Nach Jahren mit außergewöhnlich hohen Erträgen stehen den österreichischen Regionalbanken anspruchsvollere Zeiten bevor. Der Rückenwind durch hohe Zinsen lässt nach, die Konjunktur schwächelt und die Kosten steigen, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Zeb. Dabei schaffen anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten neue Realitäten und Herausforderungen. Getrieben wird diese Entwicklung unter anderem von den steigenden Insolvenzzahlen, einer hohen Inflation, einem angespannten staatlichen Budget samt EU-Defizitverfahren, aber auch der transatlantischen Entkoppelung und dem allgegenwärtigen „Trump“-Faktor. All diese Herausforderungen bremsen in Kombination mit anhaltenden Strukturproblemen die wirtschaftliche Dynamik. So wird sich Österreich voraussichtlich erst im Jahr 2028 dem EU-Schnitt bei Inflation und BIP-Wachstum annähern können.
Die Zukunft der 339 österreichischen Regionalbanken in diesem Umfeld wird von ihrer Fähigkeit bestimmt, die Produktivität, neue Technologien und insgesamt die Resilienz konsequent weiterzuentwickeln, ist man beim Consulter überzeugt. Die Anzahl der Regionalbanken ist im Jahresabstand um 18 geschrumpft. Daran könne man den Druck im Bankensektor erkennen, betont Zeb-Partnerin Michaela Schneider. Aus dem Raiffeisensektor wurden alle Landesbanken sowie die Primärbanken in die Untersuchung einbezogen. Bei der Analyse der Ertragskraft wurden die Werte aus der Gewinn- und Verlustrechnung auf die durchschnittliche Bilanzsumme bezogen, um die Größenordnungen besser vergleichbar zu machen.
Im Vorjahr war der Zinsüberschuss mit 1,80 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme im Vergleich zu den Rekordjahren 2023 und 2024 mit 2,10 bzw. 2,09 Prozent rückläufig. Dennoch verharrt der Zinsüberschuss „auf einem außergewöhnlich hohen Stand“ von rund 50 Prozent über dem Niveau vor der Zinswende. Aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils an variablen Krediten schlägt sich der Margendruck in den österreichischen Banken bereits zu Buche, zeigt die Untersuchung. Die Provisionserträge dagegen blieben im Vorjahr relativ stabil mit 0,60 Prozent. „Insbesondere auf der Wertpapierseite ist da schon einiges gut gelungen“, betont die Bankexpertin.
Sinkende Risikokosten
Die Personal- und Sachkosten stiegen 2025 aufgrund von Inflation und notwendigen IT-Investitionen etwa in die Künstliche Intelligenz (KI) weiter an, allerdings nicht mehr so stark wie in den Jahren 2022 auf 2023, als die Inflation massiv nach oben gegangen war, so Schneider. Eine leichte Entspannung zeigt sich bei den Risikokosten, die nach den Höchstständen der Jahre 2023 und 2024 mit 0,45 bzw. 0,44 Prozent im Vorjahr auf 0,31 Prozent zurückgegangen sind. Im längerfristigen Vergleich sei das Niveau allerdings nach wie vor höher als vor der Corona-Zeit. Und auch der Blick zu den deutschen Regionalbanken zeigt, dass die heimischen Institute spürbar über den Vergleichswerten liegen. „Dennoch ist da durchaus einiges gelungen“, konstatiert die Bankexpertin.
