Noch heute gehören die über 1.000 Rezepte, die Fanny Amann in ihrem 1931 erstmals erschienenen Kochbuch veröffentlicht hat, zum fixen kulinarischen Bestandteil in vielen Vorarlberger Haushalten. Im Falle der Kunsthistorikerin Renate Breuss ist es die gebrannte Mandelcreme, die „zum Repertoire in meiner Küche“ zählt. Die Vorarlberger Autorin hat die Köchin in dem von ihr betriebenen Wirtshaus im „Schnifner Bädle“ selbst noch erlebt und auch das hier genossene Essen nach wie vor in bester Erinnerung. Nicht zu unterschätzen sei laut Breuss jedoch vor allem der kulturhistorische Aspekt der Rezeptesammlung.
Mit ihrem Kochbuch lieferte Fanny Amann einen wichtigen Einblick „in das bürgerliche Ess- und Kochverhalten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Ein Jahrhundert, in dem sie ab 1918 selbst am Herd des gemeinsam mit ihrer Schwester Mali bis Ende der 1960er-Jahre geführten Gasthauses stand. In den 50 Jahren, die sie in Bad Schnifis als Köchin gewirkt hat, ist es ihr nicht nur gelungen, die regionale Küchentradition zu prägen. Mit ihren immer über die Wintermonate abgehaltenen Kochkursen hat sie zudem mehrere Generationen von Frauen ausgebildet und damit maßgeblich zur Weitergabe ihres kulinarischen Wissens beigetragen. Letztendlich war es auch ihrer Unterrichtstätigkeit zu verdanken, die sie zur Herausgabe des Kochbuches veranlasst haben soll. Wie dem Vorwort der ersten Auflage zu entnehmen ist, wollte Amann mit „Meine Küche“ dem Wunsch „vieler Gäste und Freunde“ sowie dem „Drängen der Teilnehmerinnen an meinen Kochkursen“ nachkommen, die diktierten Rezepte auch „geordnet in einem Buche“ zu haben.
Ein Unternehmen, das Wellen schlug: Bis heute konnte „Meine Küche“ sieben Auflagen erleben und hat, wie die Zeitzeugin Roswitha Mäser im Film formuliert, „in jedem guten Haushalt sein müssen“. Zudem wurde das Buch über die Jahre um mehrere vegetarische Gerichte ergänzt. Darin bis heute erhalten hat sich auch ein Einblick in die Philosophie Amanns. Als oberster Leitsatz galt ihr stets: „Koche gut und wirtschaftlich.“ Zu achten sei zudem „mehr auf den Nährwert als auf die Menge“.
Und auch wenn das Kochen mit einer gewissen Ausdauer einhergehe, so wollte sie mit der Herausgabe des Kochbuchs nicht zuletzt, die „Freude am häuslichen Herd und damit am häuslichen Glück neu beleben“. Eine Aussage, die sie nicht unbedingt als Vorreiterin in Sachen Feminismus erscheinen lässt; in der Selbstbestimmtheit, mit der sie ihren Weg gegangen ist, könne sie aber sehr wohl als Vorbild herhalten, bekennt Stefania Pitscheider Soraperra, Direktorin des Frauenmuseums in Hittisau. Tatsächlich ist es ihr als Frau erfolgreich gelungen, einen eigenen Betrieb hochzuziehen und damit ihr eigenes Geld zu verdienen – „aus dieser Perspektive ist sie sehr wohl ein Vorbild auch für junge Menschen – sozusagen ein Appell dazu, den eigenen Weg zu suchen“.
Inspiration bis heute
Auch für die junge Köchin Victoria Fahringer zählt Amann zu einer inspirierenden Figur. Für die jüngste Haubenköchin Österreichs hatte sie für ihre Zeit einen bemerkenswerten visionären Zugang gehabt, der viele Parallelen zu ihrem eigenen Denken und Handeln erkennen lässt. Eine Aktualität, die auch Küchenchef Wolfgang Ponier hervorhebt. Für den Film „Meine Küche“ gibt er einen spannenden Einblick in das Funktionieren eines modernen Küchenbetriebs.
Insgesamt hat das Produktionsteam des Vereins Lichtspiel über mehrere Jahre hinweg 30 Stunden Filmmaterial mit Spitzenköchen und Zeitzeugen gesammelt. Die daraus entstandene Doku versteht sich als „eine Verdichtung“ der Philosophie Amanns, „Kochen nicht als Pflicht, sondern als gelebte Kultur“ zu sehen, eine „Erinnerung daran, dass es beim Kochen immer um mehr geht als ums Rezept“, so Henning Nolte-Tschofen. Der Inhaber und Geschäftsführer der „royal.film GmbH“ hat sich ab 2021 daran gemacht, gemeinsam mit Julia Beck und Markus Naumann vom Verein „Lichtspiel“ Zeitzeugen aufzuspüren und während der „Fanny-Amann-Tage“ 2023 – bei denen Gastronomen traditionelle Rezepte aus „Meine Küche“ kochten – Filmmaterial zu sammeln.
Die Dokumentation „Fanny Amann. Meine Küche“ ist ab 23. April in den Vorarlberger Kinos zu erleben.








