Welche Rolle spielt der Tourismus im Land Salzburg? Wo liegen Chancen für Banken bei der Finanzierung österreichischer Hotels? Und was ist ein Matschraum? Antworten auf diese Fragen gab es beim Forum für vermögende Privat- und Firmenkundenberater in Wals-Siezenheim, wo die Partnerschaft mit der Tourismusbranche im Mittelpunkt stand.
„Tourismus ist die Lebensader für Salzburg“, sagte Manfred Quehenberger, Mitglied der Geschäftsleitung des Raiffeisenverbandes Salzburg (RVS). Jeder fünfte Arbeitsplatz – insgesamt rund 60.000 Jobs – steht direkt oder indirekt mit dem Tourismus in Verbindung. Das unterstreiche seine wirtschaftliche Bedeutung. „Wir werden nie ein klassischer Industriestandort werden, dafür fehlt es uns an Fläche“, betonte Quehenberger vor den mehr als 150 Zuhörern. Umso wichtiger sei es, auf jene Stärken zu setzen, die das Land auszeichnen. Dazu gehöre ein qualitativ hochwertiger Ganzjahrestourismus, der Natur-, Kultur- und Freizeiterlebnisse verbinde.
In Salzburg wickelt die Raiffeisen Bankengruppe über 70 Prozent der gesamten Tourismus-Finanzierungen und -Förderungen im Bundesland ab. „Wir sind weit mehr als Anlageexperten. Wir sind Wegbegleiter, Vertrauenspersonen und Sparringspartner“, strich Quehenberger hervor. Die Nähe zum Markt sei ein wesentlicher Vorteil gegenüber Wettbewerbern. „Wir kennen unsere Kunden sehr gut. Das erleichtert viele Entscheidungsprozesse.“
Nachfolge herausfordernd
Raiffeisen sei die Tourismusbank in Salzburg. „Mit dem nun jährlich stattfindenden Tourismusforum haben wir eine Marke gesetzt und wollen für noch mehr Sichtbarkeit sorgen“, erklärte Christoph Leinberger, Leiter der RVS-Firmenkundenabteilung. Besonders in der Gastronomie und Hotellerie bestehen Geschäftsbeziehungen, die über Generationen hinweg gewachsen sind. „Wir begleiten die Betriebe oft seit der Aufbaugeneration“, so Leinberger. Damit das auch so bleibe, müsse man sich auf die junge Generation einstellen. „Sie vergleichen mehr und haben eine höhere Konditionenaffinität“, sagte Leinberger.
Das bestätigte auch RVS-Geschäftsleiter Quehenberger: „Die kommende Generation denkt anders.“ Themen wie Nachhaltigkeit und Nachfolgeregelungen spielen eine immer größere Rolle, die Beratung werde anspruchsvoller. Umso wichtiger sei es, Unternehmen nicht nur finanziell, sondern auch strategisch durch Veränderungen zu begleiten. „Die Themen werden komplexer und die Kunden erwarten einen Mehrwert. Wir können als Universalbank auf unterschiedliche Fachkompetenzen im Haus zurückgreifen und bei Bedarf zusätzliche Expertise einbinden“, unterstrich Quehenberger.
Herausforderung Nachfolge
Das Thema Nachfolge sei für die meisten Familienunternehmen eine große Herausforderung, weiß Anita Zehrer, Leiterin des Zentrums Familienunternehmen am Management Center Innsbruck (MCI). „Jeder fünfte Unternehmer wünscht sich eine familien-interne Lösung für die Übergabe“, so Zehrer. Seit dem Jahr 2006 halten sich familieninterne und -externe Lösungen die Waage. Zehrer betonte, dass der Generationenwechsel für viele Familienbetriebe eine kritische Phase darstellt. Nur ein Teil der Unternehmen schaffe den Übergang erfolgreich über mehrere Generationen hinweg. Die Expertin betonte: „Familien benötigen klare Kommunikationsstrukturen, regelmäßigen Austausch und gegenseitiges Verständnis.“ Die Nachfolge gelinge nicht durch einen einmaligen Übergabeakt, sondern durch einen langfristigen, gut kommunizierten Prozess.
Gastronomie oft nicht mehr zukunftsfähig
Welche Herausforderungen die Branche derzeit besonders beschäftigen, beschrieb Helmut List, Geschäftsführer der Tourismusberatung Kohl&Partner: „Der Tourismus befindet sich im Umbruch, die unternehmerischen Anforderungen steigen rasant.“ Größter Treiber dieser Veränderung sei das Thema Mitarbeiter. „Es gibt zunehmende Produktivitätsveränderungen, was früher zehn Menschen gemacht haben, dafür benötigt man heute deutlich mehr. Lange Schichten oder umsonst im Familienbetrieb aushelfen sind Auslaufmodelle“, sagte List. Besonders betroffen ist davon die Gastronomie, deren Geschäftsmodell in vielen Fällen nicht mehr zukunftsfähig sei. „Deshalb sind alle auf der Suche nach neuen gastronomischen Konzepten“, sagte List und berichtete von einem Hotel aus Südtirol, das mit „Linner statt Halbpension“ das klassische Abendessen durch ein spätes Mittagessen ersetzt, um späte Arbeitszeiten für die Mitarbeiter zu umgehen. „Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sind gefordert, dabei ist schneller, größer und weiter nicht immer der richtige Weg“, so List. Ein Problem: Die Baukosten seien im Vergleich zu den Betriebsergebnissen „regelrecht davon galoppiert“. „Banken brauchen Mut für neue Konzepte und Mut für neue Generationen“, forderte List.
Klare Profilierung
Die Aussichten für das Land Salzburg sind gut: Alpiner Urlaub ist gefragt, sagte RVS-Tourismusexperte Andreas Berger. „Der Sehnsuchtsort Meer weicht dem Sehnsuchtsort Berg.“ Die Resilienz gegenüber wirtschaftlichen Krisen variiere aber je nach Hotelkonzept, sagte Berger. Drei- oder Vier-Sterne-Hotels sind oft weniger krisenresistent, da deren Zielgruppe stärker von Inflation und Unsicherheiten betroffen ist. „Der Luxusmarkt ist dagegen krisenfest und es gibt einen laufenden Investitionsbedarf“, so Berger. Privatsphäre werde für die Gäste immer wichtiger, was sich in wachsenden Flächen für Zimmer oder Spa-Bereiche niederschlage. Auch bauen viele Hotels mittlerweile hochwertige Mitarbeiterunterkünfte, um Fachkräfte zu binden. „Zudem geht der Trend hin zu Hotels mit klarer Profilierung wie beispielsweise Kinder- und Familienhotels.“ So entstehen immer mehr Wohlfühllandschaften für Kinder. Indoor-Spielplätze, Pools und ausladende Matschräume, in denen die Allerkleinsten mit Gummistiefeln durch den hoteleigenen Gatsch waten und sich austoben können. „Die Chancen in der Hotelfinanzierung überwiegen die Risiken bei Weitem“, resümierte Berger.








