ÖBf: Diversifikation stützt Kerngeschäft

Um den Klimawandel bewältigen zu können, setzen die Bundesforste auf mehrere Standbeine. Trotz geringerer Holzernte fällt die Bilanz 2025 positiv aus.

Zufrieden, aber mit Augenmerk auf anhaltende Hürden blicken die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) auf das vergangene Jahr zurück. „Der Klimawandel ist und bleibt die größte Herausforderung“, hielt Georg Schöppl, ÖBf-Vorstandssprecher und Vorstand für Finanzen und Immobilien, bei der Präsentation der Bilanz 2025 fest. Dennoch sei es ein gutes Jahr für den Wald gewesen: Nach einem zu trockenen Jahresauftakt sorgten Niederschläge im Mai und während des Sommers für die dringend benötigte Entlastung der Natur. Weniger Wetterextreme sowie geringere Schäden durch den Borkenkäfer wirkten sich ebenfalls positiv aus. 

Schlussendlich war 2025 trotzdem wieder eines der zehn wärmsten Jahre der Messgeschichte. Der Klimawandel gebe den Bundesforsten somit den Takt vor, weshalb man sich nicht von kurzfristigen Marktmechanismen treiben lassen wolle: „Die günstigere Schadholzsituation hat uns den Spielraum gegeben, bewusst rund 10 Prozent weniger Holz zu ernten als im Vorjahr. Wir konnten die Arbeiten im Wald so gestalten, dass wir dennoch alle wesentlichen waldbaulichen Ziele erreicht und trotz der reduzierten Holzernte erneut eines der besten Ergebnisse für die ÖBf-Gruppe erzielt haben“, so Schöppl. Rund die Hälfte des von den Bundesforsten geschlägerten Holzes war schadhaft, 2024 waren es 75 Prozent. Zum Vergleich: In den 1980er- und 1990er-Jahren betrug der Anteil noch knapp unter 30 Prozent. Seit der Jahrtausendwende hat sich diese Quote aufgrund des beschleunigten Klimawandels mit mehr Extremwetterereignissen im Schnitt nahezu verdoppelt. 

Viertbestes Ergebnis

Die Betriebsleistung der ÖBf-Gruppe ging von 372,1 Mio. Euro um 8,2 Prozent auf 341,5 Mio. Euro zurück. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) belief sich auf 42,9 Mio. Euro und lag damit ebenfalls unter dem Vorjahreswert von 49,5 Mio. Euro (-13,3 Prozent). Die Gründe dafür waren die gezielt zurückgenommene Holz­erntemenge sowie niedrigere Strompreise. Dennoch ist es das viertbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. 

Auch das operative Ergebnis (EBIT) fiel entsprechend mit 43,4 Mio. Euro um 12 Prozent geringer aus als im Vorjahr (49,3 Mio. Euro). Gleiches gilt für das EBITDA, das 2025 um 6,9 Prozent auf 60,9 Mio. Euro sank. Gestiegen ist dagegen die Eigenkapitalquote auf 65,6 Prozent – ein Plus von 2,7 Prozentpunkten.

Im Hauptgeschäftsfeld Forst/Holz sank die Holz­erntemenge um rund 200.000 auf 1,8 Mio. Erntefestmeter. Zugleich sei der Mitarbeiterstand für die Waldarbeiten in den vergangenen fünf Jahren um zehn Prozent gestiegen. „Beides wirkt sich auf die wirtschaftlichen Kennzahlen aus, ist aber wesentlich für die Anpassung und Stabilisierung unserer Wälder“, erklärt Andreas Gruber, ÖBf-Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz. Die Betriebsleistung im Forstbereich sank auf 214,8 Mio. Euro (-7,9 Prozent, das operative Ergebnis (EBIT) ging von 1,3 auf 0,4 Mio. Euro zurück.

