Ein Jubiläum, das Raum für Reflexion bot: Hermann Kuenz berichtete von seinem Besuch in Mühldorf in der Wachau, wo vor 140 Jahren die erste Filiale der heutigen Raiffeisenkasse gegründet wurde. „Zu damaligen Zeiten herrschten Armut und soziale Ungerechtigkeit, heute gibt es breiten Wohlstand in Österreich. Braucht es da den genossenschaftlichen Ansatz noch?“, fragte der Obmann des Raiffeisenverbandes Tirol bei der Eröffnung des alljährlichen Verbandstags in Innsbruck in die Runde. Seine Einschätzung dazu war eindeutig: „Die täglichen Berichte von Krieg, globalen Machtverschiebungen und das schwindende Vertrauen in staatliche Organisationen – all das bestätigt mir, dass der Raiffeisen-Ansatz topaktuell ist. Die Menschen brauchen einen Anker.“
Der Obmann zeigte sich mit der Entwicklung des Verbands im Jahr 2025 zufrieden. Ein bedeutender Punkt sei die Kooperation mit Vorarlberg gewesen. Man habe die Kollegen aus dem Nachbarbundesland im Revisionsbereich unterstützt. Die Intensivierung dieser Zusammenarbeit und eine Verschmelzung der Revisionsverbände seien jedoch nicht erfolgreich gewesen. „Wir bedauern sehr, dass es nicht zu Verhandlungen gekommen ist. Auch unter dem Aspekt einer sinnvollen und ausgewogenen Struktur der Revisionsverbände.“
Besser als der Branchendurchschnitt
Die regionale Bedeutung von Raiffeisen Tirol unterstreichen die Zahlen aus dem aktuellen Wertschöpfungsbericht der Gruppe. „Die gesamte wirtschaftliche Leistung der Raiffeisen-Gruppe Tirol beläuft sich auf rund 721 Millionen Euro. Damit ist etwa jeder 60. Euro, der in Tirol erwirtschaftet wird, direkt oder indirekt auf die Tätigkeit der Gruppe zurückzuführen“, berichtete Verbandsdirektor Edwin Grubert.
Im vergangenen Jahr ist der Verband gewachsen, die Anzahl der Mitglieder hat sich von 218 auf 235 erhöht. Darunter sind 39 Raiffeisenbanken, die Raiffeisenlandesbank und 195 weitere Unternehmen. „Die Raiffeisenbanken haben gute Erträge erwirtschaftet und sind ein stabiler Pfeiler in Tirol“, sagte Grubert. Die Bilanzsumme der Geldgenossenschaften ist um 3,4 Prozent auf 16,7 Mrd. Euro gestiegen, die Einlagen um 4,9 Prozent auf 12,9 Mrd. Euro und die Ausleihungen um 2,3 Prozent auf 11,9 Mrd. Euro. Die Eigenmittelquote erhöhte sich von 21,3 auf 21,4 Prozent. „Bei den Einlagen und Ausleihungen sind unsere Mitgliedsunternehmen besser als der Branchendurchschnitt. Die Einlagen sind um das Doppelte als die Ausleihen gestiegen, das hängt mit der wirtschaftlichen Unsicherheit zusammen“, erklärte Grubert.
Die sechs Milchgenossenschaften erwirtschafteten einen Umsatz von 51 Millionen Euro, die verarbeitete Milchmenge lag bei 22 Millionen Kilogramm. Seit Dezember 2025 kämpfe man aber mit rückläufigen Milchpreisen und einer schwierigen Absatzsituation. „Die Märkte sind voll mit Milchprodukten.“
Die 58 Energiegenossenschaften – inklusive Hackschnitzel- und Energiegemeinschaften – erwirtschafteten einen Umsatz von 28,1 Mio. Euro, im Vorjahr waren es 31,8 Mio. Euro. Tirols Warengenossenschaften, darunter neun selbstständige Lagerhäuser, zwei warenführende Raiffeisenbanken, ein Lagerhaus-Konzern und zwei GmbH-Töchter von Genossenschaften, haben ebenfalls einen Umsatzrückgang von zehn Mio. Euro auf 138 Mio. Euro zu verzeichnen. „Die Situation mit der Warenhandelsgesellschaft ist nicht einfach“, sagte Grubert. Die Produktions- und Dienstleistungsgenossenschaften sind 2025 um drei Mitglieder auf 48 angewachsen. Einige hatten aufgrund des wirtschaftlichen Umfelds mit Problemen zu kämpfen, seien aber wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt.
Kommunikation stärken
Der Verband schließt das Jahr mit gutem Ergebnis ab. „Wir weisen einen Betriebserfolg von rund 125.000 Euro aus“, sagte Verbandsdirektor Alexander Büchel. Rechnet man den Finanzerfolg hinzu, liegt das Ergebnis vor Steuern bei etwa 506.000 Euro. Unterm Strich bleibt 2025 ein Jahresgewinn von rund 411.000 Euro, 2024 waren es knapp 385.000 Euro. „Der Jahresgewinn ist erfreulich, die finanzielle Stabilität hat sich weiter verbessert und wir haben Vorsorge getroffen für weitere Investitionen“, fasste Büchel zusammen. Auch das Eigenkapital konnte von 3,1 auf 3,5 Mio. Euro gesteigert werden. „Im Vergleich zu anderen Revisionsverbänden in Österreich ist das allerdings noch unterdurchschnittlich“, sagte Büchel. Man wolle das Eigenkapital künftig erhöhen. Auch die Prognose für das laufende Jahr zeige einen stabilen Jahresüberschuss.
Der Verbandsdirektor betonte, dass das Ziel des Verbandes sei, sich als leistungsstarker Dienstleister weiterzuentwickeln. „Wir arbeiten an einer kontinuierlichen Verbesserung der Ablauforganisation, um die Qualität der Dienstleistungen weiter zu erhöhen“, so Büchel. Zudem möchte der Verband sowohl die interne Kommunikation innerhalb der Organisation als auch die externe Kommunikation stärken, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.
Einen weiteren Programmpunkt bildete die Verabschiedung von Doris Haidlen-Birnbaumer in ihrer Funktion als Tiroler Vertreterin im Funktionärinnen-Beirat des Österreichischen Raiffeisenverbandes. Von 2020 bis 2026 war sie Mitglied im Beirat, von 2023 bis 2025 stellvertretende Vorsitzende. Haidlen-Birnbaumer habe sich sehr dafür eingesetzt, dass Funktionärsgremien ausgewogener besetzt werden.

Innovation als bewusste Entscheidung
Wie man Weiterentwicklungen und Innovationen im Unternehmen fördert, skizzierte zum Abschluss Gastredner Hans Lercher, Leiter des Departments für Innovationsmanagement am FH Campus 02 in Graz. „Innovation ist eine bewusste Entscheidung und kein Zufall“, so Lercher. Es sei ein systematischer Prozess zur Zukunftssicherung und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. „Der Innovationserfolg hängt von den Führungskräften ab.“ Lercher gab den Anwesenden einen Ratschlag mit auf den Weg: „Arbeitet mit Leuten, die unterschiedlich sind.“ Vielfalt im Team fördere neue Ideen und Lösungen.








