Die Energiewende regional bewältigen

Raiffeisen Steiermark und die Landwirtschaftskammer informieren bei einem Online-Fachtag über erneuerbare Energie und Genossenschaft.

Verbandsobmann Franz Titschenbacher und Moderatorin Sandra Suppan
Verbandsobmann Franz Titschenbacher und Moderatorin Sandra Suppan © RV Steiermark/Hofer

Gemeinsam mutig in die regionale Energiezukunft, so lautete das Motto des Online-Fachtags zum Thema „Erneuerbare Energien“, der von der Landwirtschaftskammer gemeinsam mit der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und dem steirischen Raiffeisenverband organisiert wurde. Gut 400 Teilnehmer aus ganz Österreich schalteten sich bei den Vorträgen der Fachexperten digital zu. Die Aktualität des Themas angesichts der hohen Energiepreise und der unsicherer gewordenen Versorgung unterstrich eingangs LK-Präsident und Verbandsobmann Franz Titschenbacher. RLB-Generaldirektor Martin Schaller betonte vor allem auch die Attraktivität von Energiegenossenschaften als Lösungsweg zu einer regionalen Energieversorgung.

Der Leiter des LK-Energiereferates, Christian Metschina, analysierte die Verwerfungen und Turbulenzen am Energiemarkt, die auf einer „massiven Importabhängigkeit“ Österreichs basierten. „Die Krise ist aber auch eine Chance für die Landwirtschaft, die Wertigkeit der landwirtschaftlichen Energieträger zu erkennen und das Potenzial am Markt zu nutzen.“ Gerade die Bereiche der Biowärme- und der Biogasnutzung seien demnach besonders gefragt. Landwirte würden künftig nicht nur Anbieter von Lebensmitteln und Wärme sein, sondern auch von Strom. „Als Betrieb muss ich mir überlegen, ob ich Energiedienstleister sein möchte oder ob ich einen energieautarken Bauernhof führen möchte“, so Metschina.

Sondersituation in der Steiermark

Beim Blick auf das steirische Stromverteilernetz hob Thomas Balber von den Energienetzen Steiermark die vielen kleinen Netzbetreiber im Bundesland hervor. Nirgendwo in Österreich sei die Verteilerlandschaft so stark aufgegliedert wie in der Steiermark. „Der Ausbau der erneuerbaren Energieträger einerseits und der erwartete Anstieg des Stromverbrauches andererseits erzeugen einen enormen Bedarf an weiterer Netzinfrastruktur, Speichern und Flexibilitäten.“ Daraus würden sich für Netzbetreiber gewaltige Herausforderungen und ein Investitionsbedarf von 15 Mrd. Euro bis 2030 ergeben, um die erneuerbaren Energiemengen aufnehmen und an die Verbraucher weitergeben zu können.

„Ein Ausweg aus der Energiekrise hinein in eine regionale Energieversorgung, den alle mitgehen können, werden Energiegenossenschaften sein“, ist der Genossenschaftsexperte des Raiffeisenverbandes Steiermark, Armin Friedmann, überzeugt. Diese würden die Chance bieten, gemeinschaftlich Strom zu produzieren, zu verbrauchen, zu speichern und zu verkaufen. Gerade für Gemeinden ließen sich so die Infrastrukturprojekte der Zukunft umsetzen. Für mittlere bis größere Projekte eigne sich die Rechtsform der Genossenschaft bestens, um diese auch professionell und mit der Genossenschaftsrevision im Rücken sicher abwickeln zu können. „Bei der Rechtsformwahl gilt es alle Vor- und Nachteile abzuwiegen und vor allem langfristig zu denken. Gerade deshalb ist die Genossenschaft besonders attraktiv“, erklärt Friedmann. Der Reiz an Energiegenossenschaften sei ferner, dass diese selbst den Energiepreis festlegen könnten.

Das neue Angebot der Raiffeisen-Organisation zur Implementierung von Energiegenossenschaften im Lande legte Helmut Fink-Neuböck von der RLB Steiermark dar. Analog zu einem Modellweg im Burgenland habe man sich dazu entschlossen, Interessierten eine einfache Möglichkeit zur Gründung oder Teilnahme an Energiegenossenschaften zu unterbreiten, bei der die lokalen Raiffeisenbanken eine federführende Rolle einnehmen möchten. Fink-Neuböck spielte dabei auf die Komplexität und den hohen Verwaltungsaufwand in Verbindung mit Energiegemeinschaften an, die schon so manchen Gründungswilligen in die Verzweiflung getrieben hätten und eine professionelle Begleitung erforderlich machen würden.

„Um allen Mitgliedern die Vorteile einer Energiegemeinschaft samt schlanker Verwaltung zu ermöglichen, haben wir ein genossenschaftliches Modell erarbeitet, dass sämtliche Bereiche abdeckt und mit geringen Kosten auskommt. Dazu gehört auch die ehrenamtliche Tätigkeit der Raiffeisenbanken in den Gremien.“