Heumilch ist die ursprünglichste Form der Milcherzeugung“, ist Karl Neuhofer, Obmann der ARGE Heumilch, überzeugt. Seit 2016 sind die Standards der Interessensvertretung auch in Brüssel von der EU anerkannt. Ein eigenes Gütesiegel Heumilch g.t.S. („garantiert traditionelle Spezialität“) steht für strenge Produktionsanforderungen, die in Österreich rund 6.500 Betriebe erfüllen. Diese stehen für eine artgemäße, silofreie Fütterung (Gras, Kräuter, Heu), den ganzjährigen Verzicht auf vergorene Futtermittel (Silage) und Gentechnik sowie Weidehaltung im Sommer und geregelte Auslauftage. Im Winter bildet etwa 180 Tage lang getrocknetes Heu die Futterbasis für die Heumilchproduktion.
2024 wurde die traditionelle Heumilchwirtschaft in den Alpen auch von der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) ausgezeichnet – als landwirtschaftliches Kulturerbe von globaler Bedeutung. Besonders hervorgehoben wurde dabei die nachhaltige, auf Gras und Heu basierende Fütterung ohne Silage, die Biodiversität fördert, das Klima schützt und alpine Kulturlandschaften bewahrt.
„Wir produzieren in Regionen, wo andere Urlaub machen“, unterstreicht Neuhofer die Bedeutung der Heumilchwirtschaft auch für die Erhaltung der österreichischen Kulturlandschaft, die stark von den Bewirtschaftungsformen geprägt ist. Eine Tafel auf den Heumilchbetrieben macht diesen wertvollen Beitrag sichtbar.
Dynamische Entwicklung
Seit der Gründung der ARGE Heumilch im Jahr 2004 konnte das Wachstum in der Produktion kontinuierlich gesteigert werden, wie Geschäftsführerin Christiane Mösl berichtete. 2025 wurde ein Umsatzplus von 6 Prozent auf rund 179 Millionen Euro erzielt, was einer Milchmenge von 532 Millionen Kilogramm entspricht. Damit entwickelte sich Heumilch deutlich dynamischer als der Gesamtmarkt, der ein Umsatzplus von 3,6 Prozent verzeichnet. „Der durchschnittliche Heumilchzuschlag betrug rund 4,5 Cent je Kilogramm. Dadurch konnte für unsere Bäuerinnen und Bauern ein Mehrwert von 23 Millionen Euro erwirtschaftet werden“, bilanziert der Obmann.
Investiert wird der Gewinn in die Weiterentwicklung der Betriebe, in Tierwohl und erneuerbare Energielösungen. 60 Prozent der Heumilchbetriebe haben Photovoltaikanlagen, 40 Prozent möchten in den kommenden zehn Jahren in diese investieren. „Ich sehe die Heumilch als Zukunftsmilch“, sagt Neuhofer.

Das wichtigste Produkt der Heumilcherzeugung ist Käse: 85 Prozent der gesamten österreichischen Heumilch wird zu Käse weiterverarbeitet. In Zahlen gemessen konnte der Umsatz von Heumilchkäse 2025 um 11,8 Prozent auf 85 Millionen Euro gesteigert werden. Die sogenannte weiße Palette, zu der unter anderem Joghurt, Topfen, Sauerrahm oder Skyr zählen, wuchs um 2,4 Prozent und die bunte Palette (Kakao, Fruchtjoghurt etc.) um 2,8 Prozent.
Wenn man die gesamte österreichische Milchanlieferung betrachtet, so werden 15 Prozent in Heumilchqualität produziert. „Der Milchmarkt ist sehr different. Wir spielen hier im oberen Qualitätssegment“, sagt Mösl. Der Bio-Anteil stieg 2025 um 2 Prozent und liegt nun bei 40 Prozent. Der Exportanteil der Heumilch lag im vergangenen Jahr bei rund 60 Prozent, wobei Deutschland hier der stärkste Partner ist. Besonders Hartkäse, allen voran Bergkäse, aber auch andere Schnittkäse sind bei unseren Nachbarn beliebt.
