Frau Pfeffer, der Internationale Frauentag steht 2026 unter dem Motto „Rights. Justice. Action.“ UN Women stellt damit Rechtsgleichheit, Zugang zu Justiz und konkrete Maßnahmen gegen Diskriminierung in den Mittelpunkt. Was bedeutet dieses Motto für Sie als Vorständin?
Sabine Pfeffer: Das diesjährige Motto ‚Rights. Justice. Action.‘ ist für mich kein bloßer Slogan, sondern eine strategische Roadmap. Es macht deutlich: Gleichstellung ist kein Projekt, sondern ein unverzichtbarer Systemwechsel, den wir auf allen Ebenen vorantreiben müssen. Die rechtliche Gleichstellung ist unser Fundament, aber wir müssen ehrlich sein: Gesetze allein garantieren noch keine echte Chancengerechtigkeit. Wahre Gleichstellung zeigt sich dort, wo Verantwortung und Entscheidungskompetenz fair geteilt werden. Dazu braucht es keine Absichtserklärungen, sondern transparente Prozesse, gezielte Förderung und Rahmenbedingungen, die Vielfalt zur Selbstverständlichkeit machen. Der größte Hebel liegt jedoch im kulturellen Wandel. Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stehen gemeinsam in der Pflicht, den Status quo mutig herauszufordern. Für mich ist der Weltfrauentag deshalb kein Tag der Blumen oder der Symbolik. Er ist ein High-Performance-Arbeitsauftrag: Wir müssen Gleichstellung so konsequent gestalten, dass sie im Alltag jeder Frau spürbar wird – als gelebte Freiheit. Wir reden nicht mehr nur über Veränderung, wir sind die Veränderung.
Dass Gleichstellung auch in Österreich noch nicht gegeben ist, sehen wir nicht zuletzt durch den Gender Pay Gap und in weiterer Folge den Gender Pension Gap …
Pfeffer: Zahlreiche Unternehmen engagieren sich, auch bei Uniqa setzen wir uns aktiv für gleichgestellte Arbeitsbedingungen und eine faire Entlohnung für alle ein. Die jährliche, interne Gender Pay Analyse ist dafür ein wichtiges Instrument, um mögliche geschlechterspezifische Gehaltsunterschiede aufzudecken. Den bereinigten Gender Pay Gap konnten wir in Österreich mit gezielten Schritten auf unter ein Prozent senken. Das zeigt: Veränderung ist möglich. Aber gesamtgesellschaftlich ist die Realität eine andere. Der Equal Pay Day fiel 2026 auf den 11. Februar, die Einkommenslücke beträgt 11,5 Prozent. Das heißt konkret: Frauen arbeiten rechnerisch 42 Tage pro Jahr ohne Bezahlung. Aktuelle Daten aus der Uniqa Finanzvorsorge-Studie 2025 zeigen, dass diese Lücke weit über das monatliche Gehalt hinausreicht – sie zieht sich durch die Gesundheitsvorsorge, die finanzielle Sicherheit und die langfristige Zukunftsplanung von Frauen.
Heißt das, geringeres Einkommen führt zu weniger Gesundheitsvorsorge?
Pfeffer: Nicht zu weniger Bewusstsein – aber zu weniger Möglichkeiten. Mehr als drei Viertel der Frauen halten Gesundheitsvorsorge für wichtig. Etwas mehr als die Hälfte der im Rahmen der Studie befragten Frauen fühlen sich gut über die Möglichkeiten zur Gesundheitsvorsorge informiert und fast ebenso viele würden gerne mehr für die eigene Gesundheitsvorsorge tun. Doch viele scheitern an Zeit, Geld oder fehlender Unterstützung. 29 Prozent sagen klar: Ihr Einkommen reicht nicht aus, um alle gewünschten Vorsorgemaßnahmen umzusetzen. Gleichzeitig fühlen sich viele mental stark belastet. 37 Prozent machen sich häufig Sorgen um ihre Gesundheit, mehr als jede Zweite empfindet diese Gedanken als belastend.
Was kann eine Versicherung hier konkret tun?
Pfeffer: Hürden senken. Vorsorge muss leistbar und einfach zugänglich sein. Deshalb bieten wir ein sehr günstiges Einstiegsprodukt, das es auch Frauen deutlich leichter macht, für ihre Gesundheit vorzusorgen. Der ‚Start‘-Tarif kostet pro Tag weniger als ein Kaffee und ein späteres Upgrade kann ohne Gesundheitsprüfung durchgeführt werden. Vorsorge darf nicht an der Einstiegsschwelle scheitern.
Frauen gelten oft als Finanzministerinnen der Familie und führen die Haushaltskasse. Managen sie mit gleicher Sorgfalt ihre Altersvorsorge?
Pfeffer: Teilweise. Drei Viertel der Frauen sagen, dass ihnen finanzielle Vorsorge grundsätzlich wichtig ist. Aber nur 39 Prozent haben sich bereits intensiv damit beschäftigt. Das Problem ist strukturell: geringeres Einkommen, weniger finanzieller Spielraum. Mehr als ein Drittel gibt an, dass ihr Gehalt nicht ausreicht, um finanziell vorzusorgen. Dazu kommt der Zeitfaktor – Frauen beschäftigen sich seltener regelmäßig mit Finanzen als Männer. Und jede zweite Frau, die sich häufig über ihre finanzielle Situation Gedanken macht, empfindet diese Gedanken als belastend. Und besonders alarmierend ist die Situation junger Frauen zwischen 18 und 29 Jahren. Sie verbinden Vorsorge deutlich seltener mit Finanzen, fühlen sich schlechter informiert und verschieben das Thema häufig „auf später“. Dabei ist gerade Zeit der wichtigste Faktor in der Vorsorge – ob bei Finanzen oder der Gesundheit gilt: Je früher, desto besser.
Was sollten Frauen konkret tun?
Pfeffer: Erstens: Sich selbst wichtig nehmen. Frauen kümmern sich oft zuerst um andere – die eigene finanzielle und gesundheitliche Absicherung kommt zuletzt. Den Frauen muss bewusst sein, dass finanzielle Vorsorge nicht nur für später ist – sie gibt heute schon Sicherheit und Selbstbestimmung. Zweitens: Klein anfangen. Ein Gesundheits-Check, ein Überblick über die eigenen Finanzen, ein Beratungsgespräch in einer Raiffeisenbank. Wissen reduziert Unsicherheit, Klarheit schafft Handlungsspielraum. Drittens: Nicht warten. Vorsorge ist kein Luxus, sie ist ein Instrument für Unabhängigkeit. Und sie beginnt nicht mit viel Geld, sondern mit einem Plan. Und diesen muss man nicht allein erstellen, dafür sind unsere Beraterinnen und Berater in den Bankfilialen sehr gerne da.








