Österreichs Lebensmittelindustrie steht auf den internationalen Märkten zunehmend unter Druck. Erstmals sind die Ausfuhren von Lebensmitteln, Getränken und Futtermitteln sowohl wert- als auch mengenmäßig zurückgegangen. Nach vorläufigen Zahlen für das erste Halbjahr 2026 sank der Exportwert gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,8 Prozent auf rund 5,3 Mrd. Euro. Die ausgeführte Menge verringerte sich um 5,1 Prozent auf 2,9 Mio. Tonnen. Erfasst sind dabei die Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie in den Zollkapiteln 16 bis 24.
Als wesentlichen Grund für diese Entwicklung nennt der Fachverband der Lebensmittelindustrie die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts. Hohe Energie- und Personalkosten, bürokratische Belastungen sowie gestiegene Aufwendungen für Rohstoffe und Verpackungen erschweren den Wettbewerb mit ausländischen Anbietern. „Österreichische Lebensmittelexporteure tragen einen schweren Kostenrucksack. Das rächt sich auf den Exportmärkten“, betont Fachverbandsgeschäftsführerin Katharina Koßdorff.
Auch die abgesetzte Produktion der Lebensmittelindustrie ging im ersten Halbjahr wertmäßig um 5,4 Prozent auf 5,7 Mrd. Euro zurück. Zwar blieb die Außenhandelsbilanz bei den Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie mit einem Überschuss von 587 Mio. Euro positiv, langfristig zeigt sich jedoch eine Abschwächung: Zwischen 2021 und 2025 verringerte sich der jährliche Handelsüberschuss von 2,14 Mrd. auf 809 Mio. Euro. „Das zeigt, dass unsere Lebensmittelhersteller auch auf dem Heimmarkt an preislichem Wettbewerb verlieren“, so Koßdorff. Die im Regierungsprogramm enthaltene Exportoffensive sowie niedrigere Standortkosten seien daher „die wesentlichen Hebel, um Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Lebensmittelindustrie abzusichern“.
Deutschland bleibt wichtigster Absatzmarkt
Mit einem Anteil von 76,7 Prozent bleibt die EU der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für österreichische Lebensmittel. Deutschland liegt mit einem Exportwert von rund 2 Mrd. Euro und einem Anteil von 38 Prozent klar an der Spitze. Während die Ausfuhren dorthin wertmäßig um 1,2 Prozent zurückgingen, entwickelten sich unter anderem Italien, Polen und Tschechien positiv. Auch die Exporte in Drittstaaten legten um 1,6 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro zu.
Wichtigstes Exportprodukt blieben alkoholfreie Erfrischungsgetränke (Limonaden, Energy-Drinks, Eistee) mit einem Warenwert von knapp 1,2 Mrd. Euro, gefolgt von Lebensmittelzubereitungen und Tierfutter.
Agrarexporte insgesamt leicht gestiegen
Ein etwas anderes Bild zeigt der gesamte Agraraußenhandel, der mit den Zollkapiteln 1 bis 24 auch landwirtschaftliche Rohstoffe und unverarbeitete Agrarprodukte umfasst. Laut vorläufigen Daten der Statistik Austria stieg der Wert der Agrarexporte im ersten Halbjahr 2026 um ein Prozent auf 8,73 Mrd. Euro. Gleichzeitig gingen die Importe zurück, wodurch sich das Handelsdefizit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 394 Mio. Euro verringerte. Die Exportmenge blieb mit 5,17 Mio. Tonnen nahezu unverändert und lag leicht über der Importmenge.
Auch im gesamten Agrarhandel bleibt Deutschland mit einem Exportwert von 3,35 Mrd. Euro und einem Anteil von 38,4 Prozent der wichtigste Handelspartner. Der Handelsüberschuss mit dem Nachbarland erhöhte sich auf 283 Mio. Euro. Mehr als 80 Prozent der österreichischen Agrarexporte gingen in die EU. Zuwächse verzeichneten insbesondere Italien (+4,3 Prozent), die Niederlande (+6 Prozent) und Tschechien (+9,9 Prozent).
Positive Entwicklungen gab es auch bei einzelnen Produktgruppen. So stieg der Exportwert von Rindfleisch preisbedingt um 12,2 Prozent auf 366 Mio. Euro. Auch bei Geflügel setzte sich der Aufwärtstrend des Vorjahres fort.
Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich bei Eiern: Während die exportierte Menge um 5,5 Prozent zurückging, erhöhte sich der Warenwert um 9,3 Prozent auf 21,7 Mio. Euro. Der durchschnittliche Exportpreis stieg dadurch von 4,44 Euro auf 5,13 Euro pro Kilogramm. Gegenüber 2022 hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt.
Auch bei Milch und Milchprodukten zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Während die exportierte Milchmenge um 6,7 Prozent zunahm, ging der Exportwert um 7,4 Prozent aufgrund stark sinkender Preise auf rund 211,7 Mio. Euro zurück. Besonders kräftig legten die Ausfuhren von fermentierten Milchprodukten wie Joghurt und Sauerrahm zu: Die Exportmenge erhöhte sich um 22,2 Prozent, der Warenwert um 20,5 Prozent auf 180 Mio. Euro. Auch Käse und Äpfel waren stärker gefragt.
„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich Österreichs Agrar- und Lebensmittelwirtschaft auch in einem herausfordernden Umfeld auf internationalen Märkten gut behauptet“, betont Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing. Chancen sieht sie vor allem darin, die hohe Qualität und nachvollziehbare Herkunft österreichischer Produkte auch auf weiteren europäischen Märkten stärker sichtbar zu machen.