Käse in der 3D-Box
Für das aktuelle Jahr hat es sich die ARGE Heumilch einmal mehr zum Ziel gesetzt, das Produkt Heumilch und seine besonderen Qualitätsmerkmale in den Fokus zu rücken – beim Endverbraucher, aber auch gegenüber dem Handel und allen anderen Partnern entlang der Wertschöpfungskette. Den Produktschwerpunkt möchte man dabei auf Käse richten, wie Mösl berichtet – auch in Deutschland. Dafür wird man weiterhin Aufklärungsarbeit leisten, was die Merkmale und Vorteile der Heumilchwirtschaft betrifft.
Denn was viel nicht wissen: Erst die artgemäße Fütterung mit Heu und frischen Gräsern bildet die Grundlage für die Käseproduktion. Aus Silagemilch kann kein Hartkäse erzeugt werden – dieser würde Risse bilden und bitter schmecken.
Breite Werbekampagne
Sowohl in Österreich als auch in Deutschland sind Kampagnen geplant, wo der Slogan „Erst Gräser, Kräuter und Heu sorgen für beste Käsequalität“ immer wieder zu lesen sein wird. In TV, Radio, Kino, auf Plakaten, Infoscreens, auf Social Media sowie in Publikums- und Fachmedien wird für die Heumilch geworben. Auch Influencer-Marketing, womit man die richtige Zielgruppe erreichen kann, ist geplant.
In Deutschland werden außerdem Straßenbahnen mit der Heumilch-Message auf die Schiene geschickt. In Wien begegnet den Besuchern auf der Mariahilfer Straße ein digitaler Käselaib in der 3D-Box und das Wartehaus bei der Oper wird sich auch heuer wieder in einen „Käsekeller“ verwandeln.
Mit dem neuen Genussformat „Käse des Monats“ möchte man zusätzlich auf unterhaltsame Weise informieren (Social Media, Aussendungen, Newsletter, Website), und die neue Genuss-Broschüre „Ruckzuck köstlich“ macht mit Rezepten Lust auf Heumilchkäse & Co.
Zurück zur Heumilch
Trotz der aktuell sehr guten Umsatzzahlen ist die Anzahl der Heumilchbetriebe in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Waren es in den 1970er-Jahren noch 90 Prozent der heimischen Milchbauern, die nach dem Heumilch-Prinzip gewirtschaftet haben, so sind es jetzt nur mehr 15 Prozent. Doch Neuhofer beobachtet auch einen Trend, der wieder zurück zur artgerechten Milchwirtschaft geht: „Jene Betriebe, die wieder zur Heuwirtschaft zurückgegangen sind, sehen sich jetzt als große Gewinner.“
Laut einer großen Umfrage, die 2025 in Zusammenarbeit mit Keyquest Marktforschung unter den Mitgliedsbetrieben gemacht wurde, möchten 95 Prozent auch 2030 noch Heumilch erzeugen. Für 99 Prozent ist eine hohe Grundfutterqualität entscheidend für eine erfolgreiche Produktion. Dafür setzt die ARGE Heumilch eigene Berater ein und arbeitet begleitend mit Wissenschaftlern und Forschung zusammen.
„In der Bretagne und der Normandie stellen große Betriebe wieder auf Heumilchproduktion um.“
Karl Neuhofer
Auch auf europäischer Ebene beobachtet Neuhofer einen leichten Trend seiner Kollegen in diese Richtung: „In der Bretagne und der Normandie stellen große Betriebe wieder auf Heumilchproduktion um.“ Dafür bekommen sie nicht wie unsere Heumilchbauern einen Zuschlag im Bereich der Wertschöpfung – sie entscheiden sich aus Sicht der Tiergesundheit wieder für die Heumilchproduktion. Denn nur gesunde Kühe, die sich wohl fühlen, geben ausreichend Milch, weiß Neuhofer aus eigener Erfahrung.
Das Credo der ARGE Heumilch wurde auch 2024 beim Deutschen Molkereikongress bestätigt. „Dort ist genau unsere Milchproduktion, die grünlandbasierte Milchproduktion, als die Zukunftsmilch weltweit dargestellt worden“, freut sich der Obmann über die internationale Entwicklung. Neuhofer möchte noch mehr Milchbauern für das Heumilchkonzept gewinnen und hält es dabei ganz mit Oscar Wilde: „Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeit sehen, bevor sie offensichtlich ist.“









