Augen auf beim Gurkerlkauf

Günstige Importware setzt heimische Gurkenbauern unter Druck. Im Handel mangelt es aber auch an Transparenz über die Herkunft.

Ob im Wurstsemmerl, zum Schnitzel oder als Teil einer klassischen Brettl­jause: Das Essiggurkerl ist seit jeher fester Bestandteil der österreichischen Esskultur. Umso überraschender mag es erscheinen, dass ein wesentlicher Anteil der Essiggurkerl in den Supermarktregalen gar nicht aus heimischem Anbau kommt, wie der Verein Wirtschaften am Land aktuell aufmerksam macht. 

„Viele Konsumenten erwarten sich zu Recht, dass Gurkerl aus Österreich stammen, aber im Regal landen zunehmend Gurkerl aus anderen Ländern“, beklagt Robert Pichler, Obmann von Wirtschaften am Land und zudem Leiter der Abteilung Wirtschafts-, Agrar- & Europafragen im Österreichischen Raiff­eisenverband. Er spricht von einer dramatischen Entwicklung: Seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 und der damit verbundenen Marktöffnung sank der oberösterreichische Marktanteil bei Einlegegurken im Lebensmitteleinzelhandel von mehr als 80 Prozent auf rund 50 Prozent. Oberösterreich ist das Hauptanbaugebiet für Essiggurkerl in Österreich, rund neun von zehn heimischen Einlegegurken stammen aus dem Eferdinger Becken. Von dort stammt auch Efko, der größte heimische Sauergemüsehersteller.

Eigenmarken ohne Herkunft

Die Herkunft der Gurkerl ist für Konsumenten jedoch schwer erkennbar. So hat Wirtschaften am Land Anfang Juni in Filialen des Lebensmitteleinzelhandels insgesamt 98 Essiggurkenprodukte überprüft, davon 58 Marken- und 40 Eigenmarkenartikel. Eine Transparenzlücke klafft dabei vor allem bei den Eigenmarken: Bei 77,5 Prozent der überprüften Gläser wird die Herkunft am Etikett für die Konsumenten nicht ausgewiesen. Etwas besser sei die Lage bei Markenproduktion, aber auch hier war nur bei rund 60 Prozent die Herkunft erkennbar. Auf Nachfrage des Vereins übermittelten die Handelsunternehmen zwar Informationen zur Herkunft, zum Teil wurden aber Listen mit bis zu 15 möglichen Herkunftsländern genannt, darunter etwa Deutschland, Polen oder die Türkei.

Insgesamt haben nur fünf von 40 Gurkengläsern der Handelseigenmarken österreichische Herkunft – bei neun Produkten stammen die Gurken gar aus Indien. Während Importgurken dort zu deutlich niedrigeren Kosten produziert werden, steigen in Österreich die Kosten für Arbeit, Energie und Betriebsmittel. Die Produktion von Einlegegurken ist aufwendig und erfordert viel Zeit sowie sorgfältige Handarbeit. Dadurch geraten heimische Bauern und Verarbeiter zunehmend unter Druck. „Österreichische Gurken stehen für hohe Produktionsstandards und maximale Lebensmittelsicherheit. Bei importierten Produkten aus Ländern wie Indien bleibt hingegen unklar, ob und wie Standards eingehalten werden“, erklärt Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

Mehrwert hat seinen Preis

Leistbarkeit sei zwar ebenfalls ein wichtiger Aspekt, der Wert von Lebensmitteln dürfe aber nicht nur am Preis bemessen werden, betont Pichler. Auch Efko-Geschäftsführer Thomas Krahofer verweist auf die langfristigen Auswirkungen von Kaufentscheidungen für den Produktionsstandort Österreich: „Es geht um Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und den Erhalt unserer Kulturlandschaft.“ Konsumenten seien in der Verantwortung, bewusst zu heimischen Lebensmitteln zu greifen. Pichler appelliert zugleich an den Lebensmitteleinzelhandel, die dafür nötige Transparenz zu schaffen: „Gerade bei den Eigenmarken hat der Handel einen mächtigen Hebel in der Hand und kann dafür sorgen, dass Herkunft ausgelobt wird und österreichische Produkte verwendet werden.“

Allerdings ist auch bei der Herkunftskennzeichnung Vorsicht geboten, mahnt Maria Fanninger, Gründerin des Vereins Land schafft Leben. Österreich-Flaggen oder Angaben wie „hergestellt in Österreich“ und „abgefüllt in Österreich“ auf dem Etikett seien oftmals irreführend über die tatsächliche Herkunft der verwendeten Gurkerl. „Was es braucht, ist eine eindeutige Kennzeichnung des Ursprungslandes. Nur so können Konsumenten auf einen Blick erkennen, in welchem Land die Gurkerl gewachsen sind. Und nur so bekommen sie die Möglichkeit, sich nicht nur anhand des Preises, sondern auch anhand der Herkunft zu entscheiden.“

AusgabeRZ31-2026

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