Manchmal kann dem Erfolg auch etwas Zerstörerisches innewohnen. Frag nach bei den Baseballern der Hard Bulls. Im Jahr 2001 wurden die Batter und Hitter aus Vorarlberg sensationell Meister, nachdem sie im Jahr davor erst in die höchste Liga Österreichs aufgestiegen waren. Der Europameistertitel, der nach dem nationalen Coup in Ungarn gewonnen wurde, setzte dem Ganzen die Krone auf. Doch dann ging es – steil bergab! „Manche Spieler haben nach den großartigen Erfolgen aufgehört, zudem haben wir unsere neue Heimstätte gebaut und mussten eine Zeit lang in eine Nachbargemeinde ausweichen. Das hat uns einen Großteil unserer Nachwuchsarbeit gekostet“, sagt Andreas Rudigier, im Jahr 1991 Gründungsmitglied des Vereins und seit zehn Jahren Obmann. „Wir mussten dann praktisch wieder bei null beginnen.“
Neue Rahmenbedingungen
Doch anstatt sich seinem Schicksal zu ergeben, wurden die Ärmel hochgekrempelt. Allerdings: Die Rahmenbedingungen haben sich in der Zwischenzeit massiv verändert. War Baseball in Österreich in den 90er-Jahren eine reine Amateurveranstaltung, die von wenigen Enthusiasten betrieben wurde, zog mit dem neuen Jahrtausend auch die Professionalität ein. „Es war dann definitiv nicht mehr so einfach möglich, mit ein paar begeisterten Burschen wieder ganz nach oben zu kommen, wie es uns gut zehn Jahre zuvor noch gelungen war“, erinnert sich Rudigier.
Man begann also in den Niederungen, spielte zu Beginn sogar in einer kleineren deutschen Liga mit, ehe man sich peu à peu wieder nach oben kämpfte. Westliga, 2. Bundesliga – es dauerte bis ins Jahr 2016, ehe der letzte große Aufstieg verbunden mit der Rückkehr in die höchste Spielklasse gefeiert werden konnte. Der Zufall wollte es, dass sich auch die 1. Bundesliga zu genau diesem Zeitpunkt einer Reform unterzog, um mit noch besseren Strukturen aufzuwarten – so waren die Hard Bulls von Anfang an ein Teil davon.
Klar, dass man sportlich dort aber erst einmal kleinere Brötchen backen musste. Vom hinteren Drittel kämpfte man sich ins Mittelfeld vor, in der vergangenen Saison erreichte man dann schon das Halbfinale. „Es wäre sogar etwas mehr möglich gewesen“, sagt Rudigier beim Blick in den Rückspiegel. „Aber wir trafen dort auf den späteren Meister, die Diving Ducks aus Wiener Neustadt. Diese Hürde war für uns einfach noch etwas zu hoch.“
Jedenfalls war es Ansporn, mit vollem Elan in die neue Saison zu starten. Diese beginnt für die Hard Bulls am 12. April, und zwar gleich mit einem Vorarlberger Derby gegen die Dornbirn Indians. „Es hat mittlerweile Tradition, dass wir die Saison mit einem Derby beginnen“, erklärt der 50-jährige Obmann, „das ist für die Spieler und die Zuschauer gleich ein richtiges Highlight. In diesen Matches geht es richtig heiß her.“
Zwei Stammspieler kamen den Hardern im Winter abhanden. Plätze, die von zwei Youngstern eingenommen werden, die bis dato im Farmteam, den Bandidos, in der
2. Bundesliga zum Zug kamen. „Wir möchten sie langsam und behutsam an den Erwachsenen-Baseball heranführen, dafür ist unser Trainer Anthony Bennett genau der richtige Mann. Er nimmt die Jungs ordentlich her und schleift sie, damit sie wissen, was auf sie zukommt.“
Jugendarbeit im Fokus
Überhaupt spielt der Nachwuchs eine ganz zentrale Rolle im Vereinsleben. Oder wie es Rudigier ohne Wenn und Aber formuliert: „Ohne eine starke Nachwuchsarbeit kannst du in Österreich nicht auf höchstem Niveau überleben. Deswegen ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bei uns auch Chefsache!“
Keine leeren Worte. Denn Headcoach Bennett ist auch gleichzeitig Trainer der U8, also bei den kleinsten Baseballern des Klubs. Über einfache Ballspiele sollen sie an die Skills herangeführt werden, die man beim Baseball braucht. Dabei sind die jüngsten der etwa 100 Nachwuchsspieler in Hard gerade einmal fünf Jahre alt. „Wir gehen in die Kindergärten und in die Volksschulen, um uns zu präsentieren und als Anlaufstelle vorzustellen. Das funktioniert ganz gut“, sagt Rudigier. Kein Zufall, dass sich die Raiffeisenbank Bodensee-Laiblachtal seit mehr als zehn Jahren vor allem bei den Nachwuchsteams als Sponsor engagiert und das Giebelkreuz auf den Dressen der Jugendspieler prangt.
Doch so wichtig der Nachwuchs ist – ohne Legionäre geht es nicht, wenn man mit der ersten Mannschaft vorne mit dabei sein möchte. Bis zu vier Akteure dürfen als sogenannte Importspieler dabei sein, in Hard kommen diese aus den USA und aus Japan, also den traditionellen Hochburgen des Baseball, der durch Filme wie „Die Indianer von Cleveland“ hierzulande populär wurde. „Wir glauben, dass wir mit einer sehr guten Mischung aus starken Legionären und talentierten und hoch motivierten Eigenbauspielern in die Saison gehen“, meint Rudigier. „So können wir unser Ziel erreichen und auch heuer wieder in die Play-offs kommen.“
Sprungbrett für Trainer
Der Geschäftsführer einer Maschinenbaufirma, dessen Söhne auch bereits in diversen Nachwuchs-Nationalteams unterwegs sind, denkt aber noch einen Schritt weiter. Besser gesagt: Er muss das tun. Denn die gute Arbeit des hoch anerkannten Coaches Anthony Bennett hat sich so weit herumgesprochen, dass er nach dieser Saison den Klub verlässt und als österreichischer Nationaltrainer anheuert. „Das trifft uns hart, ist aber auch eine Auszeichnung für uns, dass wir nicht nur gute Spieler entwickeln, sondern auch gute Trainer hervorbringen.“ So wie es schon bei Clemens Cichocki der Fall war, der über Hard den Sprung zur deutschen U23-Nationalmannschaft geschafft hat.
Beispiele, auf die man bei den Hard Bulls stolz ist. Die aber auch zeigen, dass der Erfolg eben seine Tücken haben kann. Für Bennett ist jedenfalls schon ein Nachfolger gefunden. Denn David Brandt, bis dato als Spieler für die Bullen unterwegs, wird diese Saison in Japan spielen und dann als neuer Chefcoach nach Vorarlberg zurückkehren. Rudigier: „Er soll unseren erfolgreichen Weg fortführen.“