Treffpunkt:Amalie: „Man sollte die Chancen nutzen“

Der „Treffpunkt:Amalie“ gibt Mutmacherinnen eine Bühne. Beim 7. Netzwerktreffen erzählte ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober über ihre bewegte Karriere.

Das Interesse am 7. Treffpunkt:Amalie war besonders groß: 300 Funktionärinnen, Mitarbeiterinnen und Führungskräfte von Raiffeisen Salzburg sind zu Biogena nach Koppl gekommen, um ungezwungen miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Treffpunkt:Amalie wurde vor vier Jahren mit zwei wesentlichen Zielrichtungen gegründet, wie Anna Doblhofer-Bachleitner, Initiatorin und Mitglied der Geschäftsleitung im Raiff­eisenverband Salzburg (RVS), erklärt: „Mutmachen und Sichtbarmachen. Wir wollen zeigen, wie viele tolle Frauen es bei Raiffeisen Salzburg gibt und anderen Frauen den Mut geben, eine neue Funktion oder Herausforderung anzunehmen.“ 

Dass dieses Konzept wirkt, zeigen die Zahlen. So hat sich die Anzahl der Abteilungsleiterinnen im Raiffeisenverband Salzburg von zwei auf bald sechs erhöht. Zwei Geschäftsleiterinnen stehen bei Salzburger Raiffeisenbanken in den Startlöchern. Und auch auf Funktionärsebene hat sich der Frauenanteil deutlich erhöht – auch mithilfe des Funktionärinnen-Beirats des Österreichischen Raiffeisenverbandes. „2014 haben wir 8 Prozent Funktionärinnen gehabt. Mit den heurigen Wahlen wollen wir das Ziel von 25 Prozent erreichen. Wir sind auf einem guten Weg und das ist auch gut so“, freut sich Doblhofer-Bachleitner und erklärt: „Die Frauenquote auszudehnen ist kein Selbstzweck, sondern die Führungsstruktur sollte unserer Mitarbeiterschaft und auch der Bevölkerung entsprechen und das sind nun mal 50 Prozent.“ Es gehe dabei nicht nur um ein größeres Verständnis für die Bedürfnisse von Kundinnen, sondern erwiesenermaßen sind diverse Teams erfolgreicher und resilienter, erinnert Doblhofer-Bachleitner, die sich schon auf den Raiffeisen-Bundeskongress Diversität freut, der dieses Jahr in Salzburg veranstaltet wird. 

Blick ins Publikum bei der Podiumsdiskussion in der Biogena Good Health World
„Treffpunkt:Amalie“ stößt auf großes Interesse, so kamen in die Biogena Good Health World 300 Raiffeisen-Frauen, das bedeutet 100 Neuzugänge. © RVS/Waltraud Dorn

Starke Vorbilder

Das Sichtbarmachen starker Frauen funktioniert beim Treffpunkt:Amalie traditionell bei einem Live-Talk, bei dem diesmal vier Karrierewege aufgezeigt und Ratschläge gegeben wurden. Petra Buchegger, seit 2023 Leiterin des RVS Servicecenter Kunde & Konto, startete ihre Karriere bei Raiffeisen bereits in der 9. Schulstufe mit einem Praktikum und hat anschließend eine Lehrstelle bekommen. Zu ihrem Aufstieg meint Buchegger: „Ich hatte das Glück, jemanden zu haben, der einem etwas zutraut und auch den Rücken stärkt. Weil wir Frauen haben einfach immer das Problem, dass wir uns selber viel zu wenig zutrauen.“ Ihr Tipp an junge Kolleginnen: „Bringt euch ein und hinterfragt Bestehendes. Wir brauchen eure frischen Ideen.“ 

Seit mittlerweile 14 Jahren bringt Margareta Weiglmeier-Frauenschuh ihre Ideen als Funktionärin bei der Raiffeisenbank Wallersee ein, damals wurde sie bei einem Banktermin vom Direktor gefragt, ob sie Eigentümervertreterin werden möchte. Nach kurzer Bedenkzeit hat sie zugesagt und später für ihre Funktion als Aufsichtsrätin im RVS die Ausbildung zum „Certified Supervisory Expert“ gemacht. Ihr Appell, um mehr Funktionärinnen zu gewinnen: „Man darf nicht davon ausgehen, dass Frauen keine Zeit dafür haben, sondern man muss sie einfach fragen.“ Gerne zitiert Weiglmeier-Frauenschuh auch aus dem Buch „Was Männer nie gefragt werden“ von Fränzi Kühne, die 2017 als jüngste Aufsichtsrätin in ein börsenotiertes Unternehmen in Deutschland gewählt wurde, in dem es darum geht, typische Frauenfragen an männliche Jobanwärter zu richten. Etwa: Wie lässt sich die Funktion mit Ihrer Familie vereinbaren?  

Daniela Maier leitet seit drei Jahren das Service-Team in der Raiffeisenbank St. Johann-Wagrain-Kleinarl und rät anderen Frauen, Chancen zu erkennen und zu ergreifen: „Raus aus der Komfortzone und nicht immer hadern. Es kann überhaupt nichts passieren, außer dass man sich vielleicht weiterentwickelt und dazulernt.“ 

Vom Schalter zur Präsidentin

Mut und Sichtbarkeit sind auch für Roswitha Stadlober entscheidend. Die ÖSV-Präsidentin hat ihre Karriere am Schalter der Raiffeisenbank in Radstadt begonnen, später acht Weltcupsiege und eine WM-Silbermedaille im Slalom gewonnen, war 1986 Sportlerin des Jahres, später österreichische Politikerin und wurde 2021 zur Präsidentin des Österreichischen Skiverbandes ernannt. Stadlober sagt zu ihrer steilen und vielfältigen Laufbahn: „Alle Weggabelungen sind passiert. Ich habe eigentlich nie wirklich geplant, aber ich war immer offen für Neues. Wenn sich Chancen ergeben haben, habe ich mich bewusst zu Wort gemeldet. Auch mit der Überlegung: Wenn ich es nicht mache, dann macht es jemand anderer.“ Als Quereinsteigerin war sie schließlich auch fünf Jahre in der Politik, ehe sie sich wieder zurückgezogen hat: „Sport ist positiv besetzt, Politik negativ. Aber das Schöne aus dieser Zeit: Ich habe Netzwerken gelernt.“ Danach hat Stadlober einen Hilfsverein für Leistungssportler gegründet und wurde nach 116 Jahren als erste Frau an die Spitze des ÖSV gewählt. „Man muss auch bereit sein, ein Amt zu übernehmen. Irgendwas ist immer, aber man sollte die Chancen nutzen. Es braucht auch Motivation und Leidenschaft. Nur was man gern macht, macht man auch gut.“  

Gut und gerne arbeiten auch die 500 Mitarbeiter bei der Firma Biogena, die bereits 300 Nahrungsergänzungsmittel in ihrem Sortiment hat. „Wir sehen uns nicht als Kapsel-Company, sondern als Gesundheitsunternehmen mit einem ganzheitlichen Ansatz“, ­erklärt Biogena-Geschäftsführer Stefan Klinglmair. Der ganzheitliche Gesundheitsansatz beginnt bei den Mitarbeitern, denen man viele Benefits – vom gesunden Gratisessen bis zum Elektrofahrzeug – anbietet. „Genau wie bei Raiffeisen steht auch bei uns der Mensch im Mittelpunkt“, so Klinglmair. Und weil dem so ist, blieb nach einer Werksführung noch genügend Zeit, sich mit anderen Frauen auszutauschen und zu vernetzen. 

AusgabeRZ14-2025

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