Mit dem Erfolg ist es manchmal eine Krux. Wenn man in populären Massensportarten wie Fußball unterwegs ist, bedeutet er immer auch eine Verbesserung der finanziellen Lage und sorgt für entspannteres Wirtschaften, da er mit Prämien oder Fernsehgeld verbunden ist. Bei nicht-olympischen Randsportarten ist oft das Gegenteil der Fall.
„Wir bekommen Anerkennung und durften Dinge erleben, die man ein Leben lang nicht vergisst“, sagt Stefan Huemer, seit 20 Jahren Obmann bei den Tigers Vöcklabruck. „Aber je erfolgreicher unsere Burschen wurden, desto mehr Geld mussten wir zum Beispiel für internationale Reisen in die Hand nehmen. Das ist nicht immer einfach, da ist Erfolg einfach teuer.“
Enorme Dichte
Dementsprechend kostspielig waren die letzten acht Jahre für die Tigers. Denn seit 2018 ist Vöcklabruck das Maß aller Dinge im heimischen Faustball. Sieben Staatsmeistertitel in der Halle, fünf auf dem Feld wurden seitdem eingeheimst. Und das in der stärksten Liga der Welt, da rot-weiß-rote Klubs auch international immer wieder für Furore sorgen.
„Wir haben den Deutschen mittlerweile den Rang abgelaufen. Die Dichte an Spitzenmannschaften ist bei uns enorm. Es ist daher nie leicht, am Ende ganz oben zu stehen“, sagt Huemer. Und verweist auf die vorige Saison, als man sich im Finale auf dem Feld der Mannschaft aus Urfahr ganz knapp geschlagen geben musste. Was zumindest zu einer glasklaren Zielsetzung für die Anfang Mai beginnende Saison führt: „Wir wollen uns den Titel auf jeden Fall zurückholen.“
Die Erfolge, die man in den letzten Jahren beim 1980 als Faustballspielgemeinschaft Vöcklabruck gegründeten Verein feierte, sind alles andere als auf Zufall aufgebaut. Nach bewegten Jahren mit Ab- und Aufstiegen gab es 2006 einen Neustart, in dessen Zuge Huemer die Obmannschaft übernahm. Selbst als aktiver Spieler auf höchstem Niveau aktiv, stellte er den Klub auf neue Beine. Und gab dabei einen dreistufigen Plan vor.
Dreistufiger Erfolgsplan
„Erstens: Wir spielen Faustball, um erfolgreich zu sein und ordnen vieles den Bedürfnissen unserer ersten Mannschaft unter. Zweitens: Wir müssen wirtschaftlich abgesichert sein, um uns das, was wir erreichen wollen, auch leisten zu können. Und drittens: Wir wollen gesellschaftlich relevant sein und auch große Events ausrichten, um damit wiederum einen weiteren Beitrag zur Finanzierung leisten zu können.“
Letzteres wurde vor allem im vergangenen Jahr sichtbar, als es gelungen ist, das Weltpokalfinale nach Vöcklabruck zu holen. Ein riesiges Turnier mit jeweils acht Damen- und Herren-Mannschaften, die aus allen Teilen der Welt nach Oberösterreich kamen. Faustball auf allerhöchstem Niveau, was auch vom heimischen Publikum angenommen wurde. „Es kamen deutlich mehr Zuschauer zu den Spielen, als wir erwartet hatten. Es war ein großartiges Turnier, für dessen Ausrichtung wir viel Lob bekommen haben.“
Und das auch sportlich überaus erfolgreich war. Denn nach dem Erfolg 2024 in Deutschland konnten die Tigers vor den heimischen Fans den Titel als bestes Team der Welt verteidigen. Vor allem das siegreiche Halbfinale gegen das brasilianische Spitzenteam Novo Hamburgo blieb Huemer in Erinnerung. „Wie schon im Jahr zuvor war es auch diesmal an Dramatik kaum zu überbieten und Faustball auf allerhöchstem Niveau.“

Langer Atem entscheidend
Wie aber ist es überhaupt gelungen, ein Team zu formen, das plötzlich derart dominant auftritt und gegen das national nur in Ausnahmefällen ein Kraut gewachsen zu sein scheint? „Vor allem brauchten wir einen langen Atem“, sagt Huemer, der schon zu Beginn seiner Amtszeit auf die bis heute bestehende Partnerschaft mit der Raiffeisenbank Region Vöcklabruck zurückgreifen konnte, lachend. „Als wir 2006 übernommen haben, war schon das deklarierte Ziel, einmal einen Staatsmeistertitel zu holen. Bis es aber so weit war, sind zwölf Jahre vergangen.“
Die Basis dafür war das Investment in eine funktionierende Jugendarbeit. Dort wurden schon früher immer wieder nationale Titel geholt, 15 sind es bis heute. Und so konnte eine „goldene Generation“, wie Huemer es nennt, heranwachsen, die als erste Mannschaft das Potenzial hatte, große Erfolge einzufahren. Viele Spieler dieses Jahrgangs bilden bis heute das Rückgrat der erfolgreichen Mannschaft.
Zu dieser Generation gehörten erfolgreiche Spieler wie die beiden Huemer-Söhne Jakob und Maximilian, der heutige (Spieler-)Trainer Mathias Karafiat, vor allem aber Karl Müllehner, der so etwas wie das sportliche Aushängeschild des Vereins ist. „Er gehört sicher zu den drei besten Angreifern der Welt, ist auch im Nationalteam der herausragende Spieler“, sagt Huemer, der selbst auch heute noch manchmal hobbymäßig in der Landesliga mitspielt. Angst, dass ein anderer Verein Müllehner eines Tages weglockt, hat der 57-Jährige, im zivilen Leben Geschäftsführer für Produktion und Technik bei der Firma Fischer Brot, nicht. „Er kann ja kaum irgendwo hingehen, wo er noch erfolgreicher wäre. Und wegen des Geldes wechselt man im Faustball nicht den Verein, das ist in unserem Sport nicht das Thema.“
Wertvolles Miteinander
Es gibt aber noch einen dritten Grund, dem auch so etwas wie ein Erfolgsgeheimnis der Tigers innewohnt. „Außerdem sind alle Spieler eng miteinander befreundet und unternehmen auch außerhalb des Faustball-Platzes viel miteinander. Dieses Miteinander würde niemand aufgeben wollen.“
Ein Miteinander, das auch für den nicht alltäglichen Umstand sorgt, dass die Tigers sowohl in der Halle als auch auf dem Feld erfolgreich sind. Denn während es bei Ersterem vor allem auf technische Fertigkeiten ankommt, steht bei Zweiterem der athletische Aspekt im Vordergrund. „Unsere Spieler sind bei beiden Komponenten sehr stark, treten in der Halle aber noch eine Spur dominanter auf als draußen“, sagt Huemer. Und nimmt dabei in Kauf, dass der Verein auch in Zukunft viel investieren muss, um sich die Erfolge der Mannschaft leisten zu können. Denn die sind ja bekanntlich teuer.








