Was vor zehn Jahren mit einer Vision und der Erstellung des Raumbuches begonnen hat, steht heute im Vollbetrieb: Im Zentrum von Innsbruck – zwischen Hauptbahnhof und Bozner Platz – ist nach sechs Jahren Baustelle und Investitionen von 155 Mio. Euro die neue Zentrale der Raiffeisen-Landesbank (RLB) Tirol entstanden, die auf rund 23.000 m2 Nutzfläche unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbereiche verbindet. Neben der Bankstelle befinden sich auch ein Hotel, Gastronomie, Handel, Kunst und Veranstaltungsflächen an diesem Standort. Gleichzeitig schafft das Quartier eine direkte Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt.
„Das Raiqa ist Aufenthaltsort und Passage zugleich und damit ein hybrider Ort – ein Ort, der verbindet. Genau das war die bewusste Entscheidung, die wir als Raiffeisen-Landesbank Tirol getroffen haben“, erklärt Thomas Wass, Vorstandsvorsitzender der RLB Tirol, bei der Eröffnung des neuen Gebäudes. „Wir haben konsequent unsere Vision umgesetzt und wollten einen Ort für Begegnung, Arbeit, Kultur, Genuss und Bewegung schaffen – mitten in Innsbruck“, so der RLB-Chef.
Die Bank habe sich früh entschieden, am Standort in der Adamgasse in der Innsbrucker Innenstadt zu bleiben und kein reines Bankgebäude zu errichten. „Wir glauben, dass die Zeit vorbei ist, dass Banken sich reine Bankgebäude bauen“, erklärte er. Ziel sei jedenfalls ein hybrides Haus gewesen, das tagsüber von der Bank und darüber hinaus von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Kulturschaffenden genutzt werden könne. „Die Raiffeisen-Landesbank Tirol ist Teil dieses Ganzen, aber nicht dessen Mittelpunkt. Wir verstehen uns als Gastgeber in einem offenen Quartier.“


Breiter Mix
Die ersten Bereiche des Quartiers wurden bereits im April mit der Passage, die täglich von Tausenden Menschen frequentiert wird, und den ersten Geschäften eröffnet. Ende April folgte mit dem „loft9“ ein Rooftop-Lokal mit 360-Grad-Blick über Innsbruck. In den vergangenen Wochen eröffneten darüber hinaus das FRIEDA Qultbistro, die Kunstbrücke sowie die neue RLB-Bankstelle. Im Juni folgt die Eröffnung von „Le Burger“. Bei der Auswahl der Shop- und Gastronomiepartner wurde bewusst auf einen Mix mit den Schwerpunkten Genuss, Handwerk und Gesundheit gesetzt.
Auch kulturell wird das Quartier künftig bespielt – unter anderem mit dem von Autor Bernhard Aichner und Verleger Markus Hatzer kuratierten Programm im Krimibistro sowie Ausstellungen in der Kunstbrücke. Besonders freut Wass die künftige Nutzung des für Start-ups und neue Konzepte geschaffenen Pop-up-Stores: „Ab September wird dort die erste Verkaufsstelle des k.u.k. Hofzuckerbäckers Zauner außerhalb von Bad Ischl eröffnet.“ Eine Besonderheit des Quartiers ist auch das neu eröffnete Radisson RED Hotel mit 161 Zimmern in Holzbauweise, das als erstes Haus der internationalen Marke in Tirol eröffnet wurde.
Erlebnisräume
Entworfen und umgesetzt wurde das Raiqa vom Wiener Architekturbüro Pichler & Traupmann. Im Mittelpunkt des Konzepts sei von Beginn an die Öffnung des Areals und die Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt gestanden, so Christoph Pichler: „Uns waren die Beziehung zum Bozner Platz und ein möglichst großzügiger Durchgang zum Hauptbahnhof besonders wichtig.“ Zudem sollte ein wesentlicher Teil des aus den 1960er-Jahren stammenden alten RLB-Gebäudes erhalten bleiben. So wurde der Turm ausgehöhlt und ein großer offener Raum – das 35 Meter hohe Atrium – ist entstanden.
Charakteristisch für das Gebäude sind auch das weit über den neuen Raiffeisenplatz ragende dritte Obergeschoß, das eine geschützte öffentliche Aufenthaltsfläche schafft, sowie der markant auskragende „Hammerkopf“. „Das Raiqa steht für Transformation – für die Vision, die alte Struktur erlebbar zu machen“, ergänzte Hannes Traupmann. Architektur sollte hier nicht nur Gebäude formen, sondern „wie Seismografen der Gesellschaft“ Stadt, Bewegung und Begegnung ermöglichen.
Neben der architektonischen Offenheit spielte Nachhaltigkeit in Planung, Bau und Betrieb eine zentrale Rolle. Wesentliche Teile der bestehenden Tragstruktur wurden erhalten und mit nachhaltigen Bau- und Energiekonzepten ergänzt. Ein Beispiel dafür ist der Holzbau des Hotels ab dem vierten Obergeschoß. „Nachhaltigkeit ist im Raiqa kein Zusatz, sondern konstruktiver Ausgangspunkt“, betonte RLB-Vorstand Christof Splechtna. „Durch den Erhalt wesentlicher Teile der Bestandsstruktur konnten Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen deutlich reduziert werden.“ Zudem wurden im Zuge des Umbaus zahlreiche Materialien und Rohstoffe aus dem Bestandsgebäude weiterverwendet.




Neue Arbeitswelten
Mit der schrittweisen Übersiedlung der rund 330 Mitarbeitenden der RLB Tirol in das neue Hauptgebäude habe sich das Raiqa in den vergangenen Wochen zunehmend mit Leben gefüllt, sagte RLB-Vorständin Gabriele Kinast. Weitere rund 130 Beschäftigte aus Verwaltung oder Tochterunternehmen wie der Immobilien- und Versicherungssparte sowie dem Abwicklungscenter sollen im Sommer ins Nebengebäude folgen.
Moderne Arbeitswelten mit frei wählbaren Arbeitsplätzen, verschiedene Beratungsräume, eine betriebliche Kinderkrippe sowie öffentlich zugängliche Aufenthaltsbereiche ergänzen das Angebot des Quartiers. Die Schalter der Bank seien nun von Montag bis Donnerstag von 8.00 bis 18.00 Uhr und am Freitag bis 15.00 Uhr geöffnet. Das Konzept sei über mehrere Jahre gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt worden. „Wir mussten Bank anders denken“, fasste Wass zusammen. Durch die gemeinsame Entwicklung dieses Konzeptes sei die Resonanz bei den Mitarbeitenden „fantastisch“: „Das Ankommen macht große Freude“, zeigte sich der RLB-Chef stolz.