Getrieben werden die Risikokosten etwa von der herausfordernden Entwicklung der Gewerbeimmobilien, den insgesamt relativ hohen Insolvenzzahlen und der damit einhergehenden Zunahme bei den notleidenden Krediten (NPL-Quote). Beim Letzteren ist weniger die absolute Höhe der NPL-Quote als deren Struktur relevant. Der Anteil unbesicherter Forderungen sei deutlich gestiegen, wodurch Ausfälle heute unmittelbarer auf Ergebnis und Kapital durchschlagen als noch vor wenigen Jahren, betonen die Zeb-Experten. „Der Peak ist aber erreicht“, so Schneider. Die Insolvenzen in Österreich verzeichneten im Vorjahr mit knapp 6.800 Fällen einen historischen Höchststand, das sind 4,2 Prozent mehr als 2024. Gleichzeitig ging die Summe der betroffenen Verbindlichkeiten zuletzt um rund 55 Prozent auf 8,5 Mrd. Euro zurück. Das sei ein Hinweis, dass immer mehr kleine und mittlere Betriebe von einer finanziellen Notlage betroffen seien. „Damit entwickeln sich die Risikokosten insgesamt in die richtige Richtung“, streicht die Zeb-Expertin hervor.
Gute Peformance
Verschlechtert hat sich die Cost-Income-Ratio der österreichischen Regionalbanken im Jahresabstand von 49 auf 56 Prozent. „Insgesamt performen die Regionalbanken mit einer Eigenkapitalrentabilität von 11,3 Prozent aber immer noch sehr gut“, fasst Schneider zusammen. Wenn man über den Tellerrand nach Deutschland in den Sparkassen- oder Genossenschaftssektor schaut, sieht man, dass dort die Risikokosten mit 0,19 bzw. 0,18 Prozent zwar deutlich geringer sind als in Österreich, die Verwaltungskosten insgesamt jedoch noch um einiges höher liegen. „Die österreichischen Regionalbanken haben ein stabiles Geschäftsmodell, eine gute Cost-Income-Ratio im Durchschnitt betrachtet und eine Betriebsergebnisspanne von 0,77 Prozent, die es auch erlaubt, entsprechende Thesaurierungskraft zu entwickeln und auch zu nutzen, um Investitionen in die KI zu tätigen“, fasst Schneider zusammen. Im europäischen Vergleich profitieren die österreichischen Institute nach wie vor von einer günstigen Einlagenstruktur und von Margenvorteilen auf der Passivseite.
Die nächsten Jahre entscheiden darüber, ob Regionalbanken ihre Ertragskraft stabilisieren und in ihre Zukunft investieren können oder ob sie in eine Phase deutlich sinkender Eigenfinanzierungskraft geraten. „2026 wird daher zu einem wichtigen Entscheidungsjahr für Banken“, ist Schneider überzeugt. Laut der Zeb-Studie werden sich die wirtschaftlichen Entwicklungen bis zum Jahr 2030 auch im Kreditgeschäft niederschlagen: Das Ertragspotenzial der Regionalbanken wird bis zu diesem Jahr sowohl im Firmenkunden- als auch im Privatkundenbereich jährlich nur moderat um rund 4 Prozent wachsen (CAGR). Das Kreditgeschäft wird bis 2030 deutlich an Bedeutung verlieren. Der Anteil an den Erträgen sinkt bei Firmenkunden auf 52 Prozent, bei Privatkunden sogar auf nur noch 27 Prozent.
Denken in Szenarien
Die Regionalbankenstudie zeigt zwei mögliche Entwicklungsszenarien bis zum Jahr 2030. Im Basisszenario geht Zeb von einer moderaten wirtschaftlichen Erholung aus. Die Zinsstruktur normalisiert sich, Insolvenzen gehen schrittweise zurück und die Banken können mit steigenden Investitionen in Digitalisierung und KI ihre Ertragslage stabilisieren. Im Rezessionsszenario verschärft sich der wirtschaftliche Abschwung bis 2028. Sinkende Leitzinsen und steigende Insolvenzen führen zu einem deutlichen Rückgang der Zinsüberschüsse. Gleichzeitig fehlen die Mittel für nachhaltige Investitionen in Digitalisierung und KI.
