Fit4Tech: Investitionen in die Lebensader

Mehr als 200 IT-Verantwortliche aus dem Raiffeisensektor diskutierten aktuelle Entwicklungen im Bank-IT-Bereich. Im Fokus standen neue Partnerschaften, Künstliche Intelligenz, Sicherheit und digitale Barrierefreiheit.

„Technologie entscheidet heute nicht mehr über Effizienz, sondern über Zukunftsfähigkeit“, betonen Egle Rammelmüller, Bereichsleiterin IT bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, und Dietmar Pucher, Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik (R-IT), in ihrer Begrüßung zur fünften „Fit4Tech Management Session“. In einem herausfordernden Umfeld mit immer komplexeren regulatorischen Anforderungen und steigender Kundenerwartung sei Stillstand keine Option: „Die Frage ist: Wie schnell und entschlossen bewegen wir uns hier? Es geht darum, Klarheit zu gewinnen, Prioritäten zu setzen und gemeinsam die nächsten Schritte zu gestalten.“

Da Banken beim Angebot ihrer Dienstleistungen absolut auf IT angewiesen sind, sei es umso wichtiger, sich dem Thema mit größter Sorgfalt und vor allem zukunftsorientiert zu widmen, wie auch Eva Fugger, Generaldirektor-Stellvertreterin der RLB Burgenland und für den Bereich IT zuständig, bekräftigt. „Das heißt, wir müssen bei unseren strategischen Entscheidungen schneller werden und sie sachlich und fachlich treffen. Nur so können wir mit dem technologischen Wandel Schritt halten, denn wir sind nicht die einzigen am Markt.“ Es braucht eben entsprechende Produkte, die mit der Konkurrenz mithalten können. 

Dass das auch etwas kostet, sei klar: „Wir müssen in IT investieren, schließlich ist sie unsere Lebensader. Wir dürfen nur nicht in die falschen Sachen investieren“, so Fugger und mahnt speziell bei bestehenden Applikationen zur Kostensensibilität. Als Beispiel nennt sie Softwarelizenzen, die nicht von jedem Bundesland einzeln gekauft werden müssten, sondern gemeinsam im Verbund. So hätte man eine bessere Verhandlungsbasis gegenüber den Anbietern. Genauso fordert sie ein „Aufräumen im Bestand“: „Redundante und veraltete Applikationen aufgeben, damit sie wirklich keine Kosten mehr verursachen. Um sich dann mit voller Kraft neuen Ideen widmen zu können“, wünscht sich die IT-Vorständin. 

Egle Rammelmüller, Bereichsleiterin IT bei der RLB NÖ-Wien, Eva Fugger, Generaldirektor-Stv. der RLB Burgenland, und Dietmar Pucher, Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik (R-IT), begrüßten zur fünften Ausgabe von Fit4Tech.
Egle Rammelmüller, Bereichsleiterin IT bei der RLB NÖ-Wien, Eva Fugger, Generaldirektor-Stv. der RLB Burgenland, und Dietmar Pucher, Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik (R-IT), begrüßten zur fünften Ausgabe von Fit4Tech. © Roland Rudolph

Interaktion erhöhen

Eine dieser innovativen Ideen war die Einbindung des „jö Bonus Club“, Österreichs größtem Kundenbindungsprogramm der REWE Group in Österreich – in die „Mein ELBA“-App. So können Kunden nun durch die Verknüpfung mit ihrer jö-Mitgliedskarte und beim Bezahlen mit ihrer Raiffeisen-Debitkarte Ös sammeln – sowohl bei einem jö-Partner als auch außerhalb des jö-Partnernetzwerks. Ausgerollt wurde der Service
zuerst in Wien, die Ausweitung nach Niederösterreich und danach in weitere Bundesländer soll folgen. 

Erste Daten zeigen bereits, dass Kunden vom einfachen Verknüpfungsprozess begeistert sind und regelmäßig die Debitkarte nutzen, um Ös zu sammeln. Mit der erhöhten Nutzung steigt auch die Interaktion mit der „Mein ELBA“-App, wodurch sich Chancen für die gezielte Ansprache und zum Cross-Selling von Produkten ergeben. Technisch liegt der Verknüpfung eine von Raiffeisen eigens entwickelte Plattform zugrunde, die es auch künftigen Partnern erleichtern soll, sich mit Raiffeisen zusammenzuschließen. Eine weitere Kooperation sei bereits im Bereich der Auslandsüberweisungen geplant. Hier setzt man – ähnlich wie bei der Bitpanda-Integration – auf die Zusammenarbeit mit einem bestehenden Anbieter. 

