Das Waldviertel bleibt ein beliebter Standort zum Wohnen und Arbeiten. Nachdem die Corona-Pandemie in den Jahren 2021 und 2022 einen regelrechten Boom in der Region ausgelöst hatte, weil viele während der Lockdowns der Stadt entfliehen wollten, folgte 2023 und 2024 vor allem aufgrund gestiegener Zinsen und verschärfter Kreditvergabevorschriften der Einbruch. Nun zeigt der Trend wieder nach oben.
2025 wurden im Waldviertel 1.855 Immobilien im Gesamtwert von 196 Mio. Euro verkauft. Das bedeutet zwar noch immer deutlich weniger als in den Corona-Jahren, aber dennoch eine leichte Steigerung gegenüber 2024. „Der Immobilienmarkt im Waldviertel zeigt sich insgesamt wieder freundlicher. Allerdings trifft eine aktuell wieder steigende Nachfrage auf stagnierendes Angebot, insbesondere bei neuen Immobilien“, erklärt Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien in NÖ/Wien/Burgenland.
Corona-Niveau fast erreicht
Das schlägt sich auch in der Preisentwicklung bei Einfamilienhäusern und Grundstücken nieder. Mittlerweile hat sich der Markt stabilisiert und zieht wieder an: 2025 musste man für ein Einfamilienhaus – nach wie vor die gefragteste Immobilienart im Waldviertel – rund 2.300 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Im Vergleich zu 2024 (1.800 Euro) entspricht das einem deutlichen Zuwachs von 27 Prozent. Auch die Grundstückspreise kletterten von durchschnittlich 20 Euro auf 26 Euro pro Quadratmeter. Damit sei laut Weinberger fast das Niveau des Boom-Jahres 2022 wieder erreicht, als der Quadratmeter bis zu 30 Euro kostete.
„Bei den Häuserpreisen ist noch Luft nach oben, hier wurden in den Corona-Jahren 2021 und 2022 bis zu 2.600 Euro je Quadratmeter bezahlt“, so der RIV-Geschäftsführer. Lediglich Wohnungen waren 2025 mit einem Quadratmeterpreis von rund 2.400 Euro etwas günstiger zu haben als im Vorjahr (2.700 Euro).
Dass die Nachfrage das Angebot im Waldviertel übersteigt, liegt laut Weinberger auch an der hohen Zahl sanierungsbedürftiger Objekte. Der Bestand in gutem Bauzustand sei im Waldviertel knapp, gebrauchte Objekte müssten oft erst Schritt für Schritt saniert und an die Bedürfnisse der neuen Eigentümer angepasst werden. Zugleich punkte das Waldviertel hier wiederum mit einem breiten Angebot an vergleichsweise günstigen Handwerksbetrieben. „Angesichts stark gestiegener Baukosten stellen bestehende Häuser daher für eine wachsende Kundengruppe eine attraktive Alternative zum Neubau dar.“
Kühle Region lockt Hitzeflüchtlinge
Auch der Klimawandel und seine Auswirkungen machen sich bei der Nachfrage nach Wohnraum im Waldviertel bemerkbar, berichtet Weinberger. So konnte die Region gerade im vergangenen Hitzesommer mit österreichischem Allzeittemperaturrekord besonders mit ihren tendenziell kühleren Temperaturen punkten. Was früher oft als Nachteil wahrgenommen wurde, werde nun zunehmends ein Attraktivitätsmerkmal: „Menschen aus den Ballungszentren entdecken das klimatisch angenehmere Waldviertel wieder verstärkt für sich. Dazu zählen sowohl Interessenten an einem Zweitwohnsitz als auch Best Ager, die hier einen attraktiven Wohnort für ihren nächsten Lebensabschnitt finden wollen.“
Eine alternde Region ist das Waldviertel freilich nicht: Die größte Gruppe der Zuzügler ist zwischen 20 und 37 Jahre alt und bringt oftmals Familie mit oder möchte in naher Zukunft eine Familie gründen, weiß Regionalentwickler Josef Wallenberger: „Hier geht es um die Frage, wo die eigenen Kinder aufwachsen bzw. in die Schule gehen sollen. Und die Antwort lautet oft: Im Waldviertel!“ Neben leistbarem Wohnraum seien dabei auch verfügbare Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit und Lebensqualität entscheidend.

Positive Zuzugsbilanz reicht nicht aus
Eine Abwanderungsregion ist das Waldviertel längst nicht mehr: Im vergangenen Jahr sind laut Statistik Austria zwar 4.956 Menschen abgewandert, zugleich jedoch 5.285 Menschen in die Region gezogen und haben hier ihren Hauptwohnsitz gegründet. 1.269 davon kamen aus Wien, 542 aus dem Wiener Umland. Auch Tiroler waren mit dabei, für die laut Wallenberger neben mehr Ruhe und besserer Leistbarkeit ein weiterer, oft übersehener Grund eine Rolle spiele: näher bei den in Wien studierenden oder arbeitenden Kindern zu sein, die von Tirol in die Bundeshauptstadt gezogen sind.
Insgesamt zogen 329 Personen mehr zu als weg. 8.679 Waldviertler wechselten innerhalb der Region ihren Wohnsitz. Dennoch sinkt die Bevölkerungsanzahl – allerdings aufgrund der Demografie: 1.519 Geburten stehen 2.571 Todesfälle gegenüber.
Um auch künftig ausreichend Zuzug zu sichern, versucht der Verein Interkomm seit 2008 die Qualitäten des Standorts unter der Marke „Wohnen im Waldviertel – Wo das Leben neu beginnt“ zu kommunizieren. „Zuzug ist und bleibt wichtig für das Waldviertel. Daher möchten wir das Lebensgefühl hier sichtbar machen und zeigen, wie modernes Leben in der Region tatsächlich aussieht“, sagt Patrick Layr, Interkomm-Obmann und Bürgermeister von Weitra. Die Plattform wohnen-im-waldviertel.at bündelt Informationen rund um Immobilien, freie Jobs, Kinderbetreuung und Schulen, Kultur- und Freizeitangebote sowie Gesundheit in der Region. Mit 66 Gemeinden ist mehr als die Hälfte des Waldviertels Mitglied bei Interkomm. Seit Projektstart sind insgesamt 88.953 Hauptwohnsitze im Waldviertel gegründet worden.
Auch Raiffeisen Immobilien will – nicht nur im Waldviertel – bei der Suche nach der passenden Immobilie unterstützen: Über einen neuen Vormerkservice erhalten Kunden abgestimmte Angebote 48 Stunden exklusiv noch vor der allgemeinen Veröffentlichung auf den großen Immobilienportalen.