Immobilien als Säule

Dass die ÖBf trotz geringerer Holzernte erneut ein starkes Ergebnis erzielten, liegt vor allem an zwei Geschäftsfeldern: Immobilien/Tourismus und Erneuerbare Energie. Mit einem EBIT von 35,1 Mio. Euro (2024: 35,4 Mio. Euro) lieferte der Immobilienbereich den mit Abstand größten Beitrag zum Gesamtergebnis. Die Betriebsleistung stieg um 9,3 Prozent auf 74,3 Mio. Euro. „In den vergangenen zehn Jahren sind sowohl die Betriebsleistung als auch der Ergebnisbeitrag des Geschäftsbereichs Immobilien durchschnittlich um rund 6 Prozent pro Jahr gewachsen. Der Bereich sichert somit die langfristige Ertragskraft des Unternehmens“, betont Schöppl. Die Erträge stammen überwiegend aus Vermietungen, Verpachtungen und Baurechtsverträgen. Seit 2016 wurden mehr als 100 Mio. Euro in über 40 Projekte investiert. 2025 wurde etwa ein Forsthaus in Scharfling am Mondsee (OÖ) zu einem Mehrparteienhaus mit Mietwohnungen umgebaut, ein neues Revierleiterzentrum mit Mietwohnungen in Erpfendorf (T) errichtet sowie der denkmalgeschützte Gutshof Maria Lankowitz (Stmk.) renoviert. Für die kommenden fünf Jahre sind weitere Investitionen von rund 50 Mio. Euro geplant.

Der Energiebereich leistete 2025 mit 8,2 Mio. Euro ebenfalls einen bedeutenden Ergebnisbeitrag. Gegenüber dem Vorjahr (12,4 Mio. Euro) wirkte sich allerdings das gesunkene Strompreisniveau negativ aus, weshalb die Betriebsleistung von 34,0 auf 20,8 Mio. Euro deutlich zurückging (-38,8 Prozent). Nichtsdestotrotz wurde ein Produktionsrekord erzielt: Insgesamt erzeugten die Bundesforste 2025 rund 340 GWh Strom aus Wasserkraft, Windenergie und Biomasse – so viel wie nie zuvor. Das entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 97.100 Haushalten. Die ÖBf betreiben neun Wasserkraftwerke, zwei Windparks und ein Biomassekraftwerk. Fünf weitere Projekte sind in Planung, bis 2030 sind Investitionen von rund 140 Mio. Euro avisiert.

Erneuerbare Energie: Windpark Pretul I (Stmk)
Erneuerbare Energie: Windpark Pretul I (Stmk) © ÖBf/Robert Leitner

Im Geschäftsbereich Dienstleistungen ging die Betriebsleistung von 17,0 auf 15,5 Mio. Euro zurück. Der Beitrag zum Betriebserfolg lag bei minus 0,4 Mio. Euro (2024: 0,1 Mio. Euro). Dies lag vor allem am Wegfall eines Großkunden, der inzwischen weitgehend kompensiert werden konnte.

„Die Diversifikation ist aufgegangen und zahlt mittlerweile voll in die Ergebnisse mit ein“, resümiert Schöppl mit Blick auf die Gesamtinvestitionen von rund 304 Mio. Euro in den vergangenen zehn Jahren. Es sei wichtig, mehrere Standbeine zu haben, um die Volatilität am Holzmarkt ausgleichen zu können. Der Anspruch sei dabei, sich selbst zu finanzieren, unterstreicht Gruber: „Um die wichtigen Leistungen des Waldes langfristig zu sichern, brauchen wir wirtschaftlichen Erfolg und gute Erträge, die wir reinvestieren können.“ Denn: „Der Wald ist und bleibt unser Kerngeschäft.“

Sparkonto für den Wald

Dieses werde auch in Zukunft wesentlich bleiben. Für ihr Jahrhunderprojekt, ein klimafitter „Wald der Zukunft“, wollen die Bundesforste den Fichtenanteil in den nächsten Jahrzehnten von 60 Prozent auf 40 Prozent senken und mehr Lärchen, Tannen und Eichen pflanzen. „Dafür planen wir ein, dass Holzerntemengen vorübergehend auch über dem nachhaltigen Holzernteziel liegen können. Zusätzliche Erlöse aus diesen Maßnahmen sollen künftig über ein neues ‚Wald-Klima-Konto‘ gezielt für Waldpflege und Forstschutz angespart werden“, erklärt Gruber.

AusgabeRZ23-2026

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