Betrugsmodelle in den digitalen Kanälen greifen immer mehr um sich, warnt die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA). Im Vorjahr wurden der Behörde insgesamt 134 Fälle mit einer Rekordschadenssumme von 20 Mio. Euro angezeigt. Nach Einschätzung der FMA dürfte das allerdings nur die Spitze des Eisbergs sein, die Dunkelziffer wird auf zumindest das Zehnfache geschätzt.
„Finanzbetrug via Social Media ist der am schnellsten wachsende Bereich“, sagt FMA-Vorstand Helmut Ettl im Klub der Wirtschaftspublizisten. Man habe selbst Erfahrungen gemacht, wie wenig engagiert Social-Media-Plattformen seien, wenn es um die Bekämpfung dieses Phänomens gehe. „Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier weit auseinander“, so der FMA-Vorstand.
Es sei einfacher, ein Deepfake-Video mit dem Bundespräsidenten zu platzieren, als einen gefälschten FMA-Account vom Kanal nehmen zu lassen, berichtet Ettl. Er weiß, wovon er spricht, denn auf Instagram gebe es Fake-Profile der FMA. Und auch ein gefälschtes Profil von Ettl selbst wurde in einer WhatsApp-Gruppe benutzt, um vermeintliche Geldanlage-Strategien zu bewerben. „Diese modernen Betrugsprojekte produzieren im Moment Anlegerschäden am Fließband“, so Ettl.
Die Opfer kommen aus allen Lebensbereichen. Es seien auch nicht nur ältere Menschen betroffen, wie man vermuten könnte. Die Social-Media-Dienste wie WhatsApp, Instagram oder auch Facebook seien häufig die Eintrittspforte für den Betrug. Um eine bessere Position im Kampf dagegen zu bekommen, hat die FMA den Status „Trusted Flagger“ („vertrauenswürdiger Hinweisgeber“) nach dem EU Digital Service Act beantragt. Nach Erlangung dieser Rolle müssen die Social-Media-Plattformen dem EU-Recht zufolge von der FMA rechtswidrige Inhalte auf Online-Plattformen vorrangig bearbeiten. Zudem erhalte man auch konkrete Ansprechpartner, was den Prozess insgesamt beschleunigen sollte. Das Vorbild dafür sei Irland, das diesen Status bereits hat und wo 99 Prozent der behördlichen Beanstandungen innerhalb von wenigen Tagen vom Netz genommen werden.
Ein weiteres Problem sei auch die Bewerbung betrügerischer Inhalte über Google Ads, so Ettl. Hier plädiert die Aufsicht für eine Meldepflicht für die Werbung von Finanzdienstleistungen. Das heißt, dass vor der Werbeschaltung verifiziert werden sollte, wer diese Finanzwerbung schaltet. In anderen EU-Ländern gebe es eine solche Pflicht, in Irland habe auch diese Maßnahme bereits präventiv positive Ergebnisse geliefert. Die Veröffentlichungen von gefälschten Inhalten seien deutlich zurückgegangen.
Krypto-Hub Wien
Darüber hinaus beschäftigt die FMA das Thema Krypto-Veranlagungen, denn Wien habe sich zu einem Krypto-Hub entwickelt, konstatierte FMA-Vorständin Mariana Kühnel. Die „Markets in Crypto-Assets Regulation“ (MiCAR) ist seit Ende Juni 2023 in Kraft und gilt für traditionelle Institute des Finanzsektors wie auch für neue Akteure im Krypto-Ökosystem. In den vergangenen Jahren habe die FMA Expertise in diesem Bereich aufgebaut, der Lizenzierungsprozess werde als „Gütesiegel“ wahrgenommen.
„Wir sehen, dass eine starke, stringente Regulierung einerseits den Standort, aber auch das Vertrauen stärkt – auf der Anleger-, auf der Anbieter- und auf der Investorenseite“, konstatiert Kühnel. Für die Behörde habe es aber oberste Priorität, auch bei neuen Geschäftsmodellen den „Finanzplatz sauber und stabil“ zu halten. Insgesamt seien bisher acht Kryptodienstleister durch den Lizenzierungsprozess gegangen: drei heimische Kryptoanbieter, eine heimische Bank und vier Tochterunternehmen großer ausländischer Kryptofirmen. „Wir haben einen aktuellen Fall, wo wir das Vertrauen verloren haben und somit das Neugeschäft wieder eingestellt haben“, so Kühnel.
Immobilien bleiben im Fokus
Sorgen machen der FMA nach wie vor die Entwicklung bei den Krediten im Gewerbeimmobilienbereich, die vom Volumen her für 43 Prozent der gesamten Unternehmenskredite stehen. 55 heimische Banken haben derzeit notleidende Kredite (Non-performing Loans, NPL) in diesem Bereich von 5 Prozent und mehr. Die nicht performenden Kredite haben sich im Vorjahr laut FMA verdoppelt. Ihre aggregierte Summe beläuft sich auf rund 8,6 Mrd. Euro. „Wir sind hier in der europäischen Spitze“, sagt Ettl.
Um die Kreditvergabe in diesem Bereich einzudämmen, hat das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) empfohlen, den Kapitalpuffer von derzeit 1 Prozent in zwei Schritten bis Mitte 2027 auf 3,5 Prozent anzuheben. Auf der Behördenseite werde das Thema sehr viel diskutiert und „die Zahlen werden dreimal umgedreht“, bevor man Handlungen setze, versicherte Ettl.









