Ovid sah in ihr das Blut der Medusa, im Christentum wurde sie zum Sinnbild des Blutes Christi und damit zum Symbol von Opfer, Erlösung und ewigem Leben. In der Medizin schrieb man der zu Pulver zerriebenen Koralle eine blutstillende Wirkung zu, während sie in der Kosmetik dazu genutzt wurde, Lippen und Wangen rot zu färben.
Beliebt waren Korallen vor allem auch als Schutz gegen den „bösen Blick“. Besonders Kinder galt es im Volksglauben vor den schädlichen Einflüssen böser Menschen und Dämonen zu schützen. Aus Korallen gefertigte Schutzamulette zieren beispielsweise das Porträt der Infantin Maria Anna von Spanien als Kleinkind, das sich in der Sammlung des KHM-Museumsverbandes in Schloss Ambras befindet.
Die Praxis, Korallen als Material für Schmuck zu verarbeiten, ist jedoch schon wesentlich älter und war bereits zur Zeit der Antike auch hierzulande verbreitet. Vor allem in der Renaissance fanden kunstvoll aus Korallen gefertigte Objekte ihren Eingang in fürstliche Kunstkammern.
Kostbare Objekte
Zu den begeisterten Sammlern von Korallenobjekten zählte auch der ehemalige Tiroler Landesfürst Erzherzog Ferdinand II. (1529–1595). Dem kunstaffinen Habsburger gelang es, eine der bis heute weltweit bedeutendsten Sammlungen von Korallenobjekten anzulegen. Unter den nahezu hundert Objekten befanden sich neben naturbelassenen Stücken wie Korallenäste auch aufwendig bearbeitete Kunstwerke. Rund 50 davon sind – ergänzt um Objekte aus dem Naturhistorischen Museum Wien – aktuell in der Sonderausstellung „Das Blut der Medusa“ noch bis Ende Oktober auf Schloss Ambras zu bewundern – darunter beispielsweise eine kostbare Intarsie aus roter und weißer Koralle sowie ein Schreibzeug aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
An die Geschichten, die das Leben schrieb, erinnert hingegen ein Korallenberg rund um ein Erlebnis Kaiser Maximilians. Als begeisterter Jäger hatte sich dieser in der Martinswand bei Zirl verstiegen und wurde von einem Engel errettet. Das aus Gips, Korallen, Holz, Leinen, Glas bestehende Modell zeigt die Felsspalte, in der Maximilian ausharrte und in der er zum Dank ein Kruzifix errichten ließ.
Es geht allerdings noch fantastischer: Auf eine wahre Entdeckungsreise des Staunens kann man sich als Besucher in die sogenannten Korallenkabinette von Erzherzog Ferdinand II. begeben. Seltsame Meerungeheuer und eine Venusfigur treffen in dem mit schwarzem Samt ausgeschlagenen und an den Seitenwänden mit Spiegeln versehenen Glaskasten auf einen Kentauren und einen gekreuzigten Jesus Christus. Letztere Figuren dürften aus anderen, vermutlich beschädigten Kabinettschränken entnommen und in den sich ursprünglich rund um das Thema Wasser gestalteten Kabinettkasten integriert worden sein. In Szene gesetzt befinden sich die Korallenfiguren auf einem Berg von glänzenden Muscheln, begleitet von Glasgewächsen und einer bronzenen Eidechse.
Zu den ungewöhnlichen Stücken, die in der Ausstellung bewundert werden können, zählt auch ein Korallensäbel mit Scheide, der jedoch nie mit einer praktischen Funktion versehen war. Als Kunstkammerstück verweist der Säbel vielmehr auf das abgeschlagene Medusenhaupt. Immerhin soll das Blut der Gorgone laut antiker Mythologie für die Entstehung der Korallen verantwortlich gewesen sein.


Zukunft mit Korallen?
Wann und wie die Koralle schließlich wissenschaftlich als Tier klassifiziert werden konnte, wird in einem eigenen Raum nachgegangen. Es war der schwedische Naturforscher Carl von Linné, der die Koralle im 18. Jahrhundert endgültig dem Tierreich zuordnete. Die dem Stamm der Nesseltiere zugezählten Lebewesen sind aufgrund von rücksichtslosen Fischfangmethoden und der Erwärmung der Meere durch den Klimawandel heute jedoch vielerorts vom Aussterben bedroht. In der Ausstellung war es von daher ein besonderes Anliegen, gleich zu Beginn diesen Umstand ins Bewusstsein zu rufen.
Mit einer von den Besuchern gestalteten Installation – diese können noch während der Laufzeit der Ausstellung gehäkelte, gefaltete oder geformte Korallenobjekte hinterlassen – möchte man zudem darauf verweisen, dass dem Sterben der Korallenriffe nur gemeinsam entgegengetreten werden kann.








