The Sound of Music: Zwischen Mythos und Wirklichkeit 

Auf dem Areal von Schloss Hellbrunn gibt es in Salzburg nun ein Museum rund um den Musical-Klassiker „Sound of Music“. Die Klärung der Rechte war allerdings herausfordernd.

Eine junge Frau bleibt auf einer Anhöhe stehen, breitet die Arme aus und beginnt zu singen. Im Hintergrund sind saftige Wiesen und imposante Berge zu sehen. Ein Österreich, wie es sich die Welt erträumt: malerisch, romantisch und herrlich kitschig. Seitdem der Film „The Sound of Music“ im Jahr 1965 in die Kinos kam, gehört diese filmische Alpenidylle zum internationalen Bild Österreichs. Der Film wurde hauptsächlich in Salzburg gedreht. Songs wie „Do-Re-Mi“, „Edelweiss“ und „My Favorite Things“ sind heute vor allem in den USA, Asien oder Australien fest im kulturellen Gedächtnis verankert. 

Der Film über die Familie Trapp, die 1938 Salzburg wegen des Nationalsozialismus verließ und sich in Amerika ein neues Leben aufbaute, wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet – darunter jenen für den besten Film, die beste Regie und die beste Hauptdarstellerin. Dieser weltweite Erfolg hat große Auswirkungen: Jährlich kommen Tausende von Touristen in die Stadt, um die Originalschauplätze der Verfilmung zu besichtigen. Es hat sich ein florierender Tourismussektor entwickelt, der Besuchern mit Bus- oder Fahrradrouten und geführten Stadtrundgängen die Schauplätze näherbringt. 

Im Ausland fand „The Sound of Music“ zwar großen Anklang, im deutschsprachigen Raum wurde der als „Meine Lieder, meine Träume“ veröffentlichte Film jedoch kaum wahrgenommen. Mit der stark romantisierten Darstellung von Salzburg und der Familie Trapp konnte man wenig anfangen. Was Salzburg lange fremd war, lässt sich nun aber museal entdecken. Mit „Sound of Music Salzburg“ gibt es am historischen Areal von Schloss Hellbrunn ein Museum. 

„Erstmals wird das Phänomen ‚The Sound of Music‘ umfassend beleuchtet“, sagte Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museum. Das Museum widmet sich zwei Erzählsträngen: dem weltweiten Mythos von „The Sound of Music“ und der tatsächlichen Geschichte der Familie Trapp. Die Ausstellung zeichnet den Weg von den Vorläuferfilmen über die Broadway-Uraufführung des Musicals 1959 bis zur Verfilmung in Hollywood nach.

Stadt als Charakter

Im Rahmen der Eröffnung wehte ein Hauch von Hollywood durch Hellbrunn: Mit Nicholas Hammond, Duane Chase und Kym Karath waren drei Schauspieler zu Gast, die einst die Trapp-Kinder Friedrich, Kurt und Gretl spielten. Die Ausstellung ließ Erinnerungen an ihre Zeit als junge Schauspieler lebendig werden. 

Hammond freute sich besonders, wieder in Salzburg zu sein: „Die Stadt ist wie ein Charakter im Film, sie macht den Film zu dem, was er ist.“ Kym Karath konnte ein besonderes Erinnerungsstück bestaunen: Im Museum ist ein Kleid ausgestellt, das sie vor mehr als 60 Jahren als Gretl getragen hatte.

Auf einer Fläche von 668 Quadratmetern in Jägerhaus, Tierwärterhaus und Remise sind insgesamt 477 Objekte – unter anderem Requisiten aus dem Film, Kinoplakate und Bühneninszenierungen des Landestheaters und Marionettentheaters – zu sehen. Es sind auch originale Aufzeichnungen des Musicals von 1959, Bild- und Tonaufnahmen vom Filmdreh 1964, Filmmaterial mit Maria von Trapp sowie Ausschnitte aus dem Hollywood-Film ausgestellt. 

Ein Highlight der Ausstellung ist der nachgebaute Pavillon aus dem Hellbrunner Park: In einer 3D-Inszenzierung werden die filmischen Szenen „Sixteen Going on Seventeen“ und das interaktive „Do-Re-Mi“ mit Surround-Sound und atmosphärischen Effekten inszeniert. Im Jägerhaus widmet sich das Erdgeschoß der Bühnenkarriere von „The Sound of Music“ – vom Broadway über Salzburg bis zu internationalen Aufführungen. 

Wahre Lebensgeschichte

Im Obergeschoß geht es um das tatsächliche Leben der Familie Trapp: um ihre Lebensgeschichte, ihre Auswanderung nach Amerika und das kulturelle Vermächtnis, das sie hinterlassen haben. Im Jahr 1949 schrieb Maria von Trapp ein Buch über ihre Familie. Die reale Geschichte der Familie weicht dabei in einigen Punkten von der Erzählung ab, die Millionen Menschen aus dem Film kennen. 

Georg von Trapp war Offizier der österreichischen Marine, er hatte sieben Kinder mit seiner ersten Frau. Nach dem Tod der ersten Frau heiratete er das Kindermädchen Maria. Gemeinsam bekam das Paar drei weitere Kinder. Im Film kommt Maria als junge Gouvernante zu den sieben Kindern. Tatsächlich war sie zunächst als Erzieherin für eines der Kinder engagiert. Auch die Emigration der Familie 1938 verlief anders als im Film: Sie floh nicht dramatisch über die Berge, sondern verließ Österreich auf legalem Weg mit dem Zug über Südtirol.

Zehn Jahre Vorlaufzeit

Versuche, ein Museum zu etablieren, gab es über die Jahre an verschiedensten Standorten und von unterschiedlichsten Initiatoren. Bis zur tatsächlichen Realisierung war es jedoch ein langer Weg. Die Verhandlungen um die Filmrechte haben 2017 begonnen. „Da sind die Rechteinhaber für den Film und für die Musik. Außerdem musste mit allen Schauspielern und deren Erben Verträge erstellt werden“, sagte Peter Husty, Chefkurator des Salzburg Museum. 

Co-Kurator Matthias Bergsmann, sagte: „Die größte Herausforderung der vergangenen Monate bestand darin, aus der Fülle an Informationen, Medien und Objekten eine Auswahl zu treffen.“ Stadt und Land Salzburg haben in den Umbau der historischen Gebäude 4,6 Millionen Euro investiert. Die Ausstellung samt Rechteabklärung kostete 1,8 Millionen Euro.

Das Museum möchte Fans und Einheimische gleichermaßen ansprechen, betonte Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger: „Neben seiner touristischen Bedeutung besitzt das neue Museum auch hohe Relevanz für die Salzburger Bevölkerung. Denn das Konzept lädt ein, der so eng mit Salzburg verbundenen Geschichte der Familie Trapp zu begegnen und das Phänomen eines globalen Filmerfolgs besser zu verstehen.“ 

Das Museum hat bis zum 1. November Saisonbetrieb. Bis Ende September ist es täglich von 9:30 bis 18:30 Uhr geöffnet, ab Oktober von 9:30 bis 17:30 Uhr.

AusgabeRZ39-2026

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