Je länger die Rezession dauern würde, desto höher würde der Preis für die Banken ausfallen. „Die Chance, dass das Basisszenario eintritt, ist wesentlich höher. Aber bei dermaßen volatilen geopolitischen Rahmenbedingungen, wie sie aktuell herrschen, dürfen die Herausforderungen eines Rezessionsszenarios nicht ignoriert werden. Auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit nur bei rund 15 Prozent liegt, müssen Banken darauf vorbereitet sein“, erklärt Zeb-Partner Andreas Sumper.
Sollte das Rezessionsszenario eintreten, wären die Folgen für die Eigenfinanzierungskraft der Banken gravierend. Um das RWA-Wachstum mit Eigenkapital zu unterlegen, brauchen Banken ein Betriebsergebnis von mehr als 0,5 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme. Tritt das Rezessionsszenario ein, würden 65 Prozent der Banken im Jahr 2028 diese Gewinnschwelle nicht erreichen. Jede vierte Bank würde Verluste schreiben. Im Basisszenario liegt der Anteil an Banken mit einem Betriebsergebnis unter 0,5 Prozent lediglich bei 11 Prozent.
„Historischer“ Strukturwandel
Mit der fortschreitenden Digitalisierung und vor allem der Entwicklung der KI stehen die Regionalbanken „vor einem historischen Strukturwandel“, ist Sumper überzeugt und ergänzt: „Die KI- und IT-Ausgaben steigen derzeit kurzfristig. Das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht wesentlich ändern und treibt auch relativ stark das Thema der Sachkosten an.“ Diese Entwicklung eröffnet die Möglichkeit, den Personalbedarf über nahezu alle Bankfunktionen substanziell zu reduzieren. Potenziale für Produktivitätssteigerungen bei einer mittelgroßen Regionalbank sieht der Fachmann vor allem in der Privatkundenberatung, in der Kreditsachbearbeitung, bei administrativen Stabsfunktionen, der Marktfolge und bei der Vertriebsunterstützung.
Bis zum Jahr 2035 kann von einer „Kapazitätsentlastung“ von bis zu einem Drittel ausgegangen werden, was aber nicht bedeutet, dass die Geldinstitute in diesem Ausmaß weniger Mitarbeiter haben werden. Diese freiwerdenden Ressourcen können gezielt in Wachstum, Qualitätssteigerung und neue Aufgaben umgelenkt werden. Darüber hinaus könnten gegenläufige Entwicklungen wie die steigenden regulatorischen Anforderungen, der demografische Wandel und der Fachkräftemangel teilweise durch KI kompensiert werden. „Momentan sind IT- und KI-Ausgaben Kostentreiber, langfristig ist es der wichtigste Hebel zur Stabilisierung der Kosten“, so Sumper.
Unter dem Begriff KI werden unterschiedliche Themenfelder und Technologien subsumiert. Aktuell werden die neuen Möglichkeiten vor allem für die Verbesserung der persönlichen Produktivität genutzt, so Sumper. Komplexer werde es, wenn man KI für Prozesseffizienzen und für Entscheidungsfindungen einsetzen möchte. Dafür brauche man entsprechende Tools, um die KI nahtlos in die Prozesse zu integrieren. Um die Technologie für die Unterstützung in der Entscheidungsfindung einzusetzen, brauche es aber ganz viele Daten und eine entsprechende Infrastruktur – „das ist schon ein Stück weit Evolution, die sich über die nächsten Jahre abzeichnet“, so Sumper.
Während viele europäische Großbanken ihre zuletzt hohen Erträge konsequent in die Modernisierung ihrer IT investierten, laufen österreichische Regionalbanken aufgrund geringerer Skaleneffekte Gefahr, hier zurückzufallen, warnen die Zeb-Experten. Dabei belegen erste internationale Studien, dass sich das KI-Potenzial etwa bei der Produktivität von professionellen Schreibaufgaben, aber auch bei der Qualität der Ergebnisse und in einer höheren Kundenzufriedenheit niederschlägt.








