100 Jahre Landesmuseum Burgenland

Mit zwei Sonderausstellungen widmet man sich aktuell in Eisenstadt der 100-jährigen Geschichte des Landesmuseums Burgenland.

Was haben das Skelett eines Höhlenbären und der Tanzschuh der berühmten Tänzerin Fanny Elssler gemein? Auf den ersten Blick nicht viel und doch zumindest eines: Beide Objekte sind heute Teil der Sammlung des Landes Burgenland und damit mit der Geschichte von Österreichs östlichstem Bundesland verbunden.

Über beide Objekte lassen sich spannende Geschichten erzählen: Sowohl Fanny Elsslers Vater als auch ihr Großvater waren als Notenkopisten von Joseph Haydn, der im Dienst der Esterházys in Eisenstadt stand, tätig – während „ursus spelaeus“ sein Leben vor rund 30.000 Jahren in einer Höhle im burgenländischen Winden aushauchte. Als historische beziehungsweise naturhistorische Zeitzeugnisse sind die Ausstellungsstücke derzeit gemeinsam im Rahmen der Sonderausstellung zum 100-jährigen Jubiläum des Landesmuseums im historischen Leinner-Haus zu sehen. Das Landesmuseum kehrt damit an jenen Ort zurück, an dem es vor 100 Jahren eröffnet wurde. 

Für einen Schilling

Bei der Inbetriebnahme des Museums war das Burgenland als Bundesland gerade einmal knapp fünf Jahre alt. Während der Monarchie hatte die Region in der ungarischen Reichshälfte gelegen, weshalb sich viele der zuvor in der Gegend gesammelten Objekte in ungarischen Museen befanden. Das hatte zur Folge, dass erst einmal eine eigene landeskundliche Sammlung aufgebaut werden musste. 

Es ist neben dem damaligen Landeskulturreferenten Ludwig Leser vor allem dem jüdischen Weingroßhändler, Sammler und Mäzen Sándor Wolf zu verdanken, dass das Projekt rasch an Fahrt aufnehmen konnte. Wolf hatte dem Landesmuseum das seit 1918 im Besitz des Familienunternehmens befindliche barocke Leinner-Haus gegen einen Anerkennungszins von einem Schilling als provisorische Unterkunft zur Verfügung gestellt, bevor es schließlich 1930 vom Land angekauft werden konnte. Zum ersten Direktor wurde Museumsexperte Alphons Barb bestellt. 

Die Sammlung war von Beginn an breit aufgestellt gewesen. Neben Objekten zur Kultur- und Landesgeschichte, zur Volkskunde, Geologie und Biologie, widmete man sich auch der Urgeschichte und der Archäologie. Zu den frühen Objekten, die das Museum akquirieren konnte, zählten jungsteinzeitliche Keramikscherben und Knochenfunde aus Antau sowie ein römischer Münzschatz von Wallern. 

Vertreibung

Auch Wolf selbst hatte, angeregt vom Fund einer römischen Münze, bereits um 1900 zu sammeln begonnen. Aus dieser Leidenschaft war schließlich ein Privatmuseum mit rund 6.000 Objekten (Stand 1930) entstanden. Neben archäologischen Funden, Kunst- und Kunstgewerbegegenständen gehörten dazu auch Judaica – Literatur, Schriften und Gegenstände, die sich mit dem Judentum, der jüdischen Kultur, Religion oder Geschichte beschäftigen. 

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Wolf enteignet und floh nach Palästina. In den ehemaligen Häusern des vertriebenen Sammlers und Mäzens fand man den geeigneten Platz, um die Bestände des an Platznot leidenden Landesmuseums unterzubringen. Wolfs private Sammlung wurde dabei als geschlossene Einheit weiterverwaltet. Die Übersiedlung in die sogenannten Wolf-Häuser 1939 stellt damit eines der dunkelsten Kapitel der Museumsgeschichte dar und wird im Rahmen der zweiten Jubiläumsausstellung „Das Landesmuseum und das Judentum“ thematisiert. 

Bereits 1388 erhielt eine jüdische Gemeinde in Eisenstadt die Ansiedlungserlaubnis. Nach der Vertreibung 1671 entstand beim Esterházyschen Meierhof das neue Judenviertel Unterberg, das bis 1938 eine selbstständige Gemeinde bildete. Zu seinen bedeutendsten Familien zählten die Wolfs, deren Wurzeln in der Wiener jüdischen Gemeinde lagen. Joachim Wolf hatte 1790 jene Weinhandlung gegründet, die später als „Leopold Wolf’s Söhne“ bekannt und von Sándor Wolf weitergeführt wurde. Die Ausstellung beleuchtet anhand von Originalobjekten, Dokumenten und biografischen Zeugnissen sowohl Wolfs wissenschaftliches Engagement sowie die Verfolgung und Enteignung während der NS-Zeit und die spätere Restitution der geraubten Kulturgüter sowie deren teilweisen Ankauf durch das Landesmuseum. 

Beide Ausstellungen werden bis 26. September 2027 zu sehen sein.

AusgabeRZ45-2026

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