Vielschichtige Perspektiven

Mehr als 100 Teilnehmer fanden sich zur ersten Funktionärsplattform des Raiffeisenverbandes Steiermark im Jahr 2026 ein.

Den Anfang machte Verbandsjurist Christopher Konrad, der über Aktuelles aus dem Raiffeisenverband, insbesondere zu juristischen Fragestellungen, informierte. Im Mittelpunkt standen rechtliche Änderungen im Zahlungsverkehr, die Banken – speziell mit Blick auf die Betrugsprävention – vor große Herausforderungen stellen und künftig möglicherweise auch große Haftungsproblematiken mit sich bringen werden.

Welche Impulse und Stolpersteine das Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft für einen Großbetrieb wie das Landeskrankenhaus Graz II bringt, das 2.100 Beschäftigte führt und mehr als 100.000 Patienten jährlich betreut, demonstrierte dessen Betriebsdirektor Bernhard Haas. Ein grüner Spitalsbetrieb mache Kranke gesund, schone Ressourcen und sorge für eine intakte Umwelt, in der Menschen gesund bleiben. „Das Gesundheitswesen ist aber einer der größten CO2-Fußabdruckerzeuger“, betonte Haas. 

Eine optimierte Ressourcennutzung könne viel bewirken, Geld sparen und die Umwelt schonen, so Haas angesichts beeindruckender Kennzahlen: „Im Krankenhausbetrieb verbrauchen wir pro Patientin und Patient sechsmal mehr Energie und dreimal so viel Wasser wie in einem normalen Haushalt, auch die Abfälle inklusive Lebensmittel sind zwei- bis dreimal höher.“

Finanzsektor als Vorbild

In eine ähnliche Kerbe schlug der Umweltwissenschaftler Thomas Guggenberger von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, der den Anwesenden sehr eindringlich ins Gewissen redete: „Wir müssen den unvermeidbaren Klimaentwicklungen auf unserem Planeten ins Auge schauen und die negativen Auswirkungen von CO2-Emissionen aus fossiler Energie anerkennen, ohne dabei nach Schuldigen zu suchen. Unser Auftrag muss es aber sein, effiziente und sparsame Lösungen zu gestalten, denn die Geschwindigkeit der Erderwärmung hängt von uns Menschen ab.“ Gerade der Finanzsektor könne diesbezüglich mit gutem Beispiel vorangehen und viel bewirken, meinte der Ennstaler Naturforscher und Buchautor.

„Nicht auf andere schauen“

Einen durchaus kritischen Blick auf den Standort Österreich warf der im Raiffeisen-Sektor bekannte Finanzanalyst Peter Brezinschek: „Österreich hat so viele Hausaufgaben zu erledigen, damit wir gut durch die Zukunft kommen, da muss man gar nicht auf die vielen geopolitischen Brennpunkte schauen.“ 

Brezinschek beklagte vor allem die schwache Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie sowie die geringe Produktivität im internationalen Vergleich. Daher brauche es deutliche Strukturreformen, um Arbeit wieder lukrativer zu machen und steuerlich zu entlasten. Aktuell gleiche der Staat aber vieles aus. Weitere Schlüssel aus Sicht von Brezinschek: Entbürokratisierung und die Stärkung der privaten und betrieblichen Säule, um das staatliche Pensionssystem zu entlasten.

Gleichstellung verbessern

Durchaus Parallelen zwischen Raiffeisen und der Wirtschaftskammer erkannte die Landesvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“ in der Steiermark, Gabriele Lechner: „Auch in der Wirtschaftskammer haben wir viel zu wenig Frauen in Funktionen. Dafür braucht es jedoch bessere Rahmenbedingungen wie etwa bei der Kinderbetreuung.“ 

Lechner zeigte sich als engagierte Kämpferin, der eine Gleichstellung der Geschlechter besonders am Herzen liegt. Gleichzeitig appellierte sie an die anwesenden Funktionärinnen: „Als Frauen müssen wir mehr einfordern. Man darf es auch gerne lauter, ohne gleich ungut zu sein!“ 

In einem kurzweiligen Podiumsgespräch diskutierte die Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin gemeinsam mit den steirischen „Jungunternehmerinnen des Jahres“ – Christina Frewein, Katrin Wallner und Jasmin Hirschmann – über den Mut, Neues zu wagen und in der Region umzusetzen.

AusgabeTZ17-2026

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