG-Energieexperte Hannes Loacker, der nach dem Ausbruch des Irankrieges wieder zurück im Rampenlicht sei. Denn: „Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist für alle spürbar“, so Loacker. 97 Prozent des Öls und 90 Prozent des Gases müsse man importieren. Die EU-Abhängigkeit von Energieimporten über alle Energiequellen hinweg liegt bei 63 Prozent. In den vergangenen Jahren habe es eine Korrektur bei den Erneuerbaren-Energie-Aktien gegeben, seit April 2025 könne man aber eine Erholung beobachten. Damit seien die Bewertungen in diesem Bereich wieder relativ attraktiv. Heuer dürften die globalen Investitionen in den Energiesektor um 5 Prozent auf 3,4 Billionen US-Dollar steigen, wobei China mit rund 945 Mrd. US-Dollar das Feld vor den USA (610 Mrd. US-Dollar) und der EU (440 Mrd. US-Dollar) anführen sollte. Dabei gewinnt die Elektrifizierung an Gewicht, denn fast 60 Prozent davon entfallen auf strombezogene Ausgaben. Das künftige Wachstum wird vor allem von KI und Rechenzentren angetrieben, so Loacker.