Eines der größten strategischen Projekte der nächsten Jahre im Raiffeisen-IT-Sektor ist die Standardisierung und Harmonisierung aller Finanzierungsstrecken, also die digitale Abwicklung von Krediten. Im Privatkundenbereich setzt man dabei auf eine selber gebaute Lösung, wo erste Applikationen bereits im Einsatz sind. Im Bereich der Firmenkunden wird man eine externe Lösung verwenden. 

Geht es ums Onlinebanking, bleibt man mit „Mein ELBA“ für Privatkunden und „Infinity“ für Firmenkunden weiterhin der Zwei-Portal-Strategie treu. Allerdings arbeitet man bereits seit längerem an der Harmonisierung beider Portale: einheitliches Aussehen und Auftritt sowie nahtloses Onboarding in beiden Bereichen werden hier unter anderem als Ziele genannt. Entscheidend dabei wird ein zentraler Login mittels E-Mailadresse sein, denn aktuell kann man nur mit einer Verfügernummer digital mit Raiffeisen in Kontakt treten.

Innovation und Risiko

Sicherheit und Künstliche Intelligenz (KI) zählen bei Fit4Tech zu den prägenden Dauerthemen. Beide Bereiche sind aus dem modernen Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken – und stellen den IT-Betrieb zugleich vor stetig wachsende Herausforderungen. Besonders für Microsoft-Großkunden ist der Umgang mit KI längst keine Option mehr, sondern Realität: Nahezu alle Office-Anwendungen sind inzwischen mit dem sogenannten „Copilot“ verknüpft. Entsprechend intensiv werden die einzelnen Applikationen von spezialisierten Teams geprüft. Parallel dazu arbeitet man an firmeninternen KI-Lösungen, bei denen der Fokus klar auf Datenschutz und Compliance liegt.

Ein konkretes Beispiel dafür ist der KI-Chatbot „RIKI“, den die R-IT bereits produktiv einsetzt. RIKI unterstützt Anwender bei Supportanfragen, erstellt Tickets und ordnet diese automatisch der zuständigen Fachabteilung zu. Rund fünf Prozent des Ticketvolumens werden bereits vollständig automatisiert bearbeitet, mittelfristig sollen es 20 bis 25 Prozent sein. Die Klassifizierung der Anfragen erfolgt dabei nahezu fehlerfrei. Neben Effizienzgewinnen dämpft der KI-Einsatz auch Betriebs- und Personalkosten – und ermöglicht Services, die rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr verfügbar sind.

Doch die rasante Verbreitung generativer KI bringt auch neue Risiken mit sich. Vor allem der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Unternehmensdaten rückt stärker in den Fokus. Hinzu kommt, dass auf Anwenderseite teilweise noch Know-how fehlt. Für die Sicherheitsexperten der R-IT bleiben darüber hinaus klassische Bedrohungen wie DDoS-Attacken ein tägliches Thema. Darüber hinaus gewinnt aufgrund der zunehmenden Vernetzung sowie der Anbindung externer Dienste und Partner ein lückenloses System-Monitoring weiter an Bedeutung.

Ebenso intensiv beschäftigt die IT die Umsetzung umfangreicher regulatorischer Anforderungen. Auch hier zeigt man sich bei Raiffeisen gut vorbereitet – und sieht sich insgesamt solide gerüstet, um Innovation und Risiko in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. 

Gruppenfoto mit den über 200 IT-Verantwortlichen von Raiffeisen
© Roland Rudolph

Inklusion als Standard

Ebenso normkonform erfüllt wurden die Vorgaben des 2025 in Kraft getretenen Barrierefreiheitsgesetzes, das Unternehmen dazu verpflichtet, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. In Kooperation mit „myAbility“ wurde die Barrierefreiheit des Digitalauftritts der Bankengruppe unter die Lupe genommen und umgestaltet – von Schriftgröße und -art über Kontrastanpassungen und Tastaturbedienung bis zur Optimierung für Screenreader. 

Durch digitale Barrierefreiheit lässt sich die Zielgruppe erweitern und damit das wirtschaftliche Potenzial des Unternehmens steigern, hält Frederik Fischer von myAbility fest. Aber nicht nur Kunden profitieren davon, sondern auch die eigenen Mitarbeiter. Digitale Barrierefreiheit fördert ein inklusives Arbeitsumfeld, steigert die Effizienz und verbessert das Unternehmensimage. 

AusgabeRZ11-2026

